Ist das der Anfang vom Ende des «Bahnhöfli» in Bauma?
Wirt schlägt Alarm wegen Personalnot
Markus Kradolfer führt seit 30 Jahren das Restaurant Bahnhof in Bauma. Bisher hatte er nie Mühe, Personal zu finden. Das änderte sich vor Kurzem – und stellt den Wirt vor eine schwierige Entscheidung.
Das Restaurant Bahnhof in Bauma ist eine Institution. Und Wirt Markus Kradolfer kennt im Dorf fast jeder. Doch ob es die beliebte Gaststätte im Dorfzentrum auch in Zukunft geben wird, das ist derzeit ungewiss.
Darauf deutet bereits ein Schild vor dem Gebäude hin: «Serviceaushilfe gesucht, auch für Wochenende», ist darauf zu lesen.
Die Personalnot im Gastgewerbe ist nicht neu, zahlreichen Restaurants macht sie zu schaffen. «Aber bei uns geht es jetzt dann ums Überleben», sagt Kradolfer.
Eine Angestellte hat gekündigt, eine andere will ihr Pensum reduzieren. In einem zehnköpfigen Team hat das grosse Auswirkungen.
Vorwürfe macht der Wirt seinen Angestellten keine. «So ist es halt, die Lebensumstände ändern sich», betont er. Doch ihn stellt das vor eine neue Herausforderung. Er muss neues Personal finden – und das ist im Gastgewerbe nicht einfach.
Erfahrung ist nötig
Vor einigen Wochen hat er wegen der kommenden Abgänge ein Stelleninserat aufgeschaltet. «Auf allen Kanälen», wie er betont. Zwar hat er zahlreiche Rückmeldungen erhalten – aber keine ernsthaften, wie er findet.
«Viele meinen: ‹Ach, so ein bisschen kellnern, das kann doch jeder›», ärgert er sich. «Wenn man nichts findet, soll man in den Service gehen.» Für Kradolfer ist das der falsche Ansatz.
«Wir sind ein etabliertes Restaurant und wollen unseren Gästen einen gepflegten Service bieten.» Das können seiner Meinung nach nur Leute, die schon etwas Erfahrung mitbringen.
Von Personalsorgen ist Kradolfer bisher verschont geblieben. «Ich habe viele langjährige Festangestellte, auch im Service.» Für ihn hat das einen Grund: «Bei uns steht der Mensch im Vordergrund.»
Kein langsamer Untergang
Seit 30 Jahren hat das «Bahnhöfli» an sechs Tagen pro Woche offen, nur am Donnerstag ist Ruhetag. In Bauma ist dies einzigartig. Die anderen Restaurants haben jeweils an zwei Tagen geschlossen.
Besonders viele Gäste kommen jeweils am Mittag ins Restaurant Bahnhof sowie am Freitag- und Samstagabend und am Sonntagmittag. «Gerade am Wochenende wollen immer weniger Leute arbeiten», sagt er. «Doch ausgerechnet dann brauchen wir jeweils zwei Leute im Service, damit wir den Betrieb stemmen können.»
Wenn er zu diesen Zeiten das Restaurant schliessen muss, dann fehlen wichtige Einnahmen. «Und die Fixkosten bleiben ja sowieso», sagt Kradolfer. Er will deshalb um jeden Preis verhindern, dass er die Öffnungszeiten reduzieren muss. «Das ist eigentlich immer der Anfang vom Ende.»
Er findet klare Worte: «Das möchte ich einfach nicht. Dann mache ich lieber zu, als dass wir langsam untergehen.»
In Bauma in Pension gehen
Er sucht aber weiter nach geeignetem Personal. Und er ist überzeugt, dass er als Arbeitgeber einiges zu bieten hat. «Oft geht das Gerücht um, im Service verdiene man ja nichts», meint er. Schliesslich gebe es im Gastgewerbe einen modernen Gesamtarbeitsvertrag. «Und das Trinkgeld kommt noch dazu.»
Ihm sei bewusst, dass viele Angestellte nicht mehr dann arbeiten wollten, wenn er sie im Restaurant dringend brauche – am Abend etwa und am Wochenende. «Aber man kann es ja auch anders sehen», meint er. «Man hat dann frei, wenn alle anderen arbeiten. Das hat auch Vorteile.»
Wie es im «Bahnhöfli» weitergeht, wird sich in den nächsten Monaten weisen. Aufgeben wird trotz allem für den 56-jährigen Gastronomen schwer: «Ich will kämpfen und hier in Bauma in Pension gehen.»
