Wie zwei Zürcher Oberländer mehr als 160’000 Franken wiederfanden
Verschollene BVG-Gelder
Vorsicht bei Jobwechsel oder Arbeitslosigkeit. Wer nicht aufpasst, läuft Gefahr, Teile seiner Vorsorge zu verlieren.
Wenn man arbeitslos wird, seinen Job wechselt oder sich eine berufliche Auszeit gönnt, erhält man in aller Regel von seiner Pensionskasse ein Schreiben mit der Mitteilung, dass man von nun an von der Pensionskasse ausgeschlossen ist.
Der oder die Versicherte muss der Pensionskasse mitteilen, wohin die angesparten Gelder der beruflichen Vorsorge überwiesen werden sollen. Unternimmt der Versicherte nichts, fliesst das Geld an die Stiftung Auffangeinrichtung BVG. Dort bleibt es, bis deren Besitzerinnen oder Besitzer ihren Anspruch geltend machen.
Es geht um viel Geld. Ende 2022 lagen Altersguthaben von über 16 Milliarden Franken auf 1,4 Millionen Konten in der Auffangeinrichtung BVG.
Minimale Zinsen
Die Pensionskassen sind verpflichtet, die vergessenen Vermögen innert zweier Jahre an die Auffangeinrichtung zu überweisen. Die Stiftung investiert passiv, das heisst, sie ist ein eigentlicher Friedhof für die Pensionskassengelder. Diese werden zu minimalen Sätzen verzinst. 2022 waren es exakt 0,01 Prozent, bis Ende 2023 stieg der Zinssatz auf immer noch kümmerliche 0,3 Prozent. Und das kann teuer werden, je nach Dauer, in der das Geld in der Auffangeinrichtung liegt.
Zu den vergessenen Pensionskassengeldern gehörte bis vor Kurzem auch ein Konto von V. T.* aus Mönchaltorf. «Ich hatte in der Vergangenheit recht viele Stellenwechsel», erzählt der Oberländer, «und hatte mich schlicht nicht um die BVG-Gelder gekümmert.»
Vor 10 bis 15 Jahren habe er sich zwar schon einmal damit beschäftigt, allfällige Gelder zu suchen, damals ohne Erfolg. Ein Freund habe ihn dann auf ein einfaches digitales Tool aufmerksam gemacht, das heute bei der Suche nach verschwundenen Pensionskassengeldern helfe. In der Deutschschweiz wird dieses Tool von der Pure Finance in Zürich angeboten. Entwickelt wurde das Programm von der Kala Suisse SA in Delsberg JU.
Das System ist einfach: Auf der Website kann der Nutzer eine kostenlose und unverbindliche Suche bei über 1500 Vorsorgeeinrichtungen in der Schweiz durchführen. Sobald die Resultate vorliegen, hat er die Möglichkeit, sein Vermögen zu verschieben und das Geld besser anzulegen. Für die Versicherten ist der Service kostenlos.
Mehr als 100’000 Franken wiedergefunden
Dass sich die Suche lohnen kann, zeigt das Beispiel von V. T.: Der Mönchaltorfer hat auf diese Weise Pensionskassengelder von mehr als 100'000 Franken wiedergefunden. «Nach und nach kam das Geld von verschiedenen Konten der Auffangeinrichtung.»
Auch M. P.* aus Uster wurde auf diese Weise fündig. Bei ihm wurden 60'000 Franken gefunden, die in der Auffangeinrichtung BVG lagerten. Auch M. P. war zwar immer berufstätig, wechselte aber oft den Arbeitgeber: «Nicht alle nahmen es mit der Pensionskasse sehr genau.»

Seit drei Jahren gibt es den Suchdienst – online, aber auch als App für iOS und Android. In diesen 36 Monaten haben 47'000 Nutzerinnen und Nutzer einen Betrag von mehr als 600 Millionen Franken gefunden.
Bleibt die Frage, wie Anbieter wie Kala oder Pure Finance von der kostenlosen Dienstleistung profitieren. Sie tun dies nur, wenn die oder der Versicherte sie damit beauftragt, das Geld neu anzulegen. Dann fällt eine kleine Gebühr an, die aber von den entsprechenden Anlagefirmen übernommen wird.
Eine Suche lohnt sich vor allem in diesen Fällen: wenn jemand eine gewisse Zeit arbeitslos war, nach einer beruflichen Auszeit, bei häufigen Stellenwechseln oder auch wenn jemand auswandert.
* Namen der Redaktion bekannt.
