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Deshalb liefert der Schlatter Postautobetrieb auch Getränke aus

«Wir haben es ja schon immer so gemacht», sagt Peter Steiger. Es müsse sich auch nichts am Geschäftsfeld ändern.

Peter Steiger übernimmt viele Aufgaben im Betrieb – und fährt auch Postauto.

Foto: Bettina Schnider

Deshalb liefert der Schlatter Postautobetrieb auch Getränke aus

Traditionsbetrieb aus dem Tösstal

Im Schlatter Familienbetrieb Steiger sind zwei Geschäftsfelder vereint: Getränkehandel und Postautobetrieb. Eine anspruchsvolle Kombination.

Peter Steiger trägt immer zwei Hüte gleichzeitig: Er ist Getränkehändler und leitet einen Postautobetrieb. Vereint sind diese Aufgaben aber alle in einem Unternehmen, der Steiger Getränkehandel und Postautobetrieb AG. Eine unübliche Konstellation mit langer Tradition.

Peter Steigers Vater Hans startete 1958 mit dem Betrieb der Postautolinie von Unterschlatt nach Räterschen. Nebenher trug er auch Post aus. «So viele Kurse gab es damals aber noch nicht», erklärt Steiger.

Da gab es noch freie Zeit, die der Vater nutzte, um seinen Getränkehandel aufzubauen. Zuerst reichte noch der Platz im Keller, bald wurde ein Teil der Postauto-Einstellhalle als Lager genutzt. Inzwischen hat die Firma mehrere Lager in Unterschlatt, darunter eine grosse Halle beim Fahrzeugdepot.

Die Kombination aus den beiden Geschäftsfeldern funktioniert bis heute. «Ich sehe keinen Grund, etwas zu ändern», sagt Peter Steiger. «Wir haben es ja schon immer so gemacht.»

Wenige Freiheiten

Die Zeiten des Einmannbetriebs für eine Postautolinie sind schon lange vorbei. Der Familienbetrieb aber ist geblieben: Neben Peter Steiger, der bis 1994 noch professionell Radrennen fuhr, sind auch zwei seiner drei Brüder ins Geschäft eingestiegen. Der älteste ist bereits pensioniert, dafür arbeiten zwei von Steigers Neffen ebenfalls für die Firma. Die Geschäftsleitung obliegt aber weiterhin Peter Steiger und seinen Brüdern.

Heute betreibt das Unternehmen sechs Postautolinien und eine Verbindung im Nachtnetz. Dazu gehören beispielsweise der Kurs 833 von Pfäffikon nach Wila oder die Linie 680 von Elgg via Schlatt nach Winterthur.

Viele der Fahrgäste wissen dabei vermutlich nicht, dass sie mit einer privaten Busfirma unterwegs sind. Erkennbar ist dies nur an einer Aufschrift hinten am Postauto.

Man sieht eine Beschriftung am Postauto.
Postauto ist nicht gleich Postauto. An der Beschriftung erkennt man, welches Unternehmen unterwegs ist.

Steigers Unternehmen ist eine von gut 100 privaten Firmen, die für die Postauto AG unterwegs sind. Diese erbringen dabei rund die Hälfte der Fahrleistung vom Busbetrieb des gelben Riesen.

Die Subunternehmer stehen unter Druck – schon seit Jahren. Viele klagen über den hohen Kostendruck und zu tief angesetzte Abgeltungen.

Peter Steiger sagt dazu trocken: «Es ist ein schwieriges Geschäft.» Viele unternehmerische Freiheiten habe man als privater Busbetrieb nicht.

Doch mit Kritik an der Postauto AG bleibt er zurückhaltend. «Wir haben aber schon das Gefühl, dass immer mehr Administration auf uns abgewälzt wird.»

Die Dienstplanung und die Lohnbuchhaltung liegen beispielsweise in der Verantwortung von Steiger. Für den Postautobetrieb hat die Firma 21 Festangestellte, dazu Reinigungspersonal und zwei Springer.

Auch für den Unterhalt der Busse ist Steiger selber zuständig. 700’000 Kilometer legen die sieben Fahrzeuge insgesamt im Jahr zurück. «Da reicht ein Service nicht», sagt der ehemalige Radrennfahrer.

Die Fahrzeuge gehören jedoch nicht der Firma. «Diese sind geleast von Postauto», sagt er. Im Fall eines Konkurses würden die Fahrzeuge damit nicht in die Konkursmasse fallen.

Ja keine Kursausfälle

Peter Steiger sowie sein jüngerer Bruder sind ebenfalls als Fahrer im Einsatz. Sie sind teilweise fix eingeteilt. «Und oft sind es wir, die ‹springen› müssen.» Beispielsweise, wenn Mitarbeiter krank ausfallen, auf dem Weg zur Arbeit stecken bleiben oder mit dem Bus eine Panne haben.

Peter Steiger zeigt dazu eine App auf seinem Handy. Dort sind alle Dienstpläne hinterlegt. «Wenn ein Fahrer aus dem Haus geht, muss er einchecken», erklärt er. «Dann wissen wir, er ist unterwegs.»

Auch bei der Ankunft in Schlatt und nach der letzten Fahrt mit dem Postauto müssen die Fahrer dies bestätigen. Wird nicht pünktlich eingecheckt, dann geht auf Peter Steigers Handy ein Alarm los, teilweise mitten in der Nacht. «So können wir sofort reagieren und sicherstellen, dass die Kurse gefahren werden können.»

Auch wenn das heisst, dass Peter Steiger eine Fahrt kurzfristig übernehmen muss. «Ganz verhindern können wir Kursausfälle nie, aber wir wollen so wenige wie möglich davon.»

Auftrumpfen mit Service

Denn wer auf dem Markt bestehen und seine Linien behalten will, muss die Kunden zufriedenstellen. Auch der Preis muss stimmen. Für die Aufträge muss Steiger jährlich ein Angebot bei der Postauto AG einreichen.

Dieser gehören nämlich die Konzessionen des Bunds für die einzelnen Linien, die die Postauto AG auch selber betreiben oder an ein anderes Unternehmen vergeben könnte.

Diese Unsicherheit bereitet Peter Steiger aber keine schlaflosen Nächte. «Das gehört halt dazu.» Umso wichtiger sei es, den Postautobetrieb gut zu führen.

Die Firma bewegt sich ohnehin in zwei anspruchsvollen Geschäftsfeldern. Der Getränkehandel, der für rund ein Drittel des Umsatzes verantwortlich ist, ist hart umkämpft.

Peter Steiger in seinem Getränkehandel-Lager in Schlatt bei Winterthur.
Peter Steiger im Getränkelager in Schlatt.

«Es ist ein Auf und Ab, aber wir konnten wieder etwas zulegen», freut sich Peter Steiger. Da ein Getränkehändler in Turbenthal schloss, konnte das Unternehmen Anfang letzten Jahrs einen grossen Teil des Kundenstamms übernehmen.

Als kleiner Händler konkurriert Steiger nicht nur mit anderen aus der Branche, sondern auch mit den Grossverteilern und ihren Heimlieferdiensten. «Die haben ja teilweise Aktionen unter unserem Einkaufspreis», ärgert er sich.

Sein Unternehmen muss deshalb mit anderen Qualitäten auftrumpfen, mit besserem Service und Flexibilität. «Bei Getränkenotstand liefern wir manchmal auch noch ausserhalb der eigentlichen Touren», sagt er. Und nicht selten geht er dann ins Lager und sorgt für den nötigen Nachschub.

In einem Jahr erreicht Peter Steiger das Pensionsalter. Er will sich dann aus dem Tagesgeschäft zurückziehen. Trotzdem wird er wohl weiterhin mitanpacken, wenn Not am Mann ist, sei es im Getränkehandel oder beim Postautobetrieb.

Vor allem letztere Arbeit bereitet ihm immer noch viel Freude. Aus einem speziellen Grund: «Wir haben Linien, wo wir viel Schönes sehen.» Seien es Wildtiere neben der Strasse oder die schöne Aussicht vom Sitzberg aus. «Ich könnte nicht einfach in der Stadt ‹umerassle›.»

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