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Turbenthaler Velohändler macht das Zentrum Wila komplett

Turbenthal ist um einen Veloladen ärmer. Doch Ruedi Nüssli ist nicht aus der Welt. Neu ist aber nicht nur der Standort.

Ruedi Nüssli zieht mit seinem Laden ein Dorf weiter – für mindestens weitere fünf Jahre.

Foto: Noah Salvetti

Turbenthaler Velohändler macht das Zentrum Wila komplett

Nüssli Radsport zieht um

Ab Anfang 2024 gibt es in Wila ein Velogeschäft – und nicht einfach irgendeines. Ruedi Nüssli führte seinen Laden zuvor 17 Jahre lang in Turbenthal. Der Standortwechsel verleihe ihm «neuen Drive», sagt er.

Seit Kurzem ziert ein neues Dekor die Aussenfassade des Ladenlokals im Zentrum Wila. Dort, wo die Konditorei Janz im August noch ihren Weltrekord-Nussfladen aus der Taufe gehoben hat, stehen heute sorgfältig aneinandergereihte Velos.

Der neue Mieter in der Zentrumsüberbauung ist Ruedi Nüssli. Seit 1997 führt er einen Veloladen, die letzten 17 Jahre war er damit in Turbenthal beheimatet. Offiziell begründet er den Umzug ins Nachbardorf mit dem Mix aus Wohn- und Gewerberäumen, der ihn gereizt hat.

Die Vollversion der Geschichte geht so: «Ich war immer zufrieden, bis es zu einem Wechsel in der Verwaltung der bisherigen Liegenschaft kam», erzählt er. Die neue Verwalterin wollte unter anderem den Mietzins markant erhöhen.

Neue Kundschaft anlocken

«Da habe ich mir gedacht, ich gebe lieber noch etwas mehr aus und habe dann ein Lokal, das wirklich passt», erklärt Nüssli. Der alte Standort im Kehlhof sei «okay» gewesen, dort habe er vor allem von der Stammkundschaft gelebt.

Ruedi Nüssli wuchs in Kollbrunn auf. Nach seiner Lehre als Velomechaniker arbeitete er in Altendorf SZ. «Ich hatte mir extra einen weit entfernten Betrieb gesucht, um den Arbeitsweg mit dem Training zu verbinden», erinnert er sich.

Schliesslich machte er den Schritt zum Radprofi und erfüllte sich 1989 den Traum, einmal an der Tour de Suisse mitzufahren. Nach einem Jahr war damit aber bereits wieder Schluss. «Ich musste mir eingestehen, dass ich etwas zu wenig vorbereitet an die Sache herangegangen bin.» (nos)

Mit dem neuen Laden mitten im Dorf und gleich neben der Tösstalstrasse ändert sich die Ausgangslage. Davon ist er überzeugt. Auch wenn er bereits viele Wilemer zu seinen Kunden zählen darf, erhofft sich Nüssli vom neuen Standort mehr neue Kundschaft.

Den Tipp, in die freie Liegenschaft im Zentrum Wila zu ziehen, hat er von einem Mitglied des lokalen Gewerbevereins erhalten. Das Lokal vermochte ihn zu überzeugen. «Die Fläche ist etwa gleich gross, dafür ist jetzt alles an einem Ort», sagt der Velohändler.

Showroom, Werkstatt, Lager und die Waschbox fürs Reinigen der Velos – alles befindet sich nebeneinander, optisch voneinander abgetrennt mittels Sperrholzwänden. Neuerungen gibt es auch im Sortiment, das hat sich laut Nüssli angeboten.

Neben der österreichischen Marke Simplon stehen neu auch ausgewählte Modelle vom spanischen Hersteller BH Bikes zum Verkauf. «Die sind etwas günstiger und haben ein familienfreundlicheres Sortiment», so Nüssli.

Das ist insofern ein Novum, weil sich der Velohändler in den letzten Jahren auf eine Marke konzentriert hat. «Ein grösseres Sortiment bedeutet nämlich auch immer mehr Frequentierung im Verkauf», betont er. Eine Herausforderung für den Ein-Mann-Laden, zumal Nüssli stets wichtig gewesen ist, auch Reparaturen anzubieten.

Deshalb schickte er Kunden, die Freizeitvelos suchten, oft direkt zu seinem Branchenkollegen Beni Gruosso, der seinen Laden vor Kurzem an die Hittnauer Firma Cycle Village AG verkauft hat.

Veloladen bleibt One-Man-Show

Auch der 60-jährige Nüssli stellte sich die Frage nach dem «Wie weiter?». Für ihn steht fest, dass er mindestens bis zum ordentlichen Pensionierungsalter weitermachen will. Denn: «Der Umzug gibt auch neuen Drive und motiviert mich.»

Am 3. Januar 2024 öffnet Nüssli Radsport in Wila seine Tore. Eine Eröffnungsfeier ist nicht geplant: «Wenn jemand danach fragt, antworte ich jeweils: ‹Chunsch dänn go hälfe?›» Bis auf die Buchhaltung wolle er den Laden nämlich auch in Zukunft komplett selbst schmeissen.

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