Traditionsbeiz findet keinen Pächter
«Freihof» in Grüningen
Die Wirtschaft zum Freihof ist ein beliebter Treffpunkt in Grüningen. Ende Jahr geht der langjährige Wirt in Pension. Was danach kommt, ist völlig unklar.
Parkplätze und eine Bushaltestelle direkt vor dem Haus, ein guter Ruf weit über Grüningen hinaus, eine Metzgerei gleich um die Ecke, ein hochanständiger Mietzins. Es ist schwierig, an der Wirtschaft zum Freihof in Grüningen herumzukritteln. 14 Jahre lang haben Ueli und Karin Braun das Restaurant im Ortsteil Binzikon geführt. Für ihre «Metzgete» und das hausgemachte Rindstatar kamen die Gäste von weit her.
Dazu steht das Lokal für gutbürgerliche Küche – vom Cordon bleu über den Fitnessteller bis zur Bratwurst mit Zwiebelsauce. Viele Vereine schätzen die Gastfreundschaft und die gemütliche Atmosphäre. Doch nicht mehr lange: Ende Jahr setzt sich Ueli Braun zur Ruhe, sein Pensionsalter hat er bereits vor zwei Jahren erreicht.
Eine Nachfolge ist nicht in Sicht. «Offen gestanden, sind wir etwas ratlos», sagt Andreas Baumgartner. Ihm und seiner Frau Ursi gehört der «Freihof» seit 2011. Sie haben ihn damals quasi mitsamt Pächter Braun übernommen und seither einiges in die Liegenschaft investiert. «Erst vor fünf Jahren haben wir neue Fenster einbauen lassen, Heizung, Lüftung und die Elektroinstallationen erneuert.» Das denkmalgeschützte Haus mit Baujahr 1829 ist in einem tadellosen Zustand.
Erfolglose Suche
Dass sich Ueli Braun zur Ruhe setzt, weiss das Ehepaar Baumgartner schon seit Februar 2023. Seit Mai sucht das Besitzerpaar mit Unterstützung der Gastroconsult AG, demTreuhand- und Beratungsunternehmen des Branchenverbands Gastrosuisse, einen neuen Mieter. Der Erfolg der Suche ist überschaubar: «Wir hatten in diesen Monaten keinen einzigen ernsthaften Interessenten.»
Das Ehepaar Baumgartner ist mit diesem Problem nicht allein. Wer auf Homegate im Kanton Zürich nach einem Restaurant, einem Café oder einer Bar zur Miete sucht, der stösst auf aktuell 99 Angebote. Vom «Juwel direkt am See» über das «Café an bester Lage» bis zur «Shisha Lounge und Bar an exzellenter Lage» findet sich alles.
Was sind die Gründe, dass so viele Gastro-Betriebe auf dem Markt sind? «Es spielen verschiedene Faktoren mit», sagt Corsin Biert. Der Mandatsleiter von Gastroconsult beschäftigt sich hauptberuflich unter anderem mit der Vermittlung von Mietern und Käufern für Gastro-Betriebe und kennt die Herausforderungen der Branche.
Fachkräftemangel und Corona
«Ein mitentscheidender Grund ist sicher der Fachkräftemangel», stellt Biert fest. «Dieser betrifft nicht nur Köche oder Servicepersonal, sondern auch Wirte.» Zudem spüre die Branche die Nachwirkungen der Pandemie: «Bei der Rückzahlung der Covid-Kredite stossen nicht wenige Wirte an ihre finanziellen Grenzen.» Mit der Konsequenz, dass eine sehr grosse Anzahl Betriebe auf den Markt gekommen sei und dort auf eine geringe Nachfrage stosse.
Der «Freihof» ist nicht das einzige traditionsreiche Restaurant in der Region, das keinen neuen Mieter findet. Die «Blume» in Bubikon ist seit Mitte Dezember geschlossen, im «Sternen» in Rüti ist für drei Monate eine Pop-up-Beiz eingezogen.
Und im «Freihof» in Grüningen? Bleiben die 108 Plätze, die sich auf Innenbereich, Säli und Terrasse verteilen, ab 1. Januar 2024 leer? «Wir wissen es nicht», sagt Andreas Baumgartner. «Einen Plan B haben wir nicht.»