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«Ein Eigenheim ist mehr als nur eine Investition»

«Der Nachfrage steht ein begrenztes Angebot gegenüber.» André Wegmann von der Bank Avera rechnet nicht damit, dass die Preise für Wohneigentum sinken.

«Investitionen in Liegenschaften bleiben interessant»: André Wegmann, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Bank Avera. (Archiv)

Foto: Seraina Boner

«Ein Eigenheim ist mehr als nur eine Investition»

Interview mit André Wegmann

Trotz gestiegenen Zinsen: Der Chef der Bank Avera hält ein Sinken der Eigenheimpreise in der Region für unwahrscheinlich.

Herr Wegmann, der Bank Avera Eigenheimindex schreibt von «Zeichen für eine Abkühlung». Wie ist das zu interpretieren? Werden Eigenheime jetzt günstiger, oder steigen die Preise einfach nicht mehr so stark wie in den letzten 20 Jahren?

André Wegmann, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Bank Avera: Wir leben hier in einer Region, die aufgrund ihrer Wirtschaftskraft, der sehr guten Infrastruktur und ihrer schönen Natur nach wie vor und auch in Zukunft sehr nachgefragt sein wird. Dieser Nachfrage steht ein begrenztes Angebot gegenüber. Wir sehen also nicht, dass die Preise für Eigenheime sinken werden, sondern eher, dass die Preise möglicherweise nicht mehr so stark steigen wie in den letzten 20 Jahren. Aufgrund des höheren Zinsniveaus kann es aber sein, dass grössere, hochpreisige Immobilien eher nicht mehr so gefragt sein werden und sich die Nachfrage auf kleinere, günstigere Objekte verschieben wird.

Wer in den letzten Jahren Wohneigentum erworben hat, der konnte davon ausgehen, dass dieses im Wert stetig steigt. Müssen wir uns von dieser Erwartungshaltung verabschieden?

Die zukünftige Entwicklung der Immobilienpreise hängt von verschiedenen Faktoren ab wie etwa dem Zinsniveau, der Zuwanderung sowie der Bautätigkeit in unserer Region. Investitionen in Liegenschaften bleiben aber aus unserer Sicht nach wie vor sehr interessant. Die Wertsteigerungen dürften im Segment der marktgängigen Immobilien aufgrund des knappen Angebots auch weiterhin erhalten bleiben – allerdings in einem weniger rasanten Tempo.

Wir stellen fest, dass einige Hausbesitzer ihre Hypotheken amortisieren.

Stellen Sie angesichts gestiegener Zinsen fest, dass Besitzer ihre Hypotheken amortisieren?

Ja, wir stellen fest, dass einige Besitzer ihre Hypotheken amortisieren. Es ist jetzt aber nicht so, dass ein sprunghafter Anstieg zu verzeichnen ist. Bei der Bank Avera legen wir grossen Wert darauf, unsere Kunden gesamtheitlich zu beraten und zu begleiten. Das bedeutet, dass wir nicht nur die aktuelle finanzielle Situation des Kunden betrachten, sondern auch seine langfristigen Ziele und Pläne. In einigen Fällen kann es sinnvoller sein, die Hypothek nicht zu amortisieren, sondern das Geld anderweitig zu investieren oder zu sparen.

Soll ich als Eigenheimbesitzer jetzt verkaufen, Kasse machen und das Geld anderweitig investieren?

Diese Frage kann nicht allgemein beantwortet werden, denn jede Situation präsentiert sich anders und verlangt nach einer individuellen Betrachtung. Eine Vermögenssituation muss immer gesamtheitlich betrachtet werden, eine isolierte Betrachtung ist tendenziell wenig sinnvoll. Und ganz wichtig: Ein Eigenheim ist mehr als nur eine Investition – es ist ein Zuhause, ein Ort, an dem Erinnerungen geschaffen werden und der für die Bewohnerinnen und Bewohner eine grosse emotionale Bedeutung hat. Eine solche Entscheidung ist also von grosser Tragweite und soll gut überlegt und geplant sein.

Eine Hypothek nur auf dem Saron ist wie Autofahren ohne Vollkasko. Wenn es knallt, muss ich genügend Geld haben, um mir ein neues Auto zu kaufen.

In den letzten Jahren waren Saron- respektive Libor-Hypotheken stets günstiger als Fixhypotheken. Was raten Sie Ihren Kunden in dieser Frage?

Wenn eine Familie beispielsweise ein straffes Budget hat, so sollten die Hypothekarzinsen nicht zu stark schwanken. In so einem Fall ist eine etwas teurere Festhypothek empfehlenswert, da sie eine stabile Budgetgrundlage erlaubt und nicht zu plötzlichen, schwer bezahlbaren Überraschungen führt. Wenn man jedoch über ein grösseres Einkommen verfügt oder die Hypothek nicht sehr hoch ist, kann man mit Saron-Hypotheken günstiger finanzieren. Es ist eigentlich wie bei der Autoversicherung: Eine Hypothek nur auf dem Saron ist wie Autofahren ohne Vollkasko. Wenn es knallt, muss ich genügend Geld haben, um mir ein neues Auto zu kaufen. Wenn die Zinsen steigen, muss ich genügend Geld oder Einkommen haben, um die höheren Zinsen bezahlen zu können. Fehlt mir das Geld, ist es ratsam, eine Vollkasko-Versicherung abzuschliessen beziehungsweise die Zinsen zu fixieren. Das ist zwar etwas teurer, gibt einem aber Sicherheit.

Die Wohnungsknappheit frisst sich immer weiter und breiter in die Peripherie. Was bedeutet das fürs Zürcher Oberland?

Nun, das ist eine interessante Frage! Wenn Sie die Oberländerinnen und Oberländer fragen würden, wo die Peripherie beginnt oder endet, würden Sie wahrscheinlich unterschiedliche Antworten erhalten. Einige könnten argumentieren, dass die Peripherie dort beginnt, wo die Kuhweiden anfangen, während andere behaupten könnten, dass die Peripherie dort endet, wo der letzte Bahnhof liegt. Ihre Aussage bezieht sich auf das Phänomen, dass aufgrund der hohen Nachfrage und der begrenzten Verfügbarkeit von Wohnraum in den städtischen Zentren immer mehr Menschen in die umliegenden Gebiete ziehen. Dieser Trend könnte bei höheren Zinsen tatsächlich noch etwas verstärkt werden. Lieber 20 Minuten länger pendeln und dafür ein günstigeres Wohneigentum mit bezahlbaren Wohnkosten besitzen. Das Zürcher Oberland ist verkehrstechnisch so gut angeschlossen, dass wir eben auch aus diesem Grund nach wie vor eine stabile Nachfrage nach Wohneigentum in unserer Region sehen.

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