Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Wirtschaft

Neue Heizzentrale sorgt für mehr Wärme in Rikon

Die Holzenergie Rikon AG will den nördlichen Dorfteil besser mit Fernwärme versorgen. Mit einer Heizung, die regionales Holz nutzt. Und einen Schatz, der lange verborgen war.

Das nagelneue Kaminrohr zeigt: Hier hat sich etwas verändert. Antworten erhält man im Keller.

Foto: Noah Salvetti

Neue Heizzentrale sorgt für mehr Wärme in Rikon

Energieversorgung im Tösstal

Im Keller des Zeller Gemeindewerkhofs steht seit Oktober eine neue Holzheizung. Sie ist das Herzstück eines neuen Wärmenetzes im Schöntal. Die Holzenergie Rikon AG setzt dabei auf Holz aus eigenen Wäldern.

Seit Oktober hat Rikon eine neue Holzheizzentrale – es ist bereits die dritte in der Gemeinde Zell.

Doch anders als die bestehende auf dem Kuhn-Rikon-Areal sieht man davon von aussen kaum etwas.

Sie liegt etwas versteckt im Untergrund des Gemeindewerkhofs im Industriegebiet Schöntal.

Die Holzenergie Rikon AG hat die ursprüngliche Ölheizung vor zwei Jahren von der Gemeinde Zell abgekauft.

«Die Gemeinde hatte uns schon länger angefragt, ob wir im Schöntal nicht auch einen Wärmeverbund realisieren wollen», verrät Verwaltungsratspräsident Emil Ott.

Mann vor einer Holzheizung.
Emil Ott ist Verwaltungsratspräsident der Holzwärme Rikon AG. Für ihn und den Rest des Teams sind die Wärmeverbünde in Rikon eine Nebenbeschäftigung.

Die Firma – sie ist ein Zusammenschluss von rund 40 lokalen Waldbesitzern, darunter auch die Gemeinde und die Kuhn Rikon AG – betreibt nämlich bereits ein Wärmenetz in Rikon und eines rund um das Schulhaus Zell.

Als sie die Heizung übernahm, stand in dem Keller im Schöntal noch ein Ölkessel, der den Werkhof und drei weitere Liegenschaften mit Wärme versorgte.

Entstanden war dieser Verbund, nachdem vor rund 30 Jahren Pläne für eine Anlage geplatzt waren, die Wärme aus dem Abwasser hätte zurückgewinnen sollen.

«Eine wichtige Vorinvestition hatte die Gemeinde damals schon getätigt», sagt Ott und zeigt auf die mächtigen zwei Wasserspeicher mit je 16’000 Liter Kapazität, die man für die ursprünglich geplante Heizung installiert hatte.

Sie erhalten nun ein neues Leben. «Es wäre schade gewesen, hätte man daraus nichts realisiert.»

Holz aus der Region

In der Übergangsphase betrieb das Unternehmen den Wärmeverbund mit Heizöl.

«Doch es war klar, dass wir eine Lösung mit dem Holz unserer Waldbesitzer anstrebten, schliesslich ist das unser Statutenzweck», so Ott.

Die Planungsarbeiten für die Heizung begannen im vergangenen Jahr, sodass der alte Ölkessel im Frühsommer abgehängt werden konnte.

Rund 700’000 Franken investierte die Firma in die neue Anlage und die Erweiterung der Fernwärmeleitung.

Seit Oktober produziert die Heizzentrale nun nachhaltigere Energie – die Holzschnitzel liefert die Betriebsgemeinschaft Bieri aus Rikon, sie stammen vorwiegend aus der Gemeinde und der nahen Region. Wo früher der Öltank war, befindet sich heute das Lager für die Holzschnitzel.

Das sei denn auch die Bedingung für einen dritten Wärmeverbund gewesen: «Wir wollen die Wertschöpfung in der Region behalten», betont Ott. «Bestimmt hätten wir auch billigere Anbieter gefunden, aber woher diese ihr Holz beziehen, ist oftmals ein Fragezeichen.»

Für ihn ist klar: Ein Holz-Wärmeverbund kann nur nachhaltig sein, wenn der Rohstoff regional ist. «Deshalb wollen wir auch nicht um jeden Preis wachsen.»

Ziel sei vorderhand, einen möglichst grossen Teil von Unter-Rikon und der Industriezone Schöntal mit Wärme zu versorgen.

Kosten- und Umweltvorteil Holz

Vier neue Liegenschaften konnte die Holzenergie Rikon AG letztes Jahr neu an ihr Netz anhängen – teils über die bestehenden Leitungen, teils mit neuen.

Zurzeit laufen Gespräche mit weiteren möglichen Interessenten. Potenzial sieht Ott etwa bei Häusern, die teils noch mit verschwenderischen Elektrospeichern beheizt werden.

Aber auch grössere Gebäude kommen infrage. Einen weiteren möglichen Nutzer hat die Firma schon im Visier: die Gärtnerei Gerber. «Das würde sich anbieten, um die neue Anlage besser auszulasten», sagt der VR-Präsident. Unterzeichnet sei aber noch nichts.

Wer sein Eigenheim an den Wärmeverbund anschliesst, bezahlt eine einmalige Anschlussgebühr, die je nach Kosten für die Leitung und Auslastung variiert.

Wer näher am Leitungsnetz wohnt, hat Glück und zahlt weniger. Die Kosten setzen sich dann aus einer Grundgebühr und dem effektiven Energiepreis zusammen.

Zum Umweltvorteil gesellt sich laut Ott ein finanzieller Bonus, denn: «Der Preis von Holzschnitzeln ist stabiler als jener von Erdöl und Co. Deshalb konnten wir bislang auf eine Preiserhöhung verzichten.»

Weitere Anlage denkbar

Die neue Heizzentrale ist bereits zu rund 50 Prozent ausgelastet. Sollte das Interesse an Wärme aus dem Schöntal in naher Zukunft weiter steigen, wollen die Betreiber einen zweiten Heizkessel realisieren – dieser käme gleich neben der bestehenden Heizung zu stehen.

Und warum verbindet man die drei Wärmenetze nicht miteinander? «Natürlich haben wir uns überlegt, den Wärmeverbund Rikon mit jenem im Schöntal zusammenzuhängen», sagt Emil Ott.

«Die dafür nötige, lange Fernwärmeleitung wäre aber sehr aufwendig gewesen und hätte einen zu hohen Wärmeverlust bedeutet.» Zudem seien voneinander unabhängige Netze ein Vorteil, etwa im Störungsfall.

Was das weitere Wachstum anbelangt, hält er den Ball flach: «Klar gäbe es auch in Kollbrunn viel Potenzial, aber das ist noch Zukunftsmusik.» Denn: «Wir wollen auch künftig all unsere Heizzentralen mit regionalem Holz betreiben.»

Tag der offenen Tür

Am Samstag, 2. Dezember, von 14 bis 17 Uhr veranstaltet die Holzenergie Rikon AG einen öffentlichen Tag der offenen Tür.

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns