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Solarbranche will Fachkräftemangel mit neuen Berufslehren bekämpfen

Zwei neue Berufslehren sollen den Solarboom weiter pushen. Auch Unternehmen in der Region bieten ab Sommer 2024 Lehrstellen an.

Die Solarbranche boomt. Mit zwei neuen Berufslehren will die Branche dringend benötigte Fachkräfte gewinnen.

Foto: CKW

Solarbranche will Fachkräftemangel mit neuen Berufslehren bekämpfen

Sie fangen die Sonne ein

Die Energie der Zukunft ist erneuerbar. Die Solarbranche boomt und braucht dringend Fachkräfte. Ab Sommer 2024 können junge Leute eine Lehre als Solarinstallateur oder Solarmonteur antreten. Auch in der Region.

Die ersten, die sich ernsthaft mit Sonnenenergie beschäftigt haben, waren die Schildbürger. In einer ihrer bekanntesten Geschichten bauen die Einwohner der fiktiven Stadt Schilda ein neues Rathaus mit einem grossen Tor, aber ohne Fenster. Weil es im Rathaus deshalb stockfinster ist, versuchen die Schildbürger mit der Hilfe von Eimern und Säcken, Kästen und Körben, Kannen und Schüsseln das Sonnenlicht einzufangen und ins Innere zu tragen.

So dumm sich die Schildbürger bei der Umsetzung ihrer Idee anstellten, so waren sie in einem Punkt ihrer damaligen Zeit weit voraus: Sie hatten die Erkenntnis, dass man Licht einfangen kann.

Rund 400 Jahre später beruht die sogenannte Energiewende – die Abkehr von fossilen zu erneuerbaren Energien – zu einem bedeutenden Teil auf dieser Erkenntnis. Wasser, Wind und Sonne sollen uns die Energie der Zukunft liefern.

12’000 Mitarbeitende, 1 Milliarde Umsatz, 20 bis 30 Prozent Wachstum

Diese Zukunft hat bereits begonnen: Laut Angaben des Branchenverbands Swissolar erwirtschaftet die Schweizer Photovoltaikbranche heute schon einen Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Franken. Die Branche beschäftigt aktuell rund 12'000 Mitarbeitende.

Doch sie benötigt viel mehr Fachkräfte. Auf «rund 10’000» schätzt Thomas Bachmann, Vorstandsmitglied von Swissolar und Leiter Solartechnik Zürich/Ostschweiz bei CKW, den Bedarf der Branche in den nächsten fünf Jahren: «Die Branche wächst jedes Jahr um 20 bis 30 Prozent.»

Zwei neue Berufsbildungen hat der Verband dafür geschaffen. Ab Sommer 2024 bietet er die dreijährige Lehre Solarinstallateur/in und die zweijährige Lehre Solarmonteur/in an. Die Installateure schliessen ihre Lehre mit einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis EFZ ab, die Monteure mit einem eidgenössischen Berufsattest EBA. 200 Lehrstellen will die Branche ab Sommer 2024 schweizweit anbieten, drei davon im Zürcher Oberland.

«Mit diesen beiden Ausbildungen werden langjähriges Handwerk mit neuer Technologie vereint», sagt Fredi Boos, Mitinhaber von eConnect in Bubikon. Wer Solaranlagen installiert, der betätigt sich als Kombination von Dachdecker und Elektriker. «Da es für die Arbeit Wissen aus zwei sehr unterschiedlichen Berufsgattungen braucht und keine geeignete Ausbildung existierte, ist es sehr anspruchsvoll, geeignetes Personal zu finden», sagt Boos. In seinem Unternehmen habe er deshalb die Dach- und Elektrofachkräfte zusammengeführt und entsprechend ausgebildet.

Neben eConnect in Bubikon bieten zwei weitere Unternehmen in der Region Schnupperlehren und ab Sommer 2024 Lehrstellen für die neuen Berufsbilder an: Kaufmann Spenglerei + Sanitär in Egg sowie die BS Strohmeier AG in Wetzikon.

Schnupperstifte der neuen Berufslehre Solarinstallateur.
Für technisch interessierte Jugendliche: Ab Sommer 2024 startet die Berufslehre Solarinstallateur/in EFZ oder Solarmonteur/in EBA.

Eine Branche mit vielen «Nerds»

Bisher habe man die Fachkräfte selbst ausgebildet, sagt Christoph Kaufmann, Mitinhaber der Kaufmann Spenglerei + Sanitär AG in Egg. Die sogenannte Niederspannungs-Installationsverordnung (NIV) regelt, wer an elektrischen Installationen arbeiten kann. Für Installationsarbeit an Photovoltaikanlagen braucht es heute eine Bewilligung nach Artikel 14 NIV. «Wir haben bei uns einen Spengler-Polier, der sich schon seit 10 bis 15 Jahren mit der Materie beschäftigt. In allen Betrieben unserer Branche sind es solche ‹Nerds›, die sich hier reinhängen», sagt Christoph Kaufmann.

Bis heute gibt es für sie eine berufsbegleitende Weiterbildung zum sogenannten Solarteur. Die Ausbildung dauert ein Semester und umfasst sieben Module mit insgesamt 255 Lektionen. Neben theoretischen Grundlagen steht der Praxisunterricht im Zentrum der Ausbildung.

«Eine Zwischenlösung» nennt Christoph Kaufmann diese Schnellbleiche. «Dass wir jetzt eine eigene Lehre mit geordneten Strukturen erhalten, begrüsse ich sehr, auch wenn wir von interessierten Jugendlichen nicht gerade überrannt werden.» Einen Schnupperstift habe er bereits gehabt, ein zweiter sei aktuell im Betrieb. «Ich hoffe, dass einer von beiden bei uns die Lehre macht.»

Der Unternehmer aus Egg macht keinen Hehl daraus, dass seine Branche durch den Fachkräftemangel arg gebremst wird. «Ich muss manchmal etwas schmunzeln, wenn ich die Wachstumsprognosen lese. Mit wem sollen wir dieses Wachstum schaffen?» Gerade in der Photovoltaik übersteige die Nachfrage das Angebot bei Weitem, so Kaufmann.

Fredi Boos von eConnect verspricht sich viel von der neuen Berufslehre: «Wir denken, dass eine offizielle Ausbildung eine Entlastung für die Solarunternehmen zur Folge haben und die schwierige Personallage entspannen wird.»

Auch er wird im Sommer deshalb eine Lehrstelle für die neuen Solarlehren anbieten. «Wenn sich die Ausbildung bewährt, könnten wir uns vorstellen, in Zukunft mehrere Lernende in diesem Beruf auszubilden. Nicht nur um den einzelnen Lernenden das Umfeld Ober- und Unterstift zu bieten, sondern auch um die Branche voranzubringen.» Noch allerdings sei das Interesse überschaubar – wohl auch, weil viele Schülerinnen und Schüler die neuen Berufe noch gar nicht kennen.

Janina Strohmeier, Personalverantwortliche bei der BS Strohmeier AG in Wetzikon, rührt schon seit einiger Zeit die Werbetrommel für die neue Lehre und zählt auf: «Wir haben ein entsprechendes Angebot auf der Schnupperlehren-Website schnuppi.ch platziert, noch bevor die neue Bildungsverordnung überhaupt abgesegnet wurde. Wir schreiben Lehrkräfte an, und wir arbeiten mit dem Berufsinformationszentrum in Uster zusammen. Der Beruf ist komplett neu. Viele Jugendliche, aber auch deren Eltern und Lehrer können sich noch zu wenig darunter vorstellen.»

Immerhin haben schon verschiedene Jugendliche bei BS Strohmeier geschnuppert. Janina Strohmeier ist zuversichtlich, die Lehrstelle eines Solarinstallateurs oder -monteurs ab kommendem Sommer zu besetzen.

Nahaufnahme einer Solaranlage.
Technologie der Zukunft: Die Energiestrategie des Bunds sieht vor, dass 2050 rund 40 Prozent des Stroms durch Photovoltaik gedeckt werden. (Archiv)

«Auf den ersten Blick nicht sexy»

Unterstützt werden die lokalen Unternehmer vom Verband Swissolar, der die Jugendlichen dort anzusprechen versucht, wo sie sich in ihrer Freizeit gerne aufhalten: auf sozialen Medien wie Tiktok oder Instagram. «Es ist uns bewusst, dass Handwerksberufe auf den ersten Blick nicht für alle sexy sind», sagt Thomas Bachmann. «Aber das Handwerk hat Zukunft und wird so schnell nicht durch künstliche Intelligenz ersetzt werden. Dafür haben wir eine sehr frische, coole Kampagne und hoffen, dass wir damit auch junge Leute erreichen können, die sich vielleicht eine Lehre in einem ganz anderen Bereich vorgestellt und unsere Branche bislang gar nicht in Betracht gezogen hatten.»

«Der Elektriker will nicht aufs Dach, und der Dachdecker will nichts mit Strom zu tun haben»

Porträtbild von Thomas Bachmann, CKW
Thomas Bachmann, Vorstandsmitglied Swissolar und Leiter Solartechnik Nordostschweiz bei der CKW Gebäudetechnik AG in Winterthur.

Thomas Bachmann ist im Vorstand der Branchenorganisation Swissolar und eine treibende Kraft hinter dem neuen Beruf.

Thomas Bachmann, ab Sommer kommen zwei neue, auf die Solarbranche spezialisierte Lehren. Ihre Branche macht aber jetzt schon einen Milliardenumsatz. Wer installiert heute Solarpanels?

Thomas Bachmann, Vorstand Swissolar und Leiter Solartechnik Nordostschweiz bei CKW: Den grössten Teil sind spezialisierte PV-Installationsfirmen oder Elektriker, Zimmermannsbetriebe, Spenglereien oder Dachdecker mit entsprechenden neu gebildeten Abteilungen oder Teams, die sich angemessen weitergebildet haben.

Wieso braucht es überhaupt diese neue Berufslehre?

Der Wunsch nach einem neuen Berufsbild kam ganz klar aus den Fachbetrieben der Branche. Engagierte Installateure aus dem Branchenverband haben sich zusammengetan und den Wunsch deklariert. Auslöser dafür war die Energiestrategie 2050 des Bunds. Sie hat zum Ziel, bis 2050 rund 40 Prozent des Strombedarfs durch Photovoltaik zu decken. Aktuell ist es so, dass wir eigentlich alle Quereinsteiger aus anderen Branchen sind. Vereinfacht gesagt: Der Elektriker will nicht aufs Dach, und der Dachdecker will nichts mit Strom zu tun haben.

Wie sieht der oder die ideale Lernende in den beiden neuen Berufen Solarinstallateur/in EFZ und Solarmonteur/in EBA aus?

Sie sollten auf jeden Fall keine Höhenangst haben. Sie müssen technisch interessiert sein und gute Noten in Mathematik und Geometrie mitbringen. Wichtig ist, dass sie fit sind oder fit werden wollen. Sie arbeiten in einem reinen Outdoor-Beruf – abgesehen von Elektroinstallationen im Keller. Sie müssen auch gerne im Team arbeiten und Freude an neuen Komponenten und neuer Technologie haben. Unsere gesamte Branche ist relativ neu.

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