Jung, ungelernt, erfolgreich
Temporeicher Netzwerk-Anlass
«Alles, was ich kann, habe ich mir selbst beigebracht.» Zwei Social-Media-Stars sorgten in Hinwil am Unternehmergespräch der Standortförderung für Aha-Effekte.
Eines war offensichtlich am Unternehmergespräch der Standortförderung Zürioberland: Die 180 Teilnehmenden im Windkanalgebäude von Sauber Motorsport waren grossmehrheitlich «Boomer». Unter ihnen mit Yvonne Bürgin auch eine frisch gewählte Nationalrätin .
«Heute bin ich als Gemeindepräsidentin von Rüti hier», stellte die Mitte-Politikerin klar. Mit von der Partie war beispielsweise auch Hans Hess, früherer Swissmem-Präsident im Unruhestand, oder Usters Stadtpräsidentin Barbara Thalmann.
«Boomer» sind die Generation der geburtenstarken Jahrgänge der 1960er Jahre, aufgewachsen mit einem Wandtelefon, mit dem Testbild nachts im Fernsehen und mit geradlinigen beruflichen Karrieren. «Lern etwas Anständiges, Kind!»
So ähnlich hatte es auch Timon Sommer von seinen Eltern gehört, als er diesen als Sekundarschüler eröffnete, «etwas mit Social Media» machen zu wollen. Mittlerweile 18-jährig, kreiert er als «Timitime» Content auf Social Media und lebt davon.
Er arbeitet für Grossunternehmen wie die Migros oder die SBB, und er doziert beispielsweise an der Fachhochschule Bern zum Thema. «Alles, was ich kann, habe ich mir selbst beigebracht», erzählte der smarte Teenager dem staunenden Publikum.
Mehr als 3 Millionen Follower
Mit ihm stand Zeki Bulgurcu auf der Bühne. «Die Jungen kennen mich von Tiktok, die Älteren von Swissmeme – und die ganz Alten aus dem SRF», stellte sich der aktuell bekannteste Online-Entertainer der Schweiz vor.
Auf den verschiedenen Social-Media-Kanälen, die der 30-Jährige mit Inhalten bespielt, hat er insgesamt mehr als 3 Millionen Follower. Zekis Botschaft: Einfach mal machen und dabei authentisch sein.
Bulgurcu und Sommer sind gemeinsam in einem Zürcher Oberländer Start-up engagiert: Jobshot nennt sich eine neue App, die videobasiert Stellensuchende und einstellende Firmen verbindet.
Sitz hat die junge Firma in Mönchaltorf. Firmengründer (und aktuell der einzige operative Mitarbeiter) Jonny Billeter nutzte die Gelegenheit, seine Geschäftsidee zu präsentieren.

Zuvor war – passend zur Location – der Sport im Zentrum der verschiedenen Referate gestanden. Axel Kruse, COO von Gastgeber Sauber Technologies, warf einen Blick in die Zukunft ab 2026, nachdem sich das Privatteam Sauber in das Werksteam Audi gewandelt hat.
Der Personalbestand wird sich bis dann von 550 auf 800 bis 900 Mitarbeitende in Hinwil und Ingolstadt beinahe verdoppeln.
Angesichts des Fachkräftemangels ist das auch für ein Unternehmen wie Sauber nicht ganz einfach. Man arbeite eng mit Universitäten und Fachhochschulen zusammen, so Kruse, und man bilde auch selbst aus. «Aber das Risiko besteht, dass wir unseren Rekrutierungsplan nicht einhalten können.»
Ziel sei, 2027 und 2028 Rennen und später Weltmeisterschaften zu gewinnen.
Wertschöpfung von 11,4 Milliarden Franken
Einen spannenden Einblick in die volkswirtschaftliche Bedeutung des Sports eröffnete der Vortrag von Oliver Hoff vom Beratungs- und Planungsunternehmen EBP (Ernst Basler Partner). 11,4 Milliarden Franken betrage die Bruttowertschöpfung des Sports in der Schweiz, so Hoff, rund 1,7 Prozent des Bruttoinlandprodukts. «Das ist dreimal mehr als die Land- und Forstwirtschaft», ordnete Hoff diese Zahl ein.
Während Hoff auf volkswirtschaftliche Aspekte der Sportindustrie einging, erläuterte Jon Andrea Schocher die betriebswirtschaftlichen Hintergründe des Sportsponsorings. Der Dozent an der FH Graubünden zog in breitem Churerdeutsch den Bogen von Sauber bis zu den Amateuren des FC Mönchaltorf.
Visuelle Markenpräsenz im Sportsponsoring werde überschätzt, findet Schocher. «Wer hat sich je aufgrund einer Bandenwerbung für eine Bank oder Versicherung entschieden?», fragte er rhetorisch in die Runde.
Moderator Stefan Bürer führte durch einen sehr kurzweiligen und informativen Abend, ehe es bei einem Apéro riche ans Netzwerken ging. Und dafür waren die meisten schliesslich gekommen.