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Töffli-Firma baut Hauptsitz mit Museum im Tösstal

Eine Thurgauer Firma, die sich auf Mofa-Ersatzteile spezialisiert hat, zieht ins Tösstal. Vom neuen Hauptsitz sollen auch Töffli-Fans aus der Region profitieren.

Freizeitpark oder Firmensitz? So sieht der geplante Neubau der Mofakult AG in Rikon aus.

Foto: zVg

Töffli-Firma baut Hauptsitz mit Museum im Tösstal

Bauprojekt in Rikon

Die Thurgauer Firma Mofakult AG zügelt ins Tösstal. In Rikon plant sie einen spektakulären Holzbau. Teil davon soll auch ein Museum sein, das die Geschichte der kultigen Zweitakter erzählt.

Gitarrenriffs im Hintergrund, breiter Thurgauer Dialekt und Zitate aus Kultfilmen: Mindestens so spannend wie das Telefonbändli der Mofakult AG ist das Bauprojekt, das die Firma aus Frauenfeld in Rikon plant.

Baugespanne auf dem Grundstück zwischen Heizzentrale, Töss und dem Kuhn-Rikon-Gelände lassen erahnen, dass es sich um ein grösseres Projekt handelt. 2021 hat die Firma – sie handelt mit Töffli-Zubehör und -Ersatzteilen – das rund dreieinhalb Fussballfelder grosse Areal von der Kuhn Rikon AG übernommen.

Wir wollen dieses alte Thema für die junge Generation erlebbar machen.»

Marc Zürcher, Geschäftsführer Mofakult AG

Das schnell wachsende Unternehmen baut hier seinen neuen Hauptsitz. Und das, obwohl es seinen Standort in Frauenfeld erst vor fünf Jahren bezogen hat. «Wir haben mittlerweile doppelt so viele Mitarbeiter wie noch 2018», sagt Marc Zürcher, Geschäftsführer und Inhaber der Töffli-Firma.

Das Baugesuch, das derzeit öffentlich aufliegt, verrät: Auf der grünen Wiese sollen zwei markante Holzbauten entstehen. Einer davon soll als Logistikzentrale dienen und Kapazität für rund 30’000 Artikel bieten. «Aktuell haben wir halb so viele an Lager.»

Alte Töffli für junge Menschen

Wesentlich auffälliger ist das zweite Gebäude, der sogenannte Kultbau. Neben Arbeitsplätzen für die rund 40 Mitarbeitenden ist dort auch eine grössere Fläche für einen Store und die sogenannte Mofakult-Erlebniswelt reserviert. Dabei handelt es sich um eine Art Mofa-Museum.

Auf etwas über 300 Quadratmetern will man Besuchern die Geschichte der Kult-Töffli näherbringen. «Wir wollen dieses alte Thema ins 21. Jahrhundert überführen und für die junge Generation erlebbar machen, so, wie wir es bereits heute in den sozialen Medien tun», erklärt Zürcher.

Die Historie des Mofas sei nämlich ein erhaltenswertes Kapitel der Schweizer Geschichte, das in anderen Museen noch kaum thematisiert werde.

Ein Verkehrshaus für Töffli will man aber nicht sein, weshalb keine Eintrittsgebühren geplant sind. «Uns ist es schliesslich wichtig, den Mofa-Kult einem breiteren Publikum zugänglich zu machen», betont Zürcher.

Professioneller Mofa-Schrauber zieht ein

Teil des Museums soll auch eine Töffli-Ausstellung sein, bestehend aus historischen Modellen und Unikaten. Letztere stammen aus der Werkstatt des Sternenbergers Maurus Sigg.

Mit seiner Firma Siggnature Bikes hat er sich auf den Bau individualisierter Töffli-Modelle spezialisiert.

«Mit Maurus Sigg verbindet uns eine enge Freundschaft», sagt Zürcher. «Er ist der professionelle Töffli-Schrauber, und wir liefern die Ersatzteile dazu. Diese Zusammenarbeit wollen wir in Zukunft weiter vertiefen.»

Wie genau, das sei noch nicht ganz klar. Fest steht aber: Maurus Sigg wird ebenfalls in den Neubau einziehen. Rund 200 Quadratmeter sind für seine Werkstatt reserviert.

Auf den Bauplänen fällt zudem eine spiralförmige Auffahrt auf. Diese führt direkt von draussen in ein Zwischengeschoss. Eine Rampe für Töffli-Testfahrten? Nicht ganz.

In besagtem Stockwerk soll sich ein weiterer Teil der Ausstellung befinden. Die Rampe dient als Zugang für die Besucher. «Unsere Firmenkultur soll man auch in der Architektur wiedererkennen. Die Rampe ist ein Element davon», verrät der Mofakult-Chef.

Holzbau statt Betonbunker

Ebenso wichtig war der Mofa-Firma die Nachhaltigkeit der Gebäude. «Uns war schnell klar: Auf diesem Grundstück, das von Natur umgeben ist, muss es ein Holzbau sein», sagt Zürcher. Das sei nicht nur nachhaltiger, sondern auch ästhetischer – wenn auch etwas teurer.

Ob man damit die durchzogene Umweltbilanz von Töffli kompensieren will? Nur so viel: «Aus unserer Sicht ist es nachhaltiger, ein altes Gefährt mit wenig Aufwand länger zu betreiben, als alle paar Jahre ein neues Elektrobike zu kaufen.»

Teil der Mofakult-Erlebniswelt ist ausserdem eine Kaffeebar mit Aussenbereich. Am anderen Ende des Grundstücks ist zudem ein Sitzplatz mit Naturweiher geplant. Ob dieser den Besuchern offensteht oder der Belegschaft vorbehalten bleibt, ist laut Zürcher noch offen.

Nähe zum Thurgau war wichtig

Doch warum siedelt sich eine Thurgauer Firma im Tösstal an? «Ein Kriterium bei der Suche nach einem Grundstück war, dass es maximal 20 Kilometer vom aktuellen Standort entfernt ist», erklärt Zürcher.

So würden sich die Arbeitswege der Mitarbeiter nicht allzu sehr verlängern. «Rikon passt in diesen Radius gerade noch rein.» Wichtig war dem Mofa-Unternemer zudem, dass sich die Gebäude bei Bedarf erweitern lassen.

Wie lange die Bauarbeiten dauern, ist derzeit noch nicht klar. Entsprechend gibt es noch keinen fixen Eröffnungstermin. Marc Zürcher sagt: «Wir nehmen es, wie es kommt, ganz nach dem Motto: ‹Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.›»

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