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Oberländer Start-up entwickelt App für Töff-Community

Zwei Töff-Fans und ein Startup-Enthusiast entwickeln eine App für die Töff-Szene. Pünktlich zum Saisonstart steht das erste Update an.

Besuch beim Start-up «The Tours», das eine Töff-App entwickelt. Gründer sind Remo Brunner, Jonas Müller und Äxel Kleinberger.

Foto: Noah Salvetti

Oberländer Start-up entwickelt App für Töff-Community

«The Tours»

Ein Oberländer, ein Tösstaler und ein Nicht-Töfffahrer erschaffen eine digitale Heimat für Töff-Enthusiasten. Nun steht das erste grosse Update an. Wie es dazu kam und weshalb «The Tours» kein soziales Netzwerk sein will.

In der Rekrutenschule sass Jonas Müller zum ersten Mal auf einem Töff.

Während er als Verkehrssoldat seine ersten Runden drehte, war Äxel Kleinberger schon knietief in der Szene: Unternahm Touren und traf sich mit Freunden, um gemeinsam in einer Garage an ihren Gefährten zu schrauben.

Heute teilen sich die beiden Oberländer – Müller kommt aus Gossau, Kleinberger aus Schlatt – ein Büro. Und ein Start-up.

Ihre App «The Tours» soll Töff-Fahrern das Leben vereinfachen. Mit kuratierten Motorrad-Touren, der Möglichkeit, Routen zu kreieren und diese mit dem integrierten GPS abzufahren.

Seit vergangenem März ist die App erhältlich. Pünktlich zum Start der Töff-Saison soll das erste grosse Update folgen. Dafür hat das junge Unternehmen im Herbst via Crowdfunding über 13'000 Franken gesammelt.

Ein Problem brachte Jonas Müller, damals noch Informatik-Student, auf die zündende Idee. «Über Freunde landete ich in WhatsApp-Gruppen, in denen man sich zum Töff fahren verabredete», schildert Müller.

«Ein Typ plante jeweils bei Google Maps Routen, stellte Screenshots davon in den Chat und fragte: ‹Wer hät am Samstig Ziit?›»

Tourenvorschläge von Blogs, die er nachfahren wollte, musste er Punkt für Punkt in der Navigations-App seines Handys nachbauen.

Ähnlich erging es Kleinberger: «In den Garagen-Cliquen haben wir Touren mit dreissig, vierzig Teilnehmern organisiert. Wo es lang geht, wussten aber nur wir Organisatoren», erzählt er.

Vom Feierabend-Projekt zum Start-up

Für Müller war klar: Das muss einfacher gehen. Also tat er das, was Programmierer tun, wenn sie eine Idee haben. Er fing an, abends Codes zu schreiben.

Dank des Corona-Lockdowns hatte er dafür ausreichend Zeit. «Es hat als typisches Nebenprojekt begonnen, ohne grosses Konzept», schildert der 28-Jährige.

Man sieht zwei Männer an einer Bar stehen, hinter ihnen steht ein Kühlschrank, Wandschränke und ein Regal mit Schnapsflaschen.

«Ich schaute mir die App an und dachte mir nur: ‹Wow, wie geil! Was für eine gute Idee›.»

Äxel Kleinberger, Mitgründer von «The Tours»

Auf der Suche nach einem Erklärvideo für seinen App-Prototypen stiess er auf Kleinberger – seines Zeichens Werbe- und Spielfilmregisseur.

Am Hauptsitz von Müllers Arbeitgeberin, einer Digital-Agentur im Zürcher Seefeld, hatte sich dieser einen Arbeitsplatz gemietet.

«Ich schaute mir die App an und dachte mir nur: ‹Wow, wie geil! Was für eine gute Idee›», erzählt Kleinberger. Es sollte nicht bei dem einem Auftrag bleiben: «Das Video wurde schnell zweitrangig. Die Idee liess mich nicht mehr los – schliesslich stieg ich bei Jonas ein.»

Wenig später wurde Remo Brunner, Inhaber der Agentur und Jonas’ Chef, auf das Projekt aufmerksam. «Von meinem Job her wusste ich, wie Remo tickt. Schnell wurde mir klar, dass wir ihn auch brauchen», so Müller.

Denn der selbsternannte Start-up-Enthusiast investiert regelmässig in aufstrebende Unternehmen. Selbst ist er kein Töff-Fahrer.

Viele Ideen, kaum Kapital

Kaum war das Team komplett, wurde gebrainstormt, entwickelt, visualisiert. Äxel Kleinberger wusste: «Wir haben einen regelrechten Brocken Entwicklung vor uns. Und dafür brauchen wir Geld.»

Ursprünglich plante das Start-up, über eine Partnerfirma an Kapital zu kommen. Als das nicht klappte, musste eine andere Lösung her.

Man sieht einen jungen Mann in einem gläsernen Sitzungszimmer, der während einer Besprechung in seinen Laptop schaut. Neben den Laptop steht ein Mategetränk.

«Was heute eine Solo-Rider-App ist, soll zu einer kollaborativen Plattform für alle Töff-Fahrer werden.»

Jonas Müller, Entwickler von «The Tours»

«Ich war anfangs gegen ein Crowdfunding, weil ich schon drei oder vier davon hinter mir hatte und wusste, was das für ein Riesenaufwand ist», sagt Kleinberger.

Doch es sollte anders kommen: «Dank der Manpower von Remos Agentur, dem Wissen von Jonas und meinen Erfahrungen lief das Crowdfunding dann super», berichtet der 45-Jährige. Bald darauf verzeichnete «The Tours» die ersten 500 Registrierungen.

Heute nutzen sie schweizweit rund 1'300 Töff-Fahrer. Die Zielsumme erreichten die Gründer noch vor Ablauf der Sammelfrist.

Das Geld fliesst denn auch zu 100 Prozent in die Entwicklung – selbst zahlen sich die Gründer keinen Lohn aus.

Mit den Einnahmen aus dem Crowdfunding wollen sie ihre App aufs nächste Level bringen. «Was heute eine Solo-Rider-App ist, soll zu einer kollaborativen Plattform für alle Töff-Fahrer werden», erklärt Jonas Müller.

Mit dem Update erhalten die Garagen-Cliquen, in denen sich Äxel Kleinberger dereinst bewegte, ein digitales Pendant: So soll es möglich sein, in der App Gruppen und Events zu erstellen, einander zu folgen und sich auszutauschen.

Kein neues Facebook

Ein Facebook für Töff-Fans also? Von diesem Vergleich halten die Unternehmer nicht viel: «Der Begriff des sozialen Netzwerks ist so negativ behaftet.

Zu viele Apps gibt es einfach, weil sie jemand gemacht hat – und nicht, weil es sie wirklich braucht», sagt Kleinberger.

Man sieht zwei Männer an einer Bar stehen, hinter ihnen steht ein Kühlschrank, Wandschränke und ein Regal mit Schnapsflaschen.

«Dank einer Partnerschaft mit Schweiz Tourismus ist die ‹Grand Tour of Switzerland› Teil der App.»

Äxel Kleinberger, Mitgründer von «The Tours»

Die Töff-Szene funktioniere anders – es gebe einen gewissen Zusammenhalt. «Man kommt auch direkt ins Gespräch, wenn man einen anderen Töff-Fahrer trifft, und will natürlich auch zusammen fahren.»

«Umso wichtiger ist es, dass die App aus den eigenen Reihen stammt», ergänzt Jonas Müller. Um werbefrei zu bleiben und sich dennoch weiterzuentwickeln, setzen die Macher von «The Tours» auf ein kostenpflichtiges Mitgliedschaftsmodell.

Grosses Update im April

Zusätzlich dazu gibt es ein Supporter-Modell, das es Interessierten erlaubt, bereits im Voraus für ein Jahr, zwei Jahre oder gar auf Lebenszeit Mitglied zu werden.

Kleinberger erklärt: «Dieses Geld fliesst in die Entwicklung, und im Gegenzug erhalten die Supporter Zusatzleistungen, etwa ein Badge fürs Profil und Zugang zu einem exklusiven Event.»

Man sieht drei Männer und zwei Frauen in einem gläsernen Sitzungszimmer, die eine Besprechung abhalten.
Die Gründer, links, werden von Remo Brunners Digital-Agentur und dessen Team unterstützt.

Ausgerechnet die Navigation, das Kernstück der App, bereitete den App-Machern erst Probleme.

«Von einer Navigation erwartet man alle Funktionen, die Google auch bietet. Etwa, dass die Route neu berechnet wird, wenn man sich verfährt.

Das hat uns in der Entwicklung einige Monate zurückgeworfen», sagt Jonas Müller. Mittlerweile funktioniert die App wie geplant, sodass das Update voraussichtlich im April erscheint.

Und ein weiterer Coup ist den Unternehmern gelungen: «Dank einer Partnerschaft mit Schweiz Tourismus ist die ‹Grand Tour of Switzerland› Teil der App. Im Gegenzug promoten sie uns auf Ihrer Webseite», sagt Äxel Kleinberger.

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