Uster soll neue Arbeitgeber anlocken – eine Herausforderung
Der Vorstand des Wirtschaftsforums Uster ist schon komplett anwesend und bespricht beim ersten Bier die letzten Vorkehrungen. Der Wirtschaftsstandort der Stadt soll anziehender werden für Firmen und Start-Ups.
Der Inside-Anlass ist gut besucht, mit Gästen aus Politik und Wirtschaft. Auch die Stadtpräsidentin Barbara Thalmann ist anwesend.
Herausfinden, wo der Schuh drückt
«Da Uster wächst, ist jeder Arbeitsplatz der Zukunft ein Gewinn», sagt Jan Schibli, Präsident des WFU’s. Im Forum möchte man Trends diskutieren und erforschen, wo der Schuh drückt, wie es in der Ausschreibung zum Event steht.
Man möchte junge Talente fördern und neue Anreize schaffen für neue Arbeitgeber. Denn laut Richtplan, soll es in Uster bis 2035 dreitausend weitere Arbeitsstellen geben. Die Stadt stösst da jedoch an ihre Grenzen. Das Wirtschaftsforum hat vorgängig eine Umfrage unter ihren Mitgliedern gestartet. Hundert Unternehmer haben mitgemacht.
Der Präsident des WFU’s zeigt auf eine Tafel: «Hier sieht man, dass 64% der Befragten mit ihrem Unternehmen auf Wachstumskurs sind, davon will nur die Hälfte ihre Pläne auch in Uster umsetzen.» Und davon nochmals die Hälfte sähen wirklich die Möglichkeit, ihre Pläne in der Stadt zu realisieren. Das ist nicht mehr so viel.
Um dem gründlicher auf den Zahn zu fühlen, hat das WFU einen Postenlauf zusammengestellt: Stichworte wie Verkehr, Bauen, Finanzen und Zentrumsentwicklung stehen auf den Panels.
Mangel an Bauland für die Industrie
Beim Posten zum Thema Bauen wird deutlich, wo die Grenzen des Wachstums liegen. In Uster mangelt es an neuem Bauland, um grössere Industrie anzusiedeln. Einzig im Lorengebiet ist noch etwas Luft nach oben. «Wenn mein Geschäft in Zukunft expandiert, dann würde ich eher nach Pfäffikon ins Industriegebiet, nach Wallisellen oder nach Schlieren ausweichen», sagt ein Kleinunternehmer.
Der Finanzchef der Uster Technologies hingegen, sieht es gelassen. «Momentan funktioniert für uns das Zellweger-Areal wunderbar, wir sind zufrieden», sagt Michael Suderow. Wohin sie ziehen würden, falls sie expandieren sollten, hat er sich noch nicht überlegt.
Keine spezielle Unterstützung für Start-Ups
Ein weiteres Problem der Arbeitsplatzförderung könnte die fehlende finanzielle Unterstützung von jungen Talenten sein. Sandra Frauenfelder ist seit 2016 Leiterin der Standortförderung Uster. Sie sagt, sie habe bisher keinen finanziellen Topf für Jung-Unternehmer. «Ich unterstütze aber gerne mit meinem Wissen und meinem Netzwerk.»
Die Frage taucht auf, ob auch eine Fachhochschule Uster attraktiver werden liesse. «Die Fachhochschulen sind in der Region mit Winterthur und Rapperswil schon ziemlich gut abgedeckt», sagt Thalmann. Der Stadtrat fokussiere auf das Bildungszentrum Uster, mit Kantonsschule und Berufsschule. Dabei gehe es um die Weiterentwicklung dieser Schulen.
Workshop-Moderator Gianluca Di Modica ist da anderer Meinung: «Uster wäre eine ideale Standortgemeinde für eine Fachhochschule.»
Attraktives Zentrum
«Wenn ich in eine neue Stadt komme, schlendere ich jeweils als Erstes durchs Zentrum und suche einen schönen, belebten Platz», sagt Thalmann. Die Stadtpräsidentin will, dass auch die Stadt Uster mit attraktivem Zentrum überzeugt.
Auch weitere Kultur- und Gesundheitsangebote könnten die Stadt auffrischen. Einig sind sich jedoch alle Teilnehmenden, dass Uster da nicht mit der Vielfalt in Zürich konkurrieren könne. «Es ist ja nur eine Haltestelle bis zum Stadelhofen», sagt Thalmann und schmunzelt. Da sei es zum Beispiel für Menschen aus dem Ausland gar nicht immer ersichtlich, dass Uster nicht direkt zu Zürich gehöre.
«Wir es können es nicht ändern, Uster ist eine durch die Bahn geteilte Stadt.»
Marcel Rieder, Inhaber Media-Center, Uster
Die feurigste Diskussion des Abends liefert in der Tat das Panel zum Thema Verkehr. Was könnte man verbessern, um zukünftige Arbeitgeber und Arbeitnehmer anzulocken? Uster soll direkter mit den Bussen erreicht werden, finden Einige.
Das Stichwort Bahnüberquerung fällt. «Wir es können es nicht ändern, Uster ist eine durch die Bahn geteilte Stadt», sagt Marcel Rieder, der Moderator des Panels Verkehr. Im Teilrichtplan Mobilität möchte man das Problem jedoch angehen.
Da steht: «Die Stadt Uster unterstützt den Kanton und die SBB bei der Realisierung von Unterführungen an der Winterthurer- und Zürichstrasse.» Ob nun die Bahn oder die Strassen in den Untergrund sollen ist noch nicht klar.
«Es ist immer ein Abwägen, wo man investieren möchte», sagt Schibli, beim Posten zu den Finanzen. Die Unternehmenssteuern seien für Firmen passabel, jedoch sollten die privaten Steuern gesenkt werden, finden Mehrere der Workshop-Teilnehmer.
Das Problem liegt auf der Hand: «Wenn wir Steuersenkungen wollen, dann müssen wir aber auch mit Abstrichen rechnen können», sagt Schibli, der Präsident des Wirtschaftsforums Uster.
Administration soll vereinfacht werden
Bei der Verwaltung würde vor allem begrüsst, wenn die Administrationswege verkürzt und Bewilligungen in Zukunft einfacher eingeholt werden könnten. Schibli schreibt schlicht auf auf die Tafel: «Es soll einfacher werden».
Wie sehen denn Arbeitsplätze der Zukunft überhaupt aus? Die Teilnehmer schätzen, dass auch künftig Dienstleistungsberufe die Nase vorn haben. Auch die Industrie werde noch bestehen.
«Die Schweiz mit ihren Innovationen und hochspezifizierten Produkten wird Produktionsstandort bleiben», sagt Workshop-Leiter Di Modica des WFU’s. Die Verlagerung der Industrie wird jedoch nicht aufzuhalten sein.
Uster als Sportstadt
Gastroberufe braucht es hingegen immer. «Ich persönlich würde es sehr begrüssen, wenn es im Buchholz ein lukrativeres Gastroangebot für Sportler und Zuschauer gäbe», sagt Jan Schibli, Präsident des WFU’s.
Uster sei eine Sportstadt, auf das könne man setzen und somit weitere Arbeitsplätze generieren.
Zum Schluss des Abends entsteht vor allem der Eindruck, dass in diesem Entwicklungsprozess viele Stimmen und Meinungen beteiligt sind. Für Di Modica ist der Inside-Anlass ein Erfolg. «Die Teilnehmenden haben an den Posten gut mitgearbeitet und inhaltlich kam viel zusammen.»
Der Vorstand des Wirtschaftsforums werde nun die Ergebnisse des Abends intern analysieren und daraus ein Positionspapier erarbeiten.
