Statt Platz für Druckmaschine nun Gewerberaum
Unterwetzikon erhält ein neues Gesicht. Nach der Bank Avera baut jetzt auch die Zürcher Oberland Medien AG in die Höhe. Dem Bahnhof gegenüber entsteht dort, wo bis vor acht Monaten der 1931 erstellte Geschäftssitz thronte, ein neues Medienhaus mit Büro- und Gewerberäumen sowie rund 60 Wohnungen.
In den 1920er Jahren ist in Unterwetzikon bereits einmal viel in Bewegung gekommen. Erstmals wurde damals eine bauliche Verdichtung rund um den Bahnhof vorgenommen. Noch freie Parzellen wurden damals überbaut. Mit von der Partie war auch die Aktienbuchdruckerei Wetzikon und Rüti, der Vorgängerin der heutigen ZO Medien AG.
Unternehmen auf Expansionskurs
1921 hatte die Firma in ihrem damaligen Druckereigebäude, dem Haus zum Wiesenthal, an der Zürcherstrasse 9 in Wetzikon eine neue Acht-Seiten-Rotationsmaschine in Betrieb genommen. Verwaltung und Redaktion hatten schon länger keinen Platz mehr in diesem Gebäude. Für sie war 1895 gleich nebenan das Haus Alpina an der Zürcherstrasse 11 gebaut worden.
Doch mit dieser Maschine war die Firma nicht lange glücklich, wollte sie doch die Kapazität verdoppeln. Doch dafür fehlte der Platz. So beschäftigte sich der Verwaltungsrat von Druckerei und Zeitungsverlag in der zweiten Hälfte der 1920er schwerpunktmässig mit der Planung und Realisierung eines Neubaus in Unterwetzikon. 1924 gab es erste Projekt- und Standortabklärungen. Ab 1927 folgten dann Detailstudien und schliesslich die Festlegung auf den Baugrund gegenüber des Bahnhofs.
Ganz nah beim Verkehrsknoten
Seit 1900 war Unterwetzikon ein echter Bahnknoten. Es bestanden Linien nach Uster, nach Rapperswil und nach Effretikon. Die Wetzikon-Meilen-Bahn fuhr ab 1900 – bis 1950 – vom Bahnhofplatz Unterwetzikon als Schmalspurbahn nach Kempten und über Gossau-Grüningen-Uetikon nach Meilen.
1930 erfolgte der Baustart für den künftigen Firmensitz. Im Oktober 1931 war das neue Stammhaus für Personal und Maschinerie, inklusive einer 16-Seiten-Rotation, bezugsbereit und die alte Druckerliegenschaft dem Kanton verkauft.
Sihlpost zum Vorbild
Planung und Bau erfolgte durch den Wetziker Architekten Johannes Meier. Das Gebäude war der erste Bau Meiers im Stile des Neuen Bauens. Architektonisches Vorbild war die kurz vorher fertiggestellte Zürcher Sihlpost. Meier hatte schon verschiedene bekannte Gebäude in der Region entworfen, so etwa die Badeanstalt Robenhausen, das Erholungshaus Adetswil, den Bahnhof Unterwetzikon, das Kreisspital Wetzikon oder auch die Kinderkrippe Uster und das Krematorium Rüti.
Stallungen neben dem neuen Firmensitz
Auf dem Firmengelände standen noch die um 1900 errichteten Stallungen sowie ein Bade- und Wohnhaus. Diese gehörten ursprünglich zum gegenüberliegenden Hotel Schweizerhof und wurden 2001 abgerissen. Die Zürcher Oberland Medien AG brauchte mehr Platz für die Autos ihrer grösser gewordenen Belegschaft.
Mehr Platz brauchte die Firma auch wieder einmal für ihre neue Druckmaschine. Deshalb entstand 1966 ein Anbau zur Leutholdstrasse hin, in der auch die Setzerei und die Spedition untergebracht wurden.
Nicht Platzmangel, sondern Unternutzung
Wie 90 Jahre zuvor hat sich der Verwaltungsrat ab Mitte der 2010er Jahre wieder mit einem Neubau befasst. War damals Platzmangel Grund für die Planungsüberlegungen, ist es jetzt das Gegenteil gewesen: Gebäude und Areal an der Rapperswilerstrasse 1 waren unternutzt.
Karin Lenzlinger, die Verwaltungsratspräsidentin der Zürcher Oberland Medien AG, drückte es im August 2019, nach dem Investitionsentscheid, so aus: «Unsere Firma ist heute in einem historisch gewachsenen Gebäude daheim, das angesichts der Veränderungen in der Branche und generell in der Arbeitswelt nicht mehr effizient genutzt werden kann. Zudem ist das gut 2800 Quadratmeter grosse Grundstück an bester Lage schlecht ausgelastet.»
Redaktion und Verlag im Medienhaus
Mit den positiven Aussichten auf dem Immobilienmarkt soll das Vorhaben auch für die Aktionäre der Firma interessant sein. Immerhin kostet das Projekt «Newsstreet one», das grösste Investitionsvorhaben in der Geschichte des Unternehmens, rund 35 Millionen Franken. Im Unterschied zum Bau von 1931 braucht es im neuen Gebäude keinen Platz mehr fürs Drucken, sondern nur noch für Redaktion und Verlag. Dazu wird es auch weitere Gewerberäume, Büros und zudem rund 60 Wohnungen umfassen.
«Wichtig ist uns die Vernetzung der verschiedenen Nutzer im Gebäude», erklärte Architekt Marcin Gregorowicz von der CH Architekten AG zur Konzeption des Neubaus. Grossgeschrieben wird auch die Flexibilität. Die Grundstruktur des dreiteiligen Komplexes erlaubt es, die Gewerberäume und Büros, aber auch die Wohnungen stets an die aktuellen Bedürfnisse anpassen zu können.
Gebäude mit Vorbildcharakter
Wie damals mit dem Meier-Bau soll auch «Newsstreet one» wieder Vorbildcharakter haben für die weitere Entwicklung von Unterwetzikon bis hinaus ins Gebiet Mattacker. Der Stadt Wetzikon ist es wichtig, dass das neue Gebäude städtebaulich gut eingebunden ist. Dazu gehört auch, dass der Neubau nicht nur für sich allein gesehen eine hohe gestalterische Qualität aufweist, sondern an dieser sensiblen Lage auf die unter Schutz stehenden Gebäude in der Umgebung Rücksicht nimmt.
Das Vorhaben bewegt sich im Zeitplan. Nach dem Rückbau des Altbaus ab Mitte 2021 und dem Fundamenteinbau wird nun also das Gebäude in die Höhe wachsen. Im Herbst 2023 soll dann der Bezug des Neubaus erfolgen. Vielleicht wird dies auch wieder im Oktober der Fall sein, wie das 1931 beim ersten Grossbau des Wetziker Medienunternehmens der Fall war.
