Schneiders Quer will sich in der Krise sanieren
Bäckerei, Confiserie, Café, Pizzeria, Restaurant, Gelateria und Hotel – Roland Schneider setzt mit seiner Showbäckerei «Schneiders Quer» im Pfäffiker Industriequartier voll auf Diversität. Für diesen Mut ist er belohnt worden. Mit seinem zwischenzeitlich 67 Mitarbeitern zählenden Betrieb hat er in den letzten 13 Jahren Gastro-Preise gewonnen und sich eine Marke aufgebaut.
Die Herausforderung Corona hat den Unternehmer nun aber an seine wirtschaftlichen Grenzen gebracht. Zwei Lockdowns, eine schwache Auslastung im Frühsommer und hohe Grundkosten liessen die Situation zuspitzen. Schnell machten Gerüchte die Runde. «Von einem Verkauf, ja sogar von einer Schliessung war die Rede», blickt Schneider zurück.
Frist um 6 Monate verlängert
Fakt ist: Roland Schneider hat sich im Frühjahr entschieden, beim Bezirksgericht Pfäffikon für seine Schneiders Quer AG eine Nachlassstundung zu beantragen. Dafür musste er einen Sanierungsplan vorlegen. Das Ziel: einen Nachlassvertrag mit den Gläubigern abzuschliessen, resp. einen Schuldenschnitt zu erreichen.
«Es geht alles normal weiter, von einem Konkurs kann keine Rede sein.»
Roland Schneider, Besitzer Schneiders Quer
Am 1. Juni gewährte das Bezirksgericht schliesslich die definitive Nachlassstundung mit einer Frist bis zum 1. Dezember. Ein Sachwalter, der das Verfahren leitet, wurde eingesetzt und der Entscheid im Schweizerischen Handelsamtsblatt veröffentlicht. Die Frist wurde jetzt um weitere sechs Monate verlängert. Roland Schneider sagt: «Es geht alles normal weiter, von einem Konkurs kann keine Rede sein.»
Dem stimmt der zuständige Sachwalter Edward Salib von der Girschweiler Partner AG zu. «Es geht nicht um einen Patienten auf dem Sterbebett, sondern um eine Sanierung», sagt er und ergänzt: «Die Frist wurde verlängert, weil eine gute Chance besteht, dass in den nächsten Monaten den Gläubigern ein noch besserer Nachlassvertrag angeboten werden kann, als das bis jetzt der Fall gewesen wäre.»
Stigmatisiertes Instrument
Leider, so Salib, trage die Nachlassstundung hierzulande immer noch ein Stigma. Dabei könne dieses Instrument äusserst wertvoll sein, da es die Sanierung und damit das Überleben eines Betriebs ermöglicht – speziell in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten wie diesen.
Das Prinzip sei einfach: «Bei einem Konkurs verlieren die Mitarbeiter ihre Stelle und die Gläubiger fast immer den grössten Teil ihres Geldes. Mit einer Nachlassstundung, während der das Unternehmen temporär unter Gläubigerschutz steht, können oft Arbeitsplätze gerettet und Forderungen zumindest teilweise bedient werden.»
Wichtig sei, dass die Nachlassstundung rechtzeitig, also möglichst noch vor einer akuten Liquiditätskrise beantragt, ein Sanierungsplan erarbeitet und die Erfolgschancen dem Gericht aufgezeigt werden.Salib sagt: «Ich war noch nie an einer Nachlassstundung beteiligt, in der nicht wenigstens ein Teil des Betriebs noch gerettet werden konnte.»
Keine Geschäftsteile abstossen
An der Betriebsstruktur beabsichtigt Roland Schneider nichts zu ändern. Es sei weder geplant Geschäftsteile abzustossen, noch Mitarbeiter abzubauen. Im Gegenteil: «Das Schneiders Quer lebt ja genau von den einzelnen Teilen, die ineinandergreifen und Synergien schaffen», unterstreicht er.
Der Personalbestand sei während der Pandemie zwischenzeitlich zwar auf 45 Personen gefallen, unterdessen seien aber wieder zehn Personen angestellt worden. Auf der Website sind aktuell noch weitere Stellen ausgeschrieben
Wirtschaftlich, so sagt Roland Schneider, habe sich das Geschäft wieder normalisiert. Der Hotelbetrieb schaffe eine gute Grundauslastung, die Bäckerei laufe. Mit der Zertifikatspflicht habe er im Restaurantbereich anfänglich zwar fast 30 Prozent Umsatzeinbussen hinnehmen müssen, inzwischen habe sich die Situation allerdings auch hier verbessert.
Respekt vor der nächsten Welle
Was ihm dagegen Sorgen macht, ist die sich aktuell auftürmende Pandemiewelle. «Ich habe grossen Respekt», sagt Roland Schneider. Wissend, wie sehr ihn die Situation zuletzt schon belastet hatte. «Man hat schlaflose Nächte, die Sorgen um die Zukunft des Betriebs und vor allem der Mitarbeiter – das zehrt», blickt er zurück.
Den Optimismus hat er dennoch nicht verloren. «Wir werden auch das überstehen», ist er sicher.
