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Die Skalpelle werden 30 Kilometer entfernt sterilisiert

Die Spitäler Uster und Wetzikon gehen neue Wege bei der Sterilisation ihrer Instrumente. Die neue Firma Steriplus, an der sich auch die Post beteiligt, soll kräftig expandieren.

In den Spitälern Uster und Wetzikon werden die Operationsinstrumente bald nicht mehr selbst sterilisiert., Monika Alessi-Näf, CEO der Steriplus AG, ist froh über den Einstieg der Post als Logistikpartnerin. , Pro Operation werden spezifische Fallwagen mit allen Instrumenten und dem Verbrauchsmaterial zusammengestellt., Die Auslagerung der Sterilisation soll den Spitälern helfen, Kosten zu sparen.

Foto: PD

Die Skalpelle werden 30 Kilometer entfernt sterilisiert

Das Skalpell, mit dem der Arzt langsam die Haut durchtrennt, wird ab dem kommenden Frühling nicht mehr vor Ort im Spital Wetzikon oder Uster sterilisiert, sondern in Kaltbrunn. Auf diesen Zeitpunkt hin stellen die beiden Krankenhäuser ihre Abläufe um. Alle sterilen Instrumente und das ganze Verbrauchsmaterial, das es für eine Operation braucht, werden in dem Ort nahe des Obersees in sogenannten Fallwagen zusammengestellt und dann ins Oberland transportiert.

« Mit diesem Schritt haben wir eine starke Logistikpartnerin gewonnen

Monika Alessi-Näf, CEO Steriplus AG

Möglich macht dies die neue Firma Steriplus, die von den beiden Spitälern gegründet worden ist. Seit dem 1. Oktober gehört auch die Post zu den Eigentümern. Mit 65 Prozent hat sie gleich die Aktienmehrheit übernommen. « Mit diesem Schritt haben wir eine starke Logistikpartnerin gewonnen » , betont Monika Alessi-Näf, CEO der Steriplus AG.

« Das ist für uns ein ideales Joinventure. Während wir über das fachliche Knowhow bei der Sterilisation verfügen, bringt die Post das Wissen für die Lagerung und den Transport unserer Güter mit. » So betreibt die Post in Villmergen  bereits ein vollautomatisiertes Zentrum, von dem aus die Hirslandengruppe mit Gesundheitsgütern versorgt wird.

Verwaltungsrat neu zusammengesetzt

Mit der Übernahme der Aktienmehrheit durch die Post ist der Verwaltungsrat der Steriplus per 1. Oktober neu zusammengesetzt worden. Neu beigetreten sind seitens der Schweizerischen Post Daniel Vögeli, Leiter der Business Unit Branchenlösungen und Chief Commercial Officer, Thomas Wälchli, Leiter Lösungs- und Produktentwicklung, sowie Simon Kilchenmann, Leiter Businesspartner Branchenlösungen und Güterlogistik National.

Das Verwaltungsratspräsidium führt weiterhin Judith Schürmeyer, COO des GZO Spitals Wetzikon,  und als Vertreter des Spitals Uster bleibt dessen Direktor Andreas Greulich im Verwaltungsrat. Neben den Postvertretern neu in das Gremium hinzugestossen ist auch noch Dr. med. Magdalena Biraima vom Kantonsspital St. Gallen.

 

Mehr Automatisation mit der Expansion

Ganz so automatisiert wird es beim Start in Kaltbrunn noch nicht zu und her gehen. « Wir werden bis Ende Jahr erst einen Teil unserer Lagerhalle ausbauen. Die Steigerung des Automatisationsgrades wird davon abhängen, wie schnell wir wachsen » , hält Alessi fest. Steriplus könnte auch noch eine zweite Halle hinzumieten. Damit ist auch gesagt, dass die Firma Grosses vorhat. « Unser automatisiertes und digitalisiertes Angebot soll auch anderen Spitälern, aber ebenfalls Heimen, Ambulatorien und Arztpraxen zugänglich gemacht werden. Wir sind bereits mit verschiedenen Institutionen im Gespräch. »

Zuerst will die Steriplus aber den Betrieb mit den beiden Oberländern Spitälern aufgleisen. Dafür wird der grösste Teil der rund zehn Mitarbeitenden, die heute in Uster und Wetzikon für die Sterilisation zuständig sind, nach Kaltbrunn wechseln. « Erst wenn in diesem ersten Schritt alles klappt, wird ausgeweitet » , unterstreicht die CEO. « Denn die Qualität muss stimmen. »  

Verkehrsgünstige Lage

Der Standort Kaltbrunn ist wegen seiner verkehrsgünstigen Lage gewählt worden. „Von hier sind wir schnell im Zürcher Oberland, im Bündnerland, in St. Gallen oder auch in der Innerschweiz“, hält Alessi fest. Er hängt aber auch damit zusammen, dass gleich nebenan die von den beiden Oberländer Spitälern mitinitiierte Einkaufsgesellschaft Geblog ihr Logistikzentrum betreibt. 37 Spitäler in der Deutschschweiz beschaffen über diese Firma ihre medizinischen Verbrauchsmaterialien und Instrumente.

« Wir können hier effizienter und kostengünstiger arbeiten. »

Monika Alessi-Näf, CEO Steriplus AG

Alessi ist überzeugt, dass sich die Auslagerung der Sterilisation für die Spitäler rechnet. « Wir können hier effizienter und kostengünstiger arbeiten. » Nur noch für sehr grosse Betriebe lohne es sich künftig, eigene Sterilisationsabteilungen zu betreiben. « Mittelfristig arbeiten wir über die Masse noch günstiger. »

Einspareffekte ergäben sich zudem durch eine Standardisierung bei den einzelnen Eingriffen wie beispielsweis einem Blinddarm oder einer Meniskusoperation. « Allerdings besteht noch ein grosser Harmonisierungsbedarf. Schon beim Abgleich zwischen Uster und Wetzikon haben wir die jeweiligen Sets verschlankt » , meint Alessi. Auch wenn von ihrer Firma her jederzeit Sonderwünsche für die Fallwagen berücksichtigt werden könnten, kämen solche wohl künftig weniger vor, weil sie zusätzlich kosten. « Die Spitäler stehen immer mehr unter Kostendruck, so dass sie auf solche zusätzlichen Kosten verzichten werden. »   

Was für die Auslagerung der Sterilisation zu einer spezialisierten Firma wie Steriplus spreche, sei schliesslich der Umstand, dass die Anforderungen an die Sterilisation immer höher würden. Swissmedic, die Schweizerische Zulassungs- und Aufsichtsbehörde für Arzneimittel und Medizinprodukte, habe die Vorschriften jüngst weiter verschärft. 

Was versteht man unter Fallwagenlogistik?

Der Operationssaal (OP) wird mit Fallwagen, welche aus sterilisierten OP-Instrumenten und dem dazugehörigen Verbrauchsmaterial bestehen, just-in-time beliefert. Die pro Eingriff standardisierten Wagen werden durch das OP-Personal bei Bedarf per Mausklick ausgelöst. Die Steriplus AG bereitet die Fallwagen vor und liefert diese für den jeweiligen Eingriff schnell und direkt in den OP.

Die Vorteile einer solchen Versorgung bestehen darin, dass alle Materialien für einen Eingriff vordefiniert und standardisiert sind. Dies spart für die Spitäler respektive die OP-Teams Zeit und Kosten. Im Einzelfall sind individuelle Ergänzungen möglich.

Wie Monika Alessi-Näf, CEO der Steriplus, betont, fallen in den Spitälern die hohen Betriebskosten für die Aufbereitung weg. Sie zahlen nur noch die Dienstleistung, die sie beanspruchen. Mit der Digitalisierung werden Prozesse transparent und vereinfacht. « Dies hilft Kosten wirksam einzusparen » , so Alessi. Wie hoch die Einsparungen ausfallen, hänge von der bisherigen Organisation in den einzelnen Spitälern ab.    

Mit dem Fallwagen hat das Personal das gesamte Material – das Sterilgut wie auch das Verbrauchsmaterial – für einen Eingriff kompakt und schnell zur Hand. Das OP-Personal muss die Materialien nicht mehr individuell zusammenstellen. Es wird damit von administrativer und logistischer Arbeit entlastet und kann sich auf seine Kernkompetenzen am Tisch konzentrieren.

Das Material wird zentral gelagert und aufbereitet. Die teuren Lagerflächen beim OP entfallen weitestgehend. Die Lagerbestände werden überwacht und zentral geführt. Für Notfälle stehen in den Spitälern jeweils verschiedene Sets bereit. Nicht benötigtes Sterilgut kann jeweils an die Steriplus zurückgeschickt werden.

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