Ernesto Velarde erinnert sich noch gut an den Beginn der Corona-Pandemie. «Die ersten Infektionen auf Kuba gab es Anfang März. In der zweiten Märzhälfte fragte uns die Leitung unseres Forschungszentrums, wie wir helfen könnten.» Der 40-Jährige leitet die Abteilung Elektronik im Zentrum für Neurowissenschaften in Havanna. Er sah, dass die Lage in Italien und Spanien bereits im Frühjahr ausser Kontrolle geriet. Wie sollte dann erst das arme Kuba genug Beatmungsgeräte für Intensivpatienten beschaffen, fragte sich Velarde.
Kündigung der Lieferverträge zum Epidemie-Start
Zunächst behalfen sich die Verantwortlichen damit, defekte Beatmungsgeräte zu reparieren. Anfang April – also ausgerechnet dann, als sich das Coronavirus in Lateinamerika auszubreiten begann – kündigten die beiden Schweizer Unternehmen IMT Medical aus Buchs SG und Acutronic aus Bubikon ZH die bestehenden Lieferverträge mit Kuba für Beatmungsgeräte. Sie taten dies mit Verweis auf die US-Blockadebestimmungen. IMT lieferte auch keine Ersatzteile mehr.
Beide Firmen waren im April 2018 vom US-Konzern Vyaire Medical gekauft worden. IMT ist mittlerweile in Vyaire aufgegangen. Weder Acutronic noch Vyaire reagierten auf eine Nachfrage dieser Zeitung. Ernesto Velarde bestätigt jedoch, dass Beatmungsgeräte und Ersatzteile Teil der Lieferverträge waren.
Dass es solche Verträge gibt, machte Eugenio Martínez Enríquez, Generaldirektor für Lateinamerika und die Karibik im kubanischen Aussenministerium, am 11. April über Twitter öffentlich. Er schrieb: «Vyaire Medical, ein US-amerikanisches Unternehmen, kaufte IMT Medical und Acutronic, die Zulieferer von Beatmungsgeräten für Kuba waren, und stellte die Beziehungen zu Kuba mit dieser Mitteilung ein: ‹Die Unternehmensrichtlinie, die wir zurzeit haben, besteht darin, alle Handelsbeziehungen mit Medicuba auszusetzen.›»

