Sie sind einer der gefragtesten Wirtschaftsanwälte des Landes und befassen sich mit Fällen aus der obersten Liga des Unternehmertums, beispielsweise mit einem Mandat im grossenRaiffeisenbank-Strafverfahren. Hat jemand wie Sie viel zu tun in dieser Zeit?
Cornel Borblély: Vorneweg: Jeder kocht nur mit Wasser – auch ich. Doch wir haben momentan tatsächlich fast Tag und Nacht zu tun. Wir betreuen eine breite Palette von Fällen auf nationaler und internationaler Ebene, das Schwergewicht liegt im Wirtschaftsstrafrecht und bei Compliance-Fragestellungen. Da geht es um Firmen, aber auch um Einzelpersonen, mit denen man sehr persönlich über längere Zeit hinweg in einem solchen Strafverfahren unterwegs ist.
Gibt es denn immer mehr Wirtschaftsdelikte?
Subjektiv gesagt, haben wir täglich mehr Arbeit. Das hängt aber auch damit zusammen, dass sich Behörden in der ganzen Schweiz immer mehr auf Ereignisse aus dem Gebiet des Wirtschaftsstrafrechts spezialisieren – was dann logischerweise zu mehr Fällen führt.
« Ein Fall fasziniert mich, wenn man damit
juristisches Neuland betritt. »
Mit welchen Fällen beschäftigt sich Ihre Kanzlei?
Über konkrete Fälle kann ich nicht reden. Wir haben aber grundsätzlich Klienten mit Fällen einer gewissen Schwere und einer gewissen Komplexität. Da geht es um Betrugs-Fragestellungen, ungetreue Geschäftsbesorgungen, Geldwäscherei bis hin zur Klärung einer strafrechtlichen Verantwortung eines Unternehmens. Und ich lese Fälle aus, an denen ich ein persönliches Interesse habe – sei es an der Sache oder an der Person, die ich unterstützen möchte.
Sein Name kommt aus dem Ungarischen, doch Dr. Cornel Borbély ist im Zürcher Oberland aufgewachsen und hat an der KZO Wetzikon «mit Ach und Krach», wie er sich erinnert, die Matura gemacht. Der Jurist lebt mit seiner Familie im Zürcher Oberland und führt in Zürich eine eigene Kanzlei, wo er als Rechtsanwalt vor allem im Strafrecht, Wirtschaftsrecht und Verwaltungsrecht tätig ist. Zudem ist er unter anderem als Fachdozent an mehreren höheren Schulen aktiv, steht den Deutschschweizer Militär-Untersuchungsrichtern vor und sass bis vor kurzem in der Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft.
Borbély wurde 2016 von der Zeitschrift « Bilanz » zu einem der zehn wichtigsten Wirtschaftsanwälte der Schweiz gewählt. Dass man den Namen des heute 42-Jährigen auch ausserhalb der Schweiz kennt, ist nicht nur auf einen Wikipedia-Eintrag über ihn zurückzuführen, sondern vor allem auf sein Engagement als Vorsitzender der Untersuchungskammer der FIFA-Ethikkommission. In dieser Eigenschaft leitete der frühere Zürcher Staatsanwalt Ermittlungen gegen hohe Funktionäre des Weltfussballverbandes, bis er ohne Angabe von Gründen abgesetzt wurde. ehi

