Russland hat seinem Corona-Impfstoff nicht umsonst diesen historischen Namen verliehen. Sputnik V lautet er – angelehnt an die ersten Satelliten in der Erdumlaufbahn, mit denen die Sowjetunion ihre Technologie-Erfolge in Zeiten des Kalten Krieges demonstrierte.
Die Reminiszenz zeigt, dass das Rennen um einen Impfstoff längst zum Politikum geworden ist. Es geht um wissenschaftliche und wirtschaftliche Dominanz, darum, die Hand auf jenem Mittel zu haben, das bislang mehr als alle anderen als ein Ausweg aus der Krise erscheint.
Doch schon jetzt wird deutlich, welche grossen Risiken ein hemmungsloses Wettrennen birgt. In den Studiendaten des russischen Impfstoffkandidaten beispielsweise sind Ungereimtheiten entdeckt worden. Übergrosse Hast, vermeidbare Fehlschläge, Intransparenz und vorschnelle Zulassungen können das Vertrauen in Impfungen unterminieren. Vor allem aber würde ein Schutzmittel nur für den Eigengebrauch einiger Staaten die weltumspannende Krise nicht lösen.
92 Länder haben nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO nicht die Mittel, ausreichend Impfstoffe zu entwickeln oder einzukaufen. Damit könnte das Coronavirus in weiten Teile der Erde weiter zirkulieren und indirekt auch die Länder mit einem eigenen Vakzin schädigen: Indem der Erreger immer wieder eingeschleppt wird, indem er Handel und Wirtschaftspartnerschaften mit den weniger glücklichen Ländern schwächt.
Zusammenarbeit statt Wettkampf

