Die Angestellten haben gefeiert, wenigstens ein bisschen. Mit geschmackangereichertem Wasser (Erdbeeren). Die Hausregeln der Firma verbieten härteren Stoff.
Grund zur Freude beim Biotechunternehmen UCB aus Bulle war ein Stück Papier. Die Firma hat am 30. Juni ein Zertifikat erhalten, das festhält, dass UCB Schweiz seine Arbeiterinnen und Arbeiter gerecht entlöhnt. «Equal pay» im Jargon, und ein Beleg dafür, dass UCB kein Geschlecht diskriminiert. Es gibt zwar Lohnunterschiede, doch die sind erklärbar, klein und daher vernachlässigbar. «Ein gutes Gefühl», sagt Marie Toesca, HR-Angestellte von UCB, und fügt an: «Wir haben nichts anderes erwartet.»
Selbstverständlich also, logisch gar – und doch tun sich in der Schweiz viele Firmen immer noch wahnsinnig schwer mit der Lohngleichheit zwischen den Geschlechtern. Rund 18,3 Prozent beträgt der Lohnunterschied zwischen Mann und Frau im Jahr 2016. Knapp die Hälfte der Differenz gilt gemäss Lohnstrukturerhebung 2016 des Bundesamts für Statistik als nicht erklärbar anhand Erfahrung, Ausbildung oder Position. Das heisst in anderen Worten: Es wird diskriminiert. Eine Frau verdient weniger, weil sie eine Frau ist.
UCB hat Wege gefunden, um diese Lohnfalle zu umgehen. «Wir verhandeln nicht», sagt Toesca. Wer für einen Job bei UCB infrage kommt, wird durchleuchtet. Toesca bewertet Erfahrung, Ausbildung, Kompetenzen, daraus berechnet sie nach einem bestimmten Schlüssel den Lohn.

