Solche Wochen und Monate hat Urs Gerber in seinem langen Geschäftsleben noch nicht erlebt. Mit Beginn des Lockdowns war eine regelrechte Flut an Bestellungen über den Lindauer Sargproduzenten hereingebrochen. « Die Nachfrage hat sich auf einen Schlag verdoppelt. » Von Mitte März bis Ende April verliessen rund 2700 Särge die Fertigung der Hans Gerber AG.
Für Gerber war diese Situation ein absolutes Novum. « Nach Zugunfällen oder Flugzeugabstürzen ist es schon vorgekommen, dass wir die Sargproduktion kurzfristig stark hochfahren mussten. Aber einen solchen Zuwachs bei den Bestellungen hatten wir noch nie. »
Ihm zufolge waren viele Bestatter besorgt, dass sich die Lage zuspitzen könnte, und haben vorsichtshalber auf Vorrat bestellt. Als der Bund dann die ersten Lockerungsmassnahmen bekannt gab, sei die Nachfrage ebenso schlagartig wieder eingebrochen – und sogar fast zum Erliegen gekommen. « Im Mai war es in der Sargfabrik komplett ruhig. »
Glimpflicher Verlauf
Anders als befürchtet hat das Infektionsgeschehen in der Schweiz bisher nicht zu einer Todeswelle geführt. Von Verhältnissen wie im Corona-Hotspot Norditalien war man hierzulande weit entfernt. Zwar verzeichnet das Bundesamt für Statistik (BFS) einen deutlichen Anstieg der Todesfälle in den ersten Wochen nach dem Lockdown – bei den 65-Jährigen und älteren lag die Übersterblichkeit zeitweise bei 39 Prozent. Aber schon in der ersten Aprilhälfte sank die Zahl wieder und bewegte sich Ende Mai sogar unterhalb der erwarteten Bandbreite.

