Abo

Wirtschaft

Krise schadet Älteren mehr als erwartet

Die Arbeitslosigkeit steige bei den über 55-Jährigen auffällig stark, warnen die Gewerkschaften in einer neuen Analyse. Sie fordern politische Gegenmassnahmen.

Da ist zum Beispiel die 59-Jährige, die bei einer kleinen Beratungsfirma für Schulen arbeitete. Als Corona kam, führte der Chef Kurzarbeit ein – und teilte der Frau mit, dass sie entlassen sei. Oder der knapp 60-Jährige, der eben erst nach längerer Suche in einer Weinhandlung Arbeit gefunden hatte: Wegen des Lockdown schloss der Laden seine Pforten – und der Mann war seine Stelle wieder los.

Mit solchen und ähnlichen Schicksalen werde er derzeit auffällig oft konfrontiert, sagt Daniel Lampart, Zentralsekretär des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds (SGB). In einem neuen Positionspapier konstatiert der SGB eine «besorgniserregende» Situation der älteren Arbeitnehmenden. In der Altersgruppe zwischen 55 und 64 Jahren nehme die Arbeitslosigkeit überproportional zu.

Jüngere wechseln oft den Job

Dieser Befund mag bei einem Blick auf die Statistik zunächst überraschen. In absoluten Zahlen betrachtet, scheint es bei den über 55-Jährigenweniger Jobverluste zu geben als bei den Jüngeren. Das Bild ändert sich jedoch, wenn man die schwindende berufliche Mobilität in die Bewertung einbezieht.

Wie der SGB in seiner Analyse festhält, wechseln die 20- bis 24-Jährigen ihre Stelle oft; ihre Mobilität liegt bei etwa 20 Prozent (sogenannte Rotationsquote). Dieser Wert geht danach sukzessive zurück, bis auf 3 Prozent bei den «Ü55». Die quasi natürliche Folge ist, dass Junge in der Krise öfter ohne Beschäftigung sind als Alte. In der Tat ist die Gruppe der 20- bis 24-Jährigen vom aktuellen Tief am stärksten betroffen: Bei ihnen gab es in den Krisenmonaten März und April im Vergleich mit dem Vorjahr 89 Prozent mehr Zugänge in die Arbeitslosigkeit.

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?