Die Türen des altehrwürdigen Riegelhauses in Nänikon bleiben für zwei Monate geschlossen. In dieser Zeit entsteht das, wie es die Löwen-Wirte Carmen und Stephan Stalder nennen, Konzept «Löwen 2.0». Es soll in der Küche wieder mehr Spielraum geben – «Back to the roots» sozusagen. Wiedereröffnet werden soll der «neue Löwen» am 3. März 2020.
Stephan Stalder, Sie und ihr «Löwen» sind im Gault-Millau-Guide Schweiz seit Jahren das höchstbewertete Restaurant in der Region und werden in den Gastroführern von Michelin, Guide Bleu und Prosper Montagné geführt. Wieso wollen Sie ihr Gourmet-Restaurant verändern?
Stephan Stalder: Mein Ziel ist und bleibt immer das gleiche: Wir wollen nicht das höchstbewertete mit den meisten Punkten und Hauben sein, sondern das bestbesuchte Restaurant mit zufriedenen Gästen sein und bleiben. In dieser Hinsicht dürfen wir sehr dankbar auf unsere vergangenen erfolgreichen 22 Jahre zurückblicken. Die Gründe unseres Konzeptwechsels sind anderer Natur.
Welche Gründe sind das?
Der Begriff «Gourmet-Tempel» impliziert Schwellenangst, notwendigerweise lange Verweildauer und hohe Preise. Nun frage ich Sie, passt das noch zum Zeitgeist, der sich wandelt? Ich mag es überhaupt nicht, wenn unser ländlicher Landgasthof Löwen als «Gourmet-Tempel» bezeichnet wird. Der «Löwen» ist ein altehrwürdiges Riegelhaus aus dem Jahre 1780, das wir sorgsam erhalten.
Aber Ihr Restaurant hat doch nicht diesen Ruf und funktioniert doch?
Es funktioniert sogar sehr gut, nur unterscheiden wir uns von den meisten Gourmetbetrieben auf unserem Niveau, die immer mehr eine parallele Beiz führen, die Hotelzimmer oder Bankettsäle haben und im Hintergrund auf einen Mäzen oder Sponsor zählen – wir sind vollkommen frei und nicht querfinanziert.
«Punkten will ich nicht mehr – das habe ich allen Testern mitgeteilt.»

