Energiefirma zu bestehlen, war gar keine elektrisierende Idee
Man kennt solche Geschichten – oft begleitet von Bildern abenteuerlicher Szenen – aus dem Ausland: Da zweigt jemand von einem frei über der Strasse hängenden Kabel Strom ab, eine Gruppe Männer bohrt eine Ölpipeline an, ein Automobilist füllt an einer «Sprit»-Säule den Tank seines Wagens und fährt weg, ohne zu bezahlen. Keine Profidiebe, sondern normale Bürger bringen auf diese Weise Energiefirmen um ihr Handelsgut.
So etwas passiert auch in der energiemässig hervorragend versorgten, reichen Schweiz, wie ein aussergewöhnlich seltener Fall aus der Region zeigt. Ein Mann hatte über Monate hinweg Strom bezogen, ohne dem Stromlieferanten etwas dafür zu berappen.
Wie Untersuchungen ergaben, machte er dies, indem er etwa dreimal die mit Plomben gesicherte Abdeckung des Prepaid-Stromzählers im Keller seines Hauses entfernte und anschliessend die in seine Wohnung führenden Drähte mit den Drähten der Stromzufuhr zusammenschloss. Sprich: Er überbrückte den Zähler und konnte so Strom beziehen, ohne dass es dem lokalen Elektrizitätswerk, das den Strom lieferte, möglich war, diesen Strom zu erfassen oder abzustellen.
Ein finanzieller Riesenflop
Für diese Tat, die sich zwischen Ende 2016 und Anfang 2018 ereignete, wurde der Mann nun kürzlich von der Staatsanwaltschaft See/Oberland per Strafbefehl verurteilt. Wegen «mehrfacher unrechtmässiger Entziehung von Energie mit Bereicherungsabsicht» fasste der heute 65-Jährige eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 30 Franken.
Da diese Strafe bedingt ausgesprochen wurde, ist sie nicht zu bezahlen. Das Urteil umfasst allerdings auch eine Busse von 500 Franken sowie die Übernahme von 1430 Franken Verfahrenskosten.
Damit endet die Aktion, mit der der Mann – notabene ein Akademiker – laut Strafbefehl «so lange wie möglich unrechtmässig und ohne Bezahlung» Strom für seinen Haushalt beziehen wollte, mit einem finanziellen Riesenflop. Denn der Dieb hatte Strom für etwa 180 Franken abgezweigt – muss nun aber mit 1930 Franken dafür büssen. Also mit dem mehr als zehnfachen Betrag, der für die «gesparte» Energie fällig gewesen wäre.
«Sehr gefährliche» Art des Diebstahls
Energiediebstahl ist nicht nur für Schweizer Strafverfolger eine exotische Sache, sondern auch für die Energiefirmen. Der betroffene Elektrizitätsversorger aus der Region teilt auf Anfrage mit, dass sich erst einige wenige solcher Taten ereignet hätten. Entdeckt würden diese beim Stromablesen, bei Kontrollen oder nach Meldungen – etwa von Nachbarn oder einem Hauswart.
Laut der Energiefirma sind Basteleien von Laien am Stromzähler oder anderen Installationen «sehr gefährlich». Allerdings würden solche Taten in der Regel von Leuten begangen, «die sich auskennen».
Ähnlich tönt es bei den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich (EKZ), die grosse Teile des Oberlandes versorgen: «Stromdiebstahl kommt extrem selten vor». Zapfe jemand Elektrizität ab, werde dies aber «von unseren Kontrollmechanismen der Abrechnungssysteme und im Rahmen periodischer Installationskontrollen relativ bald bemerkt».
