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Wirtschaft

«​​​​​​​Gesundes, frisches Essen - das macht Leute glücklich»

Vor 100 Jahren öffnete in der Schweiz das erste Personalrestaurant. Zeit, mit zwei in der Region tätigen Fachleuten zurückzublicken auf veränderte Essgewohnheiten und andere Herausforderungen für Kantinenbetreiber.

Wo haben Sie gestern Zmittag gegessen?
Markus Herger: Ich esse nie Zmittag, weil ich über Mittag im von mir geführten Restaurant in der Ferag arbeite. Unser Küchenteam isst jeweils um 13.30 Uhr, doch das ist mir zu spät. Ich esse dann abends mit meiner Frau zu Hause.
Marc Ingold: Ich habe in der Universität Bern gegessen, in einem Betrieb von uns. Ich hatte Hunger, und unser Restaurant lag am nächsten beim Büro. Zudem ist es auch wichtig, dass man als ZFV-Vertreter immer wieder mal die Situation aus der Sicht des Gastes anschaut.

Immerhin: Einer von Ihnen beiden war – wenn auch teilweise aus beruflicher Verpflichtung – in einem Mitarbeiterrestaurant essen. Wie hält es dann das Gros der Angestellten?
Herger: Ich denke, der Besuch von Mitarbeiterrestaurants ist eher rückläufig – und ich kann das nachvollziehen. Die Leute arbeiten schon den ganzen Tag im Betrieb, dann wollen sie über Mittag vielleicht weg, raus an die frische Luft.
Ingold: Es kommt immer drauf an, wo man sich befindet. Hier im ländlichen Hinwil, wo wir gerade das Interview machen, geht man sicher eher nach Hause zum Essen. In der Stadt und wenn der Arbeitgeber bereit ist, dem Personal günstige Mittagessen anzubieten, hat man sicher mehr Leute in einem Mitarbeiterrestaurant.

100 Jahre Personal-Restaurants
In der Maschinenfabrik Bühler AG in Uzwil war am 12. Januar 1918 die erste Personalkantine der Schweiz eröffnet worden. Geführt hat das Lokal der damalige Schweizer Verband Soldatenwohl, heute als SV Group mit Hauptsitz in Dübendorf «führend in der Gemeinschaftsgastronomie», wie es in einer Medienmitteilung heisst. Die erste Kantine servierte täglich 150 Mahlzeiten – in den insgesamt 565 Betrieben der SV Group werden heute täglich 154’800 Menüs verspeist

Viele essen ja zum Zmittag nur noch ein Sandwich oder etwas Mitgebrachtes von daheim, zum Teil während des Arbeitens, was den Ausdruck vom «sad desk lunch» hervorgebracht hat.
Ingold: Heute, mit den flexiblen Arbeitszeiten, ist meiner Ansicht nach das Mittagessen für viele nicht mehr etwas, das sein muss. Sondern man versucht vermehrt, auch seine Freizeit zu planen, will deshalb vielleicht schon um 16.30 Uhr aus dem Büro und isst deshalb nur ein Sandwich über Mittag. Und, was ganz wichtig ist und was wir bei unseren über 190 Betrieben sehen: Es ist immer der Gastgeber, der es ausmacht, ob man zu ihm essen geht. Die zwischenmenschliche Beziehung ist in einem Betriebsrestaurant enorm wichtig. 
Herger: Ich kann mir vorstellen, dass vor allem die Jungen das Essen von zu Hause mitbringen – einfach, um Geld zu sparen. Und weil die Jungen heute nicht mehr alles essen.

Wie?
Herger: Die Jungen kennen die neuzeitliche Küche nicht. Sie essen gerne Schnitzel, Hamburger, Pommes Frites, vielleicht mal einen Braten mit Kartoffelstock.

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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