Wann kam Ihre künstlerische Ader zum Vorschein?
François Steinauer: Mit 28 musste ich meine Matrix, Moral und Ethik, in die Knetmaschine geben, um weiterleben zu können. Zwar habe ich bereits als Kind sehr gerne gemalt. Aber erst als ich meine Frau Karin kennenlernte, setzte ich voll auf die Kunst. Karin hatte die Kunstschule absolviert, war Werklehrerin und ist sehr kreativ. So unterstützen wir uns stets gegenseitig. Damals starteten wir mit der Tiffany-Glaskunst, die gerade en vogue war. Und so kämpften wir uns gemeinsam zum Erfolg.
Wieso verarbeiten Sie Eisen?
Es war schon immer mein Ziel, Tote zu erwecken. Im Gegensatz zu Holz verzeiht Metall sehr viel. Ist etwas nicht perfekt, kann ich es korrigieren. Trotzdem sind plastische Arbeiten eine Herausforderung. Anfangs verwendeten wir Altmetall, heute sind es Eisenplatten.
Wie kam es, dass Sie sich vor 34 Jahren selbstständig machten?
Es war der innere Drang, nicht mehr fremdbestimmt zu sein. Die Kreativität war da und wollte umgesetzt werden.
Name: François Steinauer
Geburtsjahr: 1952
Beruf: Freischaffender Künstler
Erlernter Beruf: Schriftsetzer
Hobbys: Kochen, Gitarre, Garten, Gedichte schreiben
Zivilstand/Kinder: verheiratet, 2 Kinder
Wohnort: Bauma
Ihre Frau arbeitet als eigenständige Künstlerin in der Schmiedewerkstatt. Ist das eine Bereicherung?
Meine Frau und ich sind lange Zeit Hand in Hand, auf der gleichen Strassenseite, durch Höhen und Tiefen, durch Hitze und Kälte gegangen. Seit einiger Zeit benutzen wir beide Strassenseiten. Nach der Tiffany-Zeit waren wir sehr erfolgreich mit Schmuckkreationen. Aber alles hat seine Zeit. Eines Tages sah ich einen Vogel, und von da an widmete ich mich Vogelplastiken. Ich habe nie Kurse besucht. Alles kam mit «learning by doing», zuerst das Löten, dann das Schweissen.
«Eines Tages sah ich einen Vogel, und von da an widmete ich mich Vogelplastiken.»
Ihr Sohn Georges ist seit 2004 mit im Betrieb. Tritt er in Ihre Fussstapfen?
Ich habe Schuhgrösse 45, er 43. Er ist gelernter Kaufmann und auch mit seinen Ideen gut in den Betrieb integriert. Zurzeit sind es drei Standbeine: Georges ist für den künstlerischen Metallbau, Karin für Laserarbeiten und ich für die Skulpturen zuständig. Zurzeit kreiere ich fantasievolle Dörfchen, die mir sehr viel Freude bereiten.
Sie sind 66 Jahre alt. Wie lange arbeiten Sie weiter?
Bis zum bitteren Ende. (lacht) Künstler werden nicht pensioniert. Die Ideen gehen ja nicht von einem Tag zum anderen aus. Zudem sehe ich mein Schaffen nicht als Arbeit.
Von wem haben Sie in Ihrem Leben am meisten gelernt?
Von meinem leeren Portemonnaie. Daraus entspringen meine besten Ideen.
Wann haben Sie zuletzt etwas zum ersten Mal gemacht?
Zurzeit passiert das fast jede Woche, sei dies bei der Kunst, beim Kochen oder wo ich mich gerade bewege.
Welche Erfahrung möchten Sie nicht missen?
Dass ich in meinem Leben immer wieder auf die Beine gekommen bin.

