So trägt man Babys heute
In der alten Schokoladenfabrik in Laupen sitzt Maria Lüscher und zeigt ihre neusten Kreationen: verschiedene Babytragen aus farbigen Stoffen. Hier hat sie sich mit ihrem Unternehmen Tragebaby vor gut drei Jahren auf zwei Stockwerken eingemietet. «Angefangen hat alles mit meinem ersten Kind», erinnert sich die 34-jährige Unternehmerin. Sie habe sich damals für ein Tragetuch entschieden. Das Baby in einem Tuch zu tragen, war aber für ihren Mann nicht bequem. «Deshalb habe ich angefangen, eine Babytrage zu entwickeln, die für jede Statur und Grösse angepasst werden kann», sagt sie.
«Jetzt oder nie»
In Internetforen stiess ihre Idee auf grosses Interesse. «Viele fragten mich, ob ich ihnen auch so eine Trage nähen könnte», sagt die heute dreifache Mutter. Anfangs habe sie das gerne gemacht, doch irgendwann wurden die Anfragen zu zahlreich. «Ich musste mich entscheiden, ob ich daraus ein Geschäft machen will oder die Idee fallen lasse», sagt sie.
«Ich musste mich entscheiden, ob ich daraus ein Geschäft machen will oder die Idee fallen lasse.»
So kam es dazu, dass Lüscher 2010 die Firma Tragebaby gründete. Beim Nähen halfen ihr anfangs Bekannte, die jeweils von daheim aus die Modelle nähten. Bis heute ist die Heimarbeit ein wichtiger Bestandteil des Businessmodells geblieben. «Die Hälfte der heute 16 angestellten Näherinnen sind Mütter, die von zu Hause aus arbeiten», sagt Lüscher.
Flexibler Arbeiten von daheim
Diese Zusammenarbeit sei eine Win-Win-Situation. Die Näherinnen werden pro Stück bezahlt und seien froh, dass sie eine flexible Arbeit haben, die sie in ihrer eigenen Wohnung erledigen können.
Heute hat Lüscher insgesamt 19 Angestellte – alles Frauen. «Das Unternehmen ist stetig gewachsen. In den ersten drei Jahren hat sich die Zahl der Angestellten jedes Jahr verdoppelt», sagt Lüscher. Dass ihre Angestellten alle weiblich sind, habe sich aber ganz zufällig ergeben. Für ein weiteres Wachstum hat es in den gemieteten Räumen der Schokoladenfabrik kaum noch Platz. «Die Heimarbeit könnten wir aber noch beliebig ausbauen.»
Schweizer Produktion
Das Endprodukt sieht nicht nur schön aus, sondern hat auch viele versteckten Funktionen. So zeigt Lüscher an einer Schneiderbüste, wie man die Babytrage verstellen kann. «Wir haben bei der Trägerbefestigung einen Ring eingenäht, damit sich die Trage optimal an die Figur des Trägers anpassen kann.»
«Die Trage kann von Geburt bis etwa zum vierten Lebensjahr an die Grösse des Kindes angepasst werden.»
Auch das Rückenteil und die Kopfstütze können durch verschiedene Schnallen und Bändel verstellt werden. «Die Trage kann von Geburt bis etwa zum vierten Lebensjahr an die Grösse des Kindes angepasst werden», erklärt die gelernte Pflegefachfrau. Dabei stehe die Gesundheit immer im Vordergrund.
Unikat oder ab Stange
Der Preis der Babytragen von Maria Lüscher variiert, je nachdem, ob es sich um ein Unikat oder ein Modell ab Stange handelt. «Die Preise sind bei uns etwas höher als bei der internationalen Konkurrenz, weil alle Tragen nur aus Schweizer Produkten bestehen und alles hier in der Schweiz produziert wird. Das hat halt seinen Preis», sagt Lüscher.
Trotzdem habe Tragebaby bei der nationalen Konkurrenz die Nase vorne. Im Monat werden durchschnittlich 220 Produkte verkauft. «Das liegt wahrscheinlich an der Verstellbarkeit und den einzigartigen Designs unserer Produkte», so die Geschäftsführerin.
Weitere Produktideen
Neben den Babytragen hat Lüscher auch Taschen entwickelt. Sie sind wie die Tragen maximal verstellbar und können einfach zu einer Hüfttasche oder einem Rucksack umgebaut werden. «Auch diese Produktideen sind durch Erfahrungen mit meinen Kindern entstanden. Normale Taschen waren zusammen mit der Babytrage einfach nicht praktisch», sagt die Laupnerin.
«Ich bin kein Mensch, der stehenbleiben kann.»
Diese Ideen will sie in den nächsten Jahren noch weiterentwickeln. «Ich bin kein Mensch, der stehenbleiben kann. Es muss immer ein nächstes Ziel geben.»
Verkauf über Internet
Die Schokoladenfabrik ist mit dem öffentlichen Verkehr eher schlecht erreichbar und auch mit dem Auto rund zehn Minuten von Wald entfernt. «Wir verkaufen vor allem über unsere Internetplattform. Deshalb ist der Standort nicht so entscheidend», sagt Lüscher. Kunden kämen nur auf Termin für die Stoffauswahl oder eine Beratung nach Laupen. Wer will, kann sich seine Babytrage selber aus verschiedenen Stoffen und Materialien zusammenstellen.
Dass die Produktion zum grössten Teil in Laupen stattfindet, hängt auch damit zusammen, dass Maria Lüscher direkt neben der alten Schokoladenfabrik wohnt. Mit ihren drei Kindern will sie nicht ständig 100 Prozent arbeiten. «Es war mir immer wichtig, dass ich auch mit einem eigenen Geschäft noch für meine Familie da sein kann. Mit einem Teilzeitpensum die Firma zu leiten, klappt aber mit meinem Team sehr gut.»

