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Politik

Windradgegner rufen zum Widerstand auf

Ein Verein will den Bau von Windrädern im Kanton Zürich verhindern. In Hinwil stellten die Aktivisten ihre Argumente vor.

In Hinwil lancierte der Verein Freie Landschaft Zürich seinen Widerstand gegen Windkraftanlagen.

Foto: Lennart Langer

Windradgegner rufen zum Widerstand auf

Kritik an Plänen des Kantons

Ein Verein nimmt den Kampf gegen die Windräder im Kanton Zürich auf. Er will deren Bau auf den Hügelzügen des Zürcher Oberlands verhindern. Der Kopf hinter der Bewegung ist kein Unbekannter.

Ein Windrad am Bachtel, am Hüttchopf oder auf dem Pfannenstiel? Dagegen wehrt sich der Verein Freie Landschaft Zürich. Am Dienstagabend luden die Windradgegner zu einer ersten Informationsveranstaltung in den Hinwiler «Hirschen»-Saal. Rund 200 Personen interessierten sich für die Argumente der Bewegung, die mit den geplanten Windrädern des Kantons nichts anfangen kann.

Eine mögliche Strommangellage sei zwar ein Problem, Windräder seien aber keinesfalls die Lösung, stellten die Aktivisten klar.

Info-Veranstaltung des Vereins Freie Landschaft Zürich in Hinwil.
Die Veranstaltung des Vereins Freie Landschaft Zürich lockte zahlreiche Interessierte in den Hinwiler «Hirschen»-Saal.

Aufgeschreckt hatten die Anwesenden die Pläne des Kantons. 120 Windenergieanlagen in 46 sogenannten Windpotenzialgebieten sollen bis 2050 gebaut werden. Dies hat Regierungsrat Martin Neukom (Grüne) im vergangenen Oktober publik gemacht. Bereits nach der Ankündigung im Herbst regte sich erster Widerstand.

Mehrere dieser Windpotenzialgebiete befinden sich im Zürcher Oberland und im Tösstal. Auf verschiedenen Hügelzügen könnten sich künftig Windräder drehen. Aktuell läuft die Prüfung der Standorte. Eine Revision des Richtplans ist 2026 vorgesehen. Dennoch gehen Stromfirmen bereits jetzt auf Landeigentümer in der Region zu, um sich Grundstücke zu sichern.

Auf der Karte sieht man die potenziellen Gebiete für Windenergie.
An diesen Standorten könnten im Kanton Zürich Windturbinen entstehen.

Der Verein Freie Landschaft Zürich will die Bevölkerung für den Widerstand gegen die Windradpläne mobilisieren. Vereinspräsident Martin Maletinsky hofft, dass sich die Leute etwa mit Gemeindeinitiativen oder lokalem Aktivismus gegen den Bau der Anlagen wehren. Er selbst findet Windräder nicht nur «hässlich», er sieht sie als «grösste Gefahr für Natur und Landschaft».

Windkraftgegner widersprechen Kanton

Maletinsky weiss, was er tut. Der Kilchberger hat sich bereits in der Vergangenheit als Aktivist einen Namen gemacht. Er wurde auch schon als Globalisierungsgegner beschrieben, der den Klimawandel relativiert. Vor einigen Jahren setzte er sich erfolgreich gegen den Bau der ZKB-Seilbahn über den Zürichsee ein.

Info-Veranstaltung des Vereins Freie Landschaft Zürich in Hinwil.
Aktivist Martin Maletinsky (rechts) und Biologe John Spillmann (Mitte) präsentierten in Hinwil ihre Argumente gegen den Bau von Windrädern.

Nun also hat sich Martin Maletinsky die Windräder vorgenommen. Gegründet hat er den neuen Verein bereits im Februar 2022 als Sektion der national aktiven Freien Landschaft Schweiz. Für Maletinsky ist die Schweiz kein Windland. Es winde schlicht zu selten und zu unregelmässig. «Windturbinen müssen dorthin, wo der Wind bläst», sagte er in Hinwil. Man solle Massnahmen ergreifen, die etwas brächten, und keine Symbolpolitik betreiben.

Windkraft ist nicht per se schlecht, aber sie gehört nicht hierhin.

Diskussionsteilnehmer

Er widerspricht damit der Ansicht des Kantons, der eine Produktion von 800 Gigawattstunden Strom im Jahr mit Windkraftanlagen vorsieht. Damit liessen sich rund 160’000 Haushalte mit Strom versorgen. Gemäss den kantonalen Prognosen soll die Windenergie langfristig sieben bis acht Prozent des Energiebedarfs decken.

Windräder sollen so einen Beitrag zur Stromproduktion aus erneuerbaren Energien im Kanton leisten. Die Baudirektion sieht darin ein grosses Potenzial, das vor allem auch unter Berücksichtigung der unsicheren internationalen Versorgungslage genutzt werden sollte. Gerade im Winter sei die Windenergie eine ideale Ergänzung zu Solarstrom und Wasserkraft.

Eingriff in das Landschaftsbild

Für diese Argumente hat Maletinsky kein Verständnis. Auch im Winter sei der Nutzen der Windenergie marginal. Er stehe in keinem Verhältnis zu den negativen Auswirkungen der Anlagen. Vor allem aber stören ihn die Folgen für die Natur und die Grösse der Windräder. 160 bis 220 Meter hoch könnten die Anlagen gemäss Regierungsrat Martin Neukom werden. Schutzgebiete seien dadurch gefährdet, meint Maletinsky.

Unterstützung erhielt Maletinsky in Hinwil vom Bäretswiler Biologen John Spillmann, der ebenfalls schon länger vor dem Bau von Windenergieanlagen warnt. Spillmann sprach in seinem Referat von «massivsten Eingriffen» in die Landschaft. Zur Veranschaulichung zeigte er eine fast endlose Fotoserie von Hügeln aus dem Zürcher Oberland, die sich nun in den Windpotenzialgebieten befinden und auf denen dereinst ein Windrad stehen könnte.

Die Windkraftgegner versuchten während der knapp dreistündigen Informationsveranstaltung immer wieder mit eindrücklichen Bildern zu überzeugen. Dramatische Musik untermalte Videoanimationen von Windrädern in der idyllischen Landschaft des Zürcher Oberlands. Fotos von durch Rotoren getöteten Vögeln und von Warnschildern bei bestehenden Windenergieanlagen holten das Publikum emotional ab.

Initiativen auf Gemeindeebene

Im Saal mussten die Aktivisten kaum Widerspruch befürchten. Die Stimmung war einhellig. Landschaft und Naherholungsgebiete seien in Gefahr. «Windkraft ist nicht per se schlecht, aber sie gehört nicht hierhin», hiess es aus dem Publikum. «Wehrt euch!» Mässigende Voten wurden mit Zwischenrufen oder einem Raunen quittiert.

Geht es nach Martin Maletinsky, war der Anlass in Hinwil erst der Anfang. Seine Hoffnung ruht auf den politischen Prozessen vor Ort, wie er sagte, etwa auf Einzelinitiativen auf Gemeindeebene. Und er ist überzeugt: «Der Widerstand ist gross.»

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