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Politik

Wie viel ist dem Stimmvolk das Wachstum wert?

Zell wächst stetig, Schule und Gemeinde brauchen mehr Platz. Dafür greift die Gemeinde tief in die Tasche. Worüber das Stimmvolk am Montag befindet und weshalb die Vorlagen nicht unumstritten sind.

An der Gemeindeversammlung entscheidet das Volk über zwei teure Projekte: Die Modernisierung des Gemeindehauses (rechts) ..., ... und die Erweiterung des Schulhauses Engelburg (links). Dieses soll zwei neue Geschosse erhalten., Zudem soll der Eingangsbereich neu gestaltet werden., Aktuell werden einige Sek-Schüler im Provisorium unterrichtet, das ursprünglich der Primarschule diente., Brisanter ist die zweite Vorlage: Die Modernisierung des Gemeindehauses ist teurer als geplant.

Foto: Noah Salvetti

Wie viel ist dem Stimmvolk das Wachstum wert?

Glaubt man dem Wappen, kriecht die Gemeinde Zell gemütlich vor sich hin. In Wahrheit aber wächst sie alles andere als im Schneckentempo.

Auch die Infrastruktur, namentlich Schul- und Gemeindehaus, muss mit dem Wachstum der attraktiv gelegenen Gemeinde Schritt halten.

Kommenden Montag stimmt das Volk über zwei geldlastige Vorlagen ab: Den Planungskredit für die Erweiterung des Schulhauses Engelburg und einen Zusatzkredit zur Modernisierung des Gemeindehauses.

Schule braucht mehr Platz

Bereits heute herrscht in Zell ein Mangel an Schulzimmern. «Deshalb nutzen wir die Container des Schulhauses Tösstalstrasse nun für die Oberstufenschüler», sagt Gemeindepräsidentin Regula Ehrismann (EVP).  Ursprünglich hatte man diese Provisorien für die Primarschule aufgestellt.

Der Platznot will man mit einer Erweiterung des Schulhauses Engelburg begegnen.  Zwei zusätzliche Geschosse sollen Platz für weitere Schulzimmer und eine Lernlandschaft schaffen. Dazu hatte die Gemeinde ein Vorprojekt in Auftrag gegeben.

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Um die Pläne zu verfeinern, brauche es den Planungskredit über 1,1 Millionen Franken, erklärt Ehrismann. «Über die definitive Bausumme muss dann sowieso noch einmal abgestimmt werden.» Laut Antrag wird der finale Betrag aktuell auf rund 13 Millionen Franken geschätzt. Vors Volk kommt dieser voraussichtlich kommenden Juni.

«Wir wollen eine Lösung schaffen, die uns für die nächsten 30 Jahre absichert.»
Regula Ehrismann, Gemeindepräsidentin Zell (EVP)

So weit, so verständlich. Komplizierter ist die Ausgangslage bei der zweiten Vorlage. Um Platzprobleme zu beseitigen und die Sicherheit und Diskretion zu verbessern, soll das 25-jährige Gemeindehaus in Rikon modernisiert werden.

«Eine schleierhafte Begründung»

Bereits vergangenes Jahr hatte das Stimmvolk dafür einen Kredit in Höhe von rund 2,3 Millionen Franken gutgeheissen. Im Juli zog sich jedoch das zuständige Architekturbüro aus dem Bauvorhaben zurück.

«Sie haben uns eine Absage erteilt mit der Begründung, sie könnten das Projekt nicht mehr weiterverfolgen», schildert Regula Ehrismann. «Für mich eine etwas schleierhafte Begründung.»

Porträtbild von Regula Ehrismann, Gemeindepräsidentin Zell (EVP)

Die Gemeinde stand nun also mit Plänen aber ohne Architekten da. Die Suche nach einem Ersatz brachte das Projekt in Verzug. «Und Verzögerungen machen auch stets alles teurer», so die Gemeindepräsidentin.

Wegen fehlerhafter Angaben mussten die Pläne angepasst werden. Zunächst sprach der Gemeinderat einen Nachtragskredit von 130’000 Franken für Massnahmen beim Brand- und Hochwasserschutz.

Teure Erkenntnisse

«Neue Erkenntnisse aus den vertieften Fachplanungen» – so schreibt es die Gemeinde im Antrag – förderten weitere Mängel zutage, die das Projekt zusätzlich verteuern. Obendrauf kommt die Teuerung von 9,1 Prozent gemäss Baupreisindex.

«Wir müssen zugeben, dass das ursprünglich gesprochene Geld für die geplante Lösung nicht ausreicht.»
Regula Ehrismann

Konkret benötigt die Gemeinde weitere 830’000 Franken, um den Bau wie vorgesehen zu realisieren. Damit beläuft sich der neue Verpflichtungskredit auf total 3,3 Millionen Franken.

Bei der Abstimmung über den Projektierungskredit 2019 war man noch von rund anderthalb Millionen Franken ausgegangen.  «Wir müssen ehrlich sein und zugeben, dass das ursprünglich gesprochene Geld für die geplante Lösung nicht ausreicht», sagt Ehrismann.

Ohne den Zusatzkredit könne man zwar bauen, aber nur in abgespeckter Form. «Da wir eine Lösung schaffen wollen, die uns für die nächsten 30 Jahre absichert, wäre eine Ablehnung suboptimal», räumt Ehrismann ein.

Auf Planer war kein Verlass

«Auch wir sind in bestimmten Gebieten Laien», erklärt sie weiter. Entsprechend müsse man sich auf die beauftragten Fachleute und deren Expertise verlassen können.

Fakt ist: Wachstum kostet Geld. Doch reichen dem Souverän diese Erklärungen? Unter welchen Bedingungen die Gemeinde Zell weiterwachsen darf, liegt nun in den Händen der Bürgerinnen und Bürger.

Die Gemeindeversammlung der Gemeinde Zell findet am Montag, 19. September, 20.15 Uhr, im Gemeindesaal Engelburg in Rikon statt. Infos zu den Geschäften sind unter www.zell.ch abrufbar.

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