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Wie arbeitet es sich im Gemeindehaus-Container?

Das Gemeindehaus Zell in Rikon wird derzeit saniert. Die Verwaltung findet in einem Containerprovisorium Platz.

Noah Salvetti

Wie arbeitet es sich im Gemeindehaus-Container?

Verwaltung in Rikon wird saniert

Die Sanierung des Zeller Gemeindehauses ist vor Kurzem gestartet. Bis die Arbeiten abgeschlossen sind, müssen Belegschaft und Bevölkerung mit einem Provisorium Vorlieb nehmen. Ein Besuch in der blechernen Verwaltung.

Noah Salvetti

Tösstal

Zell hat zurzeit zwei Gemeindehäuser. Beide sind eingehüllt – das eine in Baugerüste, das andere in frischen Schnee. Als wäre es eine bewusste Tarnung, scheinen die Wände des Provisoriums geradezu mit der weissen Wiese zu verschmelzen, auf der dieses steht.

Neun Monate dient das Container-Ensemble der Zeller Gemeindeverwaltung als Hauptquartier. Währenddessen laufen die Umbauarbeiten am Gemeindehaus im Spiegelacker. Dieses ist zwar erst 25 Jahre alt, wird den heutigen Anforderungen aber nicht mehr gerecht.

Mitte September hat das Stimmvolk den Zusatzkredit für die Sanierung genehmigt. Er war wegen Planungsfehlern nötig geworden.

«Wir sind zuversichtlich, dass der Zeitplan ‹verhebt› und wir im August ins sanierte Gemeindehaus ziehen können», sagt Gemeindeschreiber Erkan Metschli-Roth. Ausgestattet mit roter Winterjacke führt er durch den Flur des Containerbaus.

Blech statt Baulärm

«Ich habe sogar mit Kollegen darauf gewettet», erzählt er. Der Wetteinsatz: Ein Zmittag. Während im Spiegelacker Bauschutt aus den Fenstern fliegt, ist es hier, einen kurzen Fussmarsch weiter, erstaunlich ruhig.

Das findet auch Yves Heller, als er die Cafeteria betritt, die gleichzeitig als Sitzungszimmer dient. «Hier arbeitet es sich sicher ruhiger und angenehmer, als wenn wir während des Baus im Gemeindehaus wären.», sagt der Sozialberater. «Dafür ist es auch etwas kälter.»

Ursprünglich wollte man das Gemeindehaus in Etappen sanieren, eine Operation am offenen Herzen sozusagen: Während den Umbauarbeiten im Erdgeschoss hätten die anderen Abteilungen wie gewohnt weitergearbeitet.

Der Baulärm und die Erschütterungen wären für die Mitarbeitenden aber eine massive Mehrbelastung gewesen. Das Provisorium stellt laut dem Gemeindeschreiber die bessere Lösung dar.

Zwar sei auch diese nicht günstig, aber: «Eine gestaffelte Sanierung hätte länger gedauert und dadurch ebenfalls Mehrkosten verursacht», erklärt Metschli-Roth. Die Container waren innert zwei Wochen aufgestellt und einsatzbereit.

Vorteil Homeoffice

Bei den provisorischen Büros handelt es sich um eine Komplettlösung, angepasst an die Bedürfnisse der Gemeinde Zell. Sie hat die Container angemietet und gibt sie nach der Sanierung wieder so zurück.

Für eine angenehme, wenn auch nicht wohlig warme Raumtemperatur sorgt eine Klimaanlage. Bibbern muss einzig, wer im Flur wartet. Dieser ist nämlich nicht beheizt.

Strom, Wasser- und Abwasserversorgung funktionieren wie bei einem befestigten Gebäude. Das Stück Land, auf dem das Gemeindehaus auf Zeit steht, grenzt nämlich unmittelbar an die Wohnzone.

Man sieht den Gemeindeschreiber von Zell, Erkan Metschli-Roth, mit einer roten Winterjacke, an seinem Arbeitsplatz im provisorischen Gemeindehaus Zell.

Da wir jetzt krisenerprobt sind, wissen wir, dass der Betrieb auch weiterläuft, wenn einzelne Mitarbeitende nicht vor Ort arbeiten.»

Erkan Metschli-Roth

Gemeindeschreiber Zell

«Das hat den Vorteil, dass wir die entsprechenden Leitungen direkt anzapfen konnten», sagt Metschli-Roth. Fünf Grossraumbüros und drei Sitzungszimmer stehen der Verwaltung im Provisorium zur Verfügung. Von den 35 Angestellten können aber nur 22 gleichzeitig im Container arbeiten.

 «Wir wechseln uns jeweils ab – ein Teil der Mitarbeitenden ist vor Ort, der Rest arbeitet von zuhause aus», erklärt der Gemeindeschreiber. Wer wann wo arbeitet, entscheidet der jeweilige Abteilungsleiter.

«Schliesslich haben auch nicht alle fünf Abteilungen dieselben Bedürfnisse.» Die Homeoffice-Möglichkeit sei eine grosse Entlastung. Hier hätten die Erfahrungen aus der Pandemie weitergeholfen.

Diskretion am Schalter fehlt

«Da wir jetzt krisenerprobt sind, wissen wir, dass der Betrieb auch weiterläuft, wenn einzelne Mitarbeitende nicht vor Ort arbeiten.»

Entscheidend war auch der Standort des Provisoriums – möglichst nah am eigentlichen Standort der Verwaltung. Dennoch: Vereinzelt rufen Bürger an, die vor der Baustelle stehen und das Provisorium nicht finden.

Diese Fälle lassen sich laut Metschli-Roth aber an einer Hand abzählen. Ein Problem gibt es aber: «An den Schaltern können wir nicht gleich viel Diskretion gewährleisten», sagt Natascha Kerin, stellvertretende Betreibungsbeamtin.

Die Schalter sind eigentlich kleine Fenster mit einem vorangestellten Korpus, durch die Gespräche geführt und Formulare hindurchgereicht werden können.

Damit nicht alle die Anliegen der Klienten mithören, müssten diese sehr nahe ans Fenster kommen, bemängelt Kerin. Die Diskretion liess auch im Gemeindehaus am Spiegelacker zu wünschen übrig. Sie soll nun verbessert werden, wie aus den Informationen zum Umbauprojekt hervorgeht.

Bürger und Gemeinderat sind überzeugt

Wie reagiert die Bevölkerung auf das provisorische Gemeindehaus? «Die Bürgerinnen und Bürger, die vorbeikommen, sind überzeugt von der Lösung», sagt Erkan Metschli-Roth.

Darüber sei man sehr froh. Am vergangenen Donnerstag konnte sich auch der Gemeinderat an seiner Sitzung ein Bild machen.

«Ursprünglich wollte man diese an einem eleganteren Ort abhalten. Aber ich war der Überzeugung, dass auch der Gemeinderat sehen muss, wie es sich hier arbeitet. Am Ende waren alle positiv überrascht.»

Die geänderten Öffnungszeiten der Gemeindeverwaltung und weitere Infos zum Umbau sind auf der Webseite der Gemeinde Zell zu finden.

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