Wetzikon erhält viel «Wohnraum mit Gleisanschluss»
Parlament treibt Stadtentwicklung voran
Pläne für Unterwetzikon, ein neues Wohnquartier, ein neuer Park und aufgemotzte Bushäuschen: Das Parlament gibt der Stadt ein neues Gesicht.
Das Wetziker Parlament hat sich am Montag vor allem damit beschäftigt, wie Wetzikon in Zukunft aussehen soll. An erster Stelle stand dabei der Masterplan für den «Stadtraum Unterwetzikon».
Das «Generationenprojekt» umfasst neben dem Bushof bei der Post auch den Bahnhof und den Bahnhofplatz, der auf dem heutigen Park and Ride entstehen soll. Das Gebiet soll zu einer modernen Verkehrsdrehscheibe werden. Gleichzeitig soll es ermöglichen, dass auch die Areale beidseits des Bahnhofs sich zu städtischen Quartieren entwickeln.
Vorerst aber ging es im Parlament nur darum, dass die Planungskosten für das komplexe Grossvorhaben deutlich höher liegen. Statt mit knapp 1,2 Millionen wird nun mit gut 1,6 Millionen Franken gerechnet. Einstimmig segneten die Parlamentarier einen Zusatzkredit von 450'000 Franken ab. Damit können die Arbeiten vorangetrieben werden. Die Wetziker werden voraussichtlich am 30. November 2025 über einen Rahmenkredit abstimmen können.
Rund 120 neue Wohnungen
Einen grossen Schritt weiter ist die Planung für das an den Bahnhof angrenzende Areal Pestalozzistrasse. Dort hiess das Parlament am Montag mit 29 Stimmen den öffentlichen Gestaltungsplan gut. Nur aus der SP/AW-Fraktion gab es Enthaltungen. Dies vor allem, weil die anderen vier Fraktionen kein Gehör hatten für einige Änderungsanträge zu den Gestaltungsplanvorschriften, die die Linke quasi in letzter Minute noch eingebracht hatte.
Zur Abstimmung kamen diese Punkte – gefordert wurden etwa mehr öffentliche und gemeinnützige Nutzung und weniger Parkplätze – jedoch nicht. Saamel Lohrer (SP) zog sie angesichts der Aussichtslosigkeit zurück. Doch er sagte, dass die vier Grundbesitzer, zwei Immobilienfirmen und zwei Privatpersonen, für ein solches Grossprojekt auf einer Fläche von 10'000 Quadratmetern an dieser idealen Lage der Öffentlichkeit etwas zurückgeben müssten: «Es braucht ein Geben und Nehmen.»


In den neun- bis siebengeschossigen Baukörpern sollen nach heutigem Planungsstand neben Gewerbeflächen rund 120 Wohneinheiten entstehen. Die Gebäude entlang der Rapperswiler- und der Pestalozzistrasse sollen gemischte Nutzungen mit hoher baulicher Dichte umfassen. Die rückwärtigen Bereiche sollen «städtebaulich verträgliche Übergänge zur Umgebung» gewährleisten. Der gemeinschaftliche Innenhof wird ökologisch hochwertig begrünt. Damit sollen die Wohnqualität und das Mikroklima verbessert werden.
Mit den von der Fachkommission des Parlaments eingebrachten Änderungen zeigte sich der Stadtrat einverstanden. So ist nun etwa festgehalten, dass die Spielanlagen hohen Anforderungen genügen müssen. Planungsvorstand Stefan Lenz (FDP) betonte, dass in diesem «Wohnraum mit Gleisanschluss» alles auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sei. Nach rund zwölfjähriger Planungsarbeit seien nun alle Voraussetzungen gelegt, um ein neues, gut durchmischtes Quartier zu schaffen.
Lenz geht davon aus, dass 2026 mit der Bebauung gestartet werden kann. Als Nächstes stehen nun Erschliessungsarbeiten an, und verschiedene Gebäude dürften schon bald dem Erdboden gleichgemacht werden.
Neuer Park in Stadthausnähe
Nicht für Wohnen, aber dennoch für einen angenehmen Aufenthalt ausgelegt werden soll die heutige grüne Wiese an der Binzackerstrasse. Mit einer Motion fordert die SP/AW-Fraktion, dass dort eine neue Parkanlage geplant wird. Grünflächen würden Lebensqualität bedeuten, meinte Daniela Oriet (SP). Mit dem Wachsen der Stadt werde auch der Bedarf nach solchen innerstädtischen Erholungsräumen grösser.
«Sie rennen mit der Motion bei uns offene Türen ein», meinte Planungsvorstand Lenz. Grundlagen für eine solche Anlage seien bereits vorhanden. So wurde erstmals 1994 ein Konzept ausgearbeitet. Über Jahre blieb es allerdings bei der Idee. Heute biete sich dort die Möglichkeit, dass nicht nur die in der Motion erwähnten Parzellen, die alle der Stadt gehörten, sondern auch noch weitere in die Überlegungen miteinbezogen werden könnten.
Das Riegelhaus auf der einen Parzelle befinde sich in schlechtem Zustand und müsse abgebrochen werden. Zudem, so hält der Stadtrat fest, habe die private Eigentümerschaft einer weiteren Parzelle bereits Interesse an einer gemeinsamen Entwicklung dieses Grundstücks mit dem städtischen Areal Binzfeld bekundet.
Für die ganze Planung rechnet die Stadt mit Kosten von 250'000 bis 350'000 Franken. 2028 könnte ein Bauprojekt ausgearbeitet und bereits ein Jahr später die neue Parkanlage realisiert werden.
Für die Begeisterung des Stadtrats kein Verständnis zeigte die SVP-Fraktion. «In wenigen Minuten ist man von dort am Pfäffikersee. Auch das Rosinli ist nahe», meinte Roman Auer. «Eine Parkanlage braucht es dort ganz sicher nicht.» Aus dem Rat wurde angeregt, die Motion doch in ein Postulat umzuwandeln. Das gebe bei der Umsetzung mehr Freiheit.
Davon wollte Motionärin Daniela Oriet allerdings nichts wissen. Ganz knapp, mit 18 gegen 17 Stimmen von SVP, FDP/EDU und einzelnen aus der Brücke-Fraktion, passierte der Vorstoss. Damit wird der Stadtrat nun das skizzierte Vorgehen in Angriff nehmen.
Etwas Hoffnung für farbigere Bushüsli
Kopfzerbrechen bereitet Stadtrat Heinrich Vettiger (SVP) das von der aus Mitte, EVP und GLP bestehenden Brücke-Fraktion eingereichte Postulat für kreative Bushüsli an der Bahnhofstrasse. «Obwohl es keine einfache Übung wird, haben wir das Postulat angenommen», meinte der Tiefbauvorstand.
Nach den Vorstellungen der Postulanten sollen die Bushaltestellen ästhetisch und ökologisch aufgewertet werden. Dazu gehören etwa eine Dachbegrünung, Bäume, ein künstlerischer Schmuck und vor allem auch Holzbänke. «Die Leute stören sich an den kalten Metallbänken», meinte Andrea Grossen-Aerni (EVP).


Vettiger senkte die Erwartungen. Die bestehenden Bushäuschen seien standardisiert. Eine Dachbegrünung sei beispielsweise ohne Zusatzaufwand nicht möglich. Aber wenn neue Haltestellen geplant würden, etwa vor der Migros, könnten die Überlegungen der Postulanten berücksichtigt werden.
Auch der Idee, einzelne Hüsli-Wände mit künstlerisch ausgestalteten Folien zu beziehen, kann der Tiefbauvorstand etwas abgewinnen. Von den Metallbänken möchte er aber nicht Abschied nehmen. Nur diese seien vor Vandalen sicher. 25 Parlamentarier möchten, dass die Hüsli-Ideen weiterverfolgt werden. Die SVP-Vertreter gehörten nicht dazu.
Dukaan hofft auf weiteren Kioskbetrieb
Auch der hinter der Bahnhofstrasse liegende Jörg-Schneider-Park hatte in den letzten Monaten eine Aufwertung erfahren. Von Juni bis Ende September lief eine Testphase mit einem Kiosk, den der Verein Dukaan betrieb. Nun wird ausgewertet, ob diese Einrichtung den erwarteten Zuspruch gefunden hat. «Wir hoffen auf ein positives Ergebnis», meinte Raphael Zarth (GP), damit dieser Kiosk ab nächstem Frühling weiterlaufen könne.
Der Verein Dukaan sei jedenfalls gewillt, «diesen Ort zum Wohlfühlen mit kultureller Vielfalt» weiterhin zu leiten. Wetzikon sei mit diesem Ort, an dem Respekt und Empathie gelebt würden, urbaner und lebendiger.
Wetziker werden über Windrad-Initiative abstimmen
Zu einem Schlagabtausch kam es im Wetziker Parlament am Montag in Sachen Windenergie. Wie in manchen anderen Gemeinden im Oberland hatte die SVP eine Initiative eingereicht, mit der ein Mindestabstand von Windrädern zu bewohnten Gebäuden gefordert wird. Im Fall von Wetzikon soll der Abstand mindestens 1000 Meter betragen. Damit wäre der Bau eines Windparks im Eignungsgebiet Schönwis wohl nicht möglich.
Das Parlament war einhellig der Meinung, dass die Initiative gültig ist und deshalb dem Volk zur Abstimmung unterbreitet werden soll. Mit 26 gegen 7 SVP-Stimmen sprach sich das Parlament aber ebenso dafür aus, dem Volk die Vorlage zur Ablehnung zu empfehlen. Die Windenergie könne dazu beitragen, im Energiebereich weniger vom Ausland abhängig zu sein, meinte etwa Sven Zollinger (FDP).