Wetziker erteilen neuen Tempo-30-Zonen eine Abfuhr
Deutliches Nein
Die flächendeckende Einführung von Tempo 30 in Wetzikon ist vom Tisch. Neue Zonen gibt es laut dem Stadtrat nur noch aus einem Grund.
In der Wetziker Politik gab es in den letzten Wochen nur ein Thema: Tempo 30. Plakate und Fahnen prägten das Stadtbild.
Doch es wird nichts mit den 21 geplanten Tempo-30-Zonen auf Wetziker Quartierstrassen. Das Volk lehnt das Vorhaben, welches mit Kosten von 887'400 Franken verbunden war, ab. Der Nein-Anteil beträgt 64 Prozent. Das entspricht 4457 Nein- zu 2463 Ja-Stimmen.
Das Parlament hatte die Vorlage im März noch knapp angenommen. Doch an der Urne war das Resultat deutlich. «Davon bin ich sehr überrascht», sagt der zuständige Stadtrat Heinrich Vettiger (SVP). Die Einführung von Tempo 30 in Quartieren ist nämlich seit 2012 im behördenverbindlichen kommunalen Richtplan festgeschrieben. «Und mit dieser Vorlage wollten wir das jetzt umsetzen.»
Der Stadtrat hielt die Zeit für reif: Denn es gab im Parlament und auch aus der Bevölkerung immer wieder Begehren, Tempo-30-Zonen einzuführen. «Aber das Volk will davon nichts wissen, und den demokratischen Entscheid müssen wir akzeptieren», betont Vettiger. Der Gesamtstadtrat bedauere den Entscheid.
«Schönes Resultat» oder «kurzsichtiger Entscheid»
Gross ist die Freude hingegen bei Parlamentsmitglied Sven Zollinger. Er ist Präsident der FDP Wetzikon. Seine Partei hatte sich zusammen mit der SVP und der EDU gegen das Vorhaben eingesetzt. «Es ist ein schönes Resultat», meint er, «und es zeigt, dass Wetzikon bürgerlich abstimmt.»
Er geht davon aus, dass die bestehenden Tempo-30-Zonen in Wetzikon der Nein-Seite geholfen haben. «Den das, was bereits umgesetzt wurde, ist wirklich nicht zufriedenstellend.»
«21 Zonen auf einmal sind zu viel des Guten» – der Kommentar zur Abstimmung.
Als Beispiel nennt er die Usterstrasse, wo es wegen des Rechtsvortritts immer wieder zu brenzligen Situationen kommt. «Wir wollen deshalb auch, dass der Stadtrat bei bereits geplanten Zonen infolge Lärmsanierung nochmals über die Bücher geht.»
Eine Schlappe ist das Resultat hingegen für das Ja-Komitee. Tempo 30 in Wohnquartieren unterstützen Die Mitte, GLP, SP, EVP, Grüne, AW sowie der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS). Die breite Abstützung half aber nicht viel.
In einer Mitteilung zeigt sich das Komitee enttäuscht, respektiert aber die demokratische Entscheidung. «Wir fühlen uns durch die beachtliche Unterstützung aus der Bevölkerung aber in unserer Überzeugung bestärkt, dass die Wohnquartiere dringend vom Verkehr entlastet werden müssen», lässt sich Raphael Zarth von der Grünen Partei zitieren.
Christoph Wachter von der SP appelliert deshalb an alle Parteien, realisierbare Lösungen zu finden. Für ihn ist klar: «In Anbetracht der Fragen, die in der Verkehrsplanung auf Wetzikon zukommen, ist das ein problematischer und sehr kurzsichtiger Entscheid.»
Nur noch für Lärmschutz
Für Stadtrat Heinrich Vettiger sind neue Tempo-30-Zonen in Wetzikon aber vorerst vom Tisch. «Wir müssen den Volksentscheid akzeptieren.» Und schliesslich sei es nicht das erste Mal, dass die Stimmbevölkerung zu Tempo 30 Nein gesagt habe.
«1992 gab es schon eine Abstimmung, und 2004 ebenfalls», erzählt er. Und auch heuer wollen die Wetzikerinnen und Wetziker nichts von einer flächendeckenden Temporeduktion wissen.
Einzig bei der Abstimmung zum kommunalen Richtplan gab es ein Ja. «Und das war an der Gemeindeversammlung», gibt der Stadtrat zu bedenken. «Nicht an der Urne.»
Neue Vorhaben zu Tempo 30 haben nun in Wetzikon einen schweren Stand. «Selbst wenn jetzt wieder Begehren aus den Quartieren kommen, werden wir sie ablehnen müssen», sagt Vettiger. «Das ist halt Demokratie.»
Eine Ausnahme gibt es: dort, wo die Stadt keinen Spielraum hat. «Wenn wir Tempo 30 wegen Lärmschutzregeln des Bunds einführen müssen, werden wir das natürlich auch weiterhin tun.»