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Gesellschaft

Wer zügelt, zahlt mehr

Umzug in Zürich: Bei einem Wohnungswechsel steigt fast immer die Miete.

Foto: Reto Oeschger

Wer zügelt, zahlt mehr

Mieten im Kanton Zürich

Wer schon eine Wohnung hat, mietet im Kanton Zürich deutlich günstiger, als wer neu eine sucht. In der Stadt Zürich ist dieser Mietgraben am grössten.

Umziehen lohnt sich nicht im Kanton Zürich. Es macht Mieterinnen und Mieter ärmer.

Zu diesem Schluss kommt das kantonale statistische Amt. Es hat untersucht, wie stark sich die Mieten von bewohnten und ausgeschriebenen Wohnungen unterscheiden. Die Daten der Auswertung stammen aus den Jahren 2016 bis 2020.

Allgemein gilt: Wer schon länger in einer Mietwohnung lebt, zahlt deutlich weniger, als wer eine Wohnung neu bezieht. Dieser Unterschied zwischen Bestandes- und Einzugsmieten verkleinert sich, je weiter weg von Zürich sich Wohnungen befinden.

In der Stadt Zürich kostete eine bewohnte Vierzimmerwohnung im Zeitraum von 2016 und 2020 durchschnittlich 2090 Franken. Für eine frisch bezogene Vierzimmerwohnung wurden 2440 Franken verlangt.

In den östlichen und nördlichen Gemeinden des Kantons zahlte man für eine vermietete Vierzimmerwohnung im Schnitt 1570, für eine neu vermietete 1660 Franken pro Monat. Bei diesen Zahlen handelt es sich um Nettomieten, meist kommen 10 bis 15 Prozent Nebenkosten hinzu.

Bei Mieterwechseln erhöhen Eigentümer oft den Preis ihrer Wohnungen. Das kann nach einer Renovation geschehen oder durch eine Anpassung an die gestiegenen Mieten in der Umgebung.

Dieser Effekt verstärkt sich dadurch, dass Haushalte, die zügeln, oft noch nicht sehr lange in ihrer Wohnung gelebt haben. Vor allem Menschen zwischen 20 und 40 Jahren würden mehrmals in relativ kurzem Zeitraum umziehen, sagt Studienautor Basil Schläpfer. Frei werdende Wohnungen kosten also auch deshalb mehr, weil sie zuvor für eine kürzere Dauer vermietet waren. Sie befinden sich zudem öfters in neueren Häusern.

Man bleibt lieber in unpassenden Wohnungen

Wegen dieses Unterschieds lohne sich Umziehen finanziell meistens nicht, sagt Basil Schläpfer. «Das Wohnen wird dadurch ziemlich sicher teurer.» Dies könnte Mietende von eigentlich sinnvollen Wohnungswechseln abhalten. «Es besteht die Gefahr, dass der Wohnraum nicht optimal ausgenutzt wird, weil wachsende Haushalte in zu kleinen und schrumpfende Haushalte in zu grossen Wohnungen bleiben.»

Die Untersuchung ergab auch, dass die Mieten zwischen gemeinnützigen Wohnungen und gewinnorientierten immer weiter auseinandergehen. Das liegt auch daran, dass Genossenschaften ihre Mieten viel weniger stark angehoben haben.

Die Resultate der kantonalen Untersuchung decken sich mit einer Analyse des Statistischen Amtes der Stadt Zürich. Dieses hat im letzten November seit langem wieder die Mieten von bewohnten Wohnungen erhoben.

Dabei tat sich der Graben zwischen Bestandes- und Neumieten noch deutlicher auf als bei der kantonalen Auswertung. Das liege daran, dass die Daten der Stadt aktueller sind, sagt Basil Schläpfer. «Die Lage auf dem Immobilienmarkt hat sich in den letzten zwei Jahren weiter verschärft.» Darauf weise der sinkende Anteil an leeren Wohnungen hin.

Beat Metzler

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