Wenn Krätze auftaucht: Warum alle mitziehen müssen
Was dahintersteckt
Grassiert die Krätze im Zürcher Oberland? In Gemeinschaftseinrichtungen tauchen Fälle gemäss dem für den Bezirk Hinwil zuständigen Bezirksarzt immer mal wieder auf. Warum konsequentes Handeln entscheidend ist.
Der für den Bezirk Hinwil verantwortliche Bezirksarzt Jan-Peter Jorisch kann Entwarnung geben: Aktuell handle es sich im Zürcher Oberland um vereinzelte Fälle, nicht um eine eigentliche Ausbreitung. «Scabies-Fälle treten immer wieder auf – besonders dort, wo Kinder engen Körperkontakt haben.»
Verschiedene Institutionen im Oberland wurden aktuell vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) mit Info-Material und Meldeblättern zu Scabies ausgerüstet. Im Volksmund wird diese ansteckende Hauterkrankung auch Krätze genannt. Krätzmilben sind Spinnentiere, die feine tunnelförmige Gänge in die Hornschicht der Haut graben und dort ihre Eier ablegen.
Die Meldeblätter kommen jedoch erst zum Einsatz, wenn Häufungen in Einrichtungen wie Kitas, Heimen, Schulen oder Asylzentren auftreten, denn grundsätzlich ist Scabies nicht meldepflichtig. Und demnach harmlos? «Harmlos im Sinne von ungefährlich ist die Erkrankung zwar, sie beeinträchtigt jedoch die Lebensqualität deutlich», stellt Jorisch fest. Der Facharzt für Allgemeine Innere Medizin praktiziert in der Wetziker Praxis Ärzteteam.
Das sind die Symptome
«Typisch ist ein starker Juckreiz, der kaum unbemerkt bleibt», sagt er. An der Haut zeigen sich kleine Pusteln, einzeln oder in Gruppen. «Manchmal kann man die oben beschriebenen Tunnelgänge mit blossem Auge sehen.» Die Tierchen fühlen sich offenbar besonders wohl an Körperstellen wie Zwischenfingerräumen, Handgelenken, Achseln, Brustwarzen, Ellenbogen, Leisten, in der Genitalregion und im Knöchelbereich, während Säuglinge und Kleinkinder auch am Kopf und im Gesicht betroffen sein können.
Wird stark gekratzt, können sich Hautstellen entzünden und – unbehandelt – sogar vereitern. «In unseren Breitengraden ist dies dank guter medizinischer Versorgung jedoch selten, langfristige Schäden treten in der Regel nicht auf.»

Nach einer Erstinfektion treten die ersten Symptome meist nach zwei bis sechs Wochen auf; bei erneuten Ansteckungen zeigen sie sich oft schon nach ein bis zwei Tagen. «Eine Immunität gibt es leider nicht – man kann sich immer wieder neu infizieren.»
Jan-Peter Jorisch zieht einen Vergleich zur Ansteckung mit Kopfläusen: «Niemand ist gefeit davor, egal, wie stark das eigene Immunsystem ist – es kann jede und jeden treffen.»
Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas, Schulen oder Horte sind prädestiniert für eine rasche Ausbreitung. Und weil Kinder die «lieben Tierchen» meist nach Hause bringen, können auch Erwachsene davon betroffen sein.
Mit mangelnder Hygiene hat die Erkrankung jedoch entgegen der landläufigen Meinung nichts zu tun. «Die Übertragung erfolgt durch engen Hautkontakt, nicht durch fehlende Sauberkeit», stellt Jorisch klar.
Konsequente Behandlung erforderlich
Die Behandlung gilt als wirksam, ist aber aufwendig – ein Grund mehr, dass die Lebensqualität durch die Ansteckung beeinträchtigt wird. Denn der ganze Körper muss an mehreren Tagen mit einer speziellen Creme – die auch in Apotheken erhältlich ist – behandelt werden. Bei Säuglingen und Kleinkindern wird dazu geraten, nach dem Eincremen medizinische Spezialkleidung anzuziehen.
Nach ein paar Tagen Pause folgt eine Wiederholung der Behandlung. Wird dies nicht konsequent oder exakt durchgeführt, kann die Therapie erfolglos sein. Entscheidend ist deshalb, dass in Gemeinschaftseinrichtungen immer alle Betroffenen gleichzeitig behandelt werden, um den Kreislauf zu durchbrechen. «Einzelne Befallene herauszunehmen, genügt nicht. Die restlichen Personen müssen auch behandelt werden, sonst kann sich auch eine genesene Person direkt wieder anstecken.»
Zudem bedarf es weiterer Hygienemassnahmen während und nach der Behandlung. So muss zum Beispiel die Kleidung und die Bettwäsche gewechselt werden. Stofftiere oder Spielsachen, die man nicht waschen kann, können mehrere Tage luftdicht verpackt oder tiefgekühlt werden: «Ohne menschlichen Wirt überleben die Krätzmilben nicht.»
Der Erfolg der Massnahmen steht und fällt mit der konsequenten Umsetzung und der Zusammenarbeit zwischen Eltern, Betreuungspersonen und Institutionen. Betroffenen Eltern rät Jan-Peter Jorisch, unbedingt die Lehr- oder Betreuungsperson zu informieren, damit entsprechende Massnahmen eingeleitet werden können.