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Gesellschaft

Wenn die Kläranlage das Zentrum heizen soll

Am 15. Mai stimmt Rüti an der Urne über einen Fernwärmeverbund im Zentrum ab. Und stellt damit die Weichen für die energiepolitische Zukunft.

Eine neue Energiequelle für Rütis Zentrum: die lokale Kläranlage.

Archivfoto: Seraina Boner

Wenn die Kläranlage das Zentrum heizen soll

Klimawandel, begrenzte fossile Ressourcen, steigende Preise – die Themen wie Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit gehören inzwischen zu den grössten Sorgen von Herrn und Frau Schweizer. Auch deshalb haben die Zürcher Stimmberechtigten Ende November der Revision des Energiegesetzes zugestimmt. Dieses besagt: Neue Heizungen müssen klimaneutral sein.

Die Vorlage, über die die Rütnerinnen und Rütner am Sonntag 15. Mai an der Urne abstimmen, passt da gut ins Bild: Mit einem Kredit über knapp 15 Millionen Franken soll ein Fernwärmenetz erstellt werden, das das Rütner Zentrum dereinst mit Heizenergie versorgen soll.

Das Prinzip – wie eine Zentralheizung

Nun sind solche Heizverbände alles andere als neu. Inzwischen gibt es in der Schweiz mehr als 1000 Fernwärmenetze, kleinere und grössere, allein im Kanton Zürich sind es derzeit 102. Die meisten von ihnen beziehen ihre Energie aus einem Holzschnitzelofen.

Das Prinzip entspricht jenem einer grossen Zentralheizung, das verschiedene Objekte versorgt. Der grosse Vorteil ist, dass auf diesem Weg Wärme aus verschiedensten Quellen gemischt und verteilt werden kann. Das gilt insbesondere auch für Abwärme aus alltäglichen Prozessen, die sonst verloren ginge.

Oder noch konkreter: Wärme, die bereits existiert und die man emissionslos zum Heizen verwenden kann – wie etwa jene der Kehrichtverbrennungsanlage in Hinwil, mit deren möglichen Nutzung sich die Stadt Wetzikon derzeit befasst.

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Ein Grossteil der Wetziker sagte vor anderthalb Jahren Ja zum Gegenvorschlag der «Fernwärme-Initi Beitrag in Merkliste speichern Das geplante Netz in Rüti, über dessen Errichtung die Bevölkerung am 15. Mai abstimmt, will die Wärme des Abwassers nutzen. Das von den Gemeindewerken betriebene System wäre das elfte seiner Art im Kanton und darauf ausgelegt, 150 Liegenschaften im Zentrum von Rüti zu versorgen – darunter auch 14 öffentliche Gebäude, und grössere Wohn- und Gewerbebauten.

Das System ­– von der ARA bis ins Wohnzimmer

Der Ausgangspunkt des Systems liegt in der lokalen Abwasserreinigungsanlage (1). Die dem gereinigten Abwasser entzogene Wärme fliesst über eine Transportleitung via der Schulanlage Widacher/Lindenberg (2) gegen Norden. Hier wird ein erstes Mal Wärme zum Heizen entzogen.

Eine Karte des geplanten Fernwärmeverbundes in Rüti

Zwei weitere Energiequellen sind das Krematorium (4), bei dem Abwärme aus dem Betrieb der Kühlräume abgezogen wird, und die Holzschnitzelheizung des Alterszentrums Breitenhof (5). Alle Wärmeströme kommen im sogenannten Energy-Hub (3) zusammen, dem Dreh und Angelpunkt des Gesamtsystems.

Von dort aus fliesst die Wärme in die Energiezentrale auf dem Werkhofareal (6). In dieser sind drei Wärmepumpen aktiv, die das Wasser auf das benötigte Niveau erhitzen. Überdies soll mit der Errichtung eines Gaskessels die Möglichkeit geschaffen werden, bei besonders kaltem Wetter nachzuhelfen – das einzige Element des Systems, das nicht emissionsfrei ist.

Anschliessend strömt das 70 bis 80 Grad heisse Wasser über ein feines Verteilnetz, quasi die Kapillaren, in die angeschlossenen Liegenschaften, die in einer kleinen Wärmeübergabestation ihre Wärme für das bestehende Heizsystem abgeben.

Die Preise ­– in der Mitte

Gratis ist der als «Rundum-Sorglos-Paket» angepriesene Heizdienst freilich nicht. Die Kundschaft bezahlt zuerst einmalig für den Anschluss, wobei sie bei einem Wechsel von einer Öl-, Gas- oder Elektroheizung noch mit substantiellen Fördergeldern des Kantons rechnen kann.

Weiter wird jährlich ein Leistungspreis für den Betrieb, Unterhalt und die Wartung des Netzes fällig. Dessen Höhe richtet sich nach der Grösse der Heizung. Und zu guter Letzt gilt es auch noch den Arbeitspreis für die effektive bezogene Energiemenge zu bezahlen.

Ein Kostenvergleich anhand eines Mehrfamilienhauses.

So ergibt sich ein Gesamtjahrespreis, der im Vergleich mit den anderen Heizmöglichkeiten aktuell etwa in der Mitte der Kostenspanne zu liegen kommt. Wobei es unter anderem anzumerken gilt, dass insbesondere bei Öl-, Gas- oder Pellets-Lösungen die vom Marktpreis abhängigen Energiekosten einen weit höheren Anteil des Preises ausmachen.

Die Nachhaltig- und Wirtschaftlichkeit – Gut Ding will Weile haben

Bezüglich Nachhaltigkeit dürfte der Effekt gemäss den von der Gemeinde im beleuchtenden Bericht angeführten Berechnungen substantiell sein. Da die Abwärme aus dem Abwasser, dem Krematorium und der Holzschnitzelheizung gut 80 Prozent des Bedarfs deckt, können bei voller Auslastung die CO2-Emissionen um 2’100 Tonnen pro Jahr reduziert werden. Das entspricht dem Wert, den 350 mit Öl beheizte Einfamilienhäuser gemeinsam jährlich ausstossen.

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Weil der Löwenanteil der Investitionen wegen der hohen Realisierungskosten bereits in den ersten Jahren anfallen und die Anschlüsse nur kontinuierlich ansteigen werden, wird es bis zur Amortisation rund 25 Jahre dauern.

Die Ziele – ab 2050 ohne Gas

Tatsächlich hat sich der Gemeinderat grosse Ziele gesetzt. Im Januar hat er beschlossen, sowohl das 2014 erstellte Energiekonzept als auch den 2018 in Kraft gesetzten Energieplan zu überarbeiten, um den Herausforderungen des sich akzentuierenden Klimawandels zu begegnen. Unabhängig davon hat er bereits 2019 eine Gasstrategie festgesetzt, die vorsieht, bis 2050 aus der fossilen Gasversorgung auszusteigen.

Insofern sind die 15 Millionen für den Energieverbund Rüti Zentrum erst der Anfang. Im Energieplan sind weitere Versorgungsgebiete vorgesehen. Ein Holzwärmeverbund im Nordwesten rund um die Sekundarschule befindet sich bereits in der Planungsphase, bald sollte ein Vorprojekt vorliegen. Als potentiell gewichtige Abnehmerin hat die Gärtnerei Meier in Tann ihr Interesse angemeldet.

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