Wenn der Routinier trotzdem der Neuling ist
Nachdem sie 2021 nur zwei Teilstücke aufwies, besteht die am Samstag beginnende Tour de Suisse der Frauen aus vier Etappen. An der ausgebauten Rundfahrt nehmen erneut drei Fahrerinnen aus dem Oberland teil.
Die in Hinwil lebende Namibierin Vera Looser, die Eggerin Lara Krähemann sowie Annika Liehner aus Ottikon bei Gossau.
Auf die Fahrerinnen wartet ein abwechslungsreiches Programm. Zum Auftakt absolvieren sie zehnmal einen 4,6 km langen Rundkurs in Vaduz. Tags darauf folgt ein 26 km langes Zeitfahren, wiederum mit Start und Ziel in der liechtensteinischen Hauptstadt. Die dritte Etappe führt nach Chur.
Die Schlussetappe ist mit 100 km zwar relativ kurz. Auf dem Weg von Chur über Davos zum Ziel in Lantsch/Lenz müssen die Fahrerinnen aber über 2000 Höhenmeter bewältigen.
Vera Looser, Hinwil, 28
Vera Looser feiert ihre Premiere an der Tour de Suisse. Sie ist die mit Abstand erfahrenste Fahrerin des Oberländer Trios. Nicht nur vom Alter her. Die 28-jährige Afrikanerin bestritt auch zweimal die Strassenrennen an Olympischen Spielen – 2021 in Tokio und fünf Jahre vorher in Rio. Eigentlich schlägt Loosers Herz aber fürs Mountainbike. Die ersten Monate des Jahres fuhr die Ehefrau von Marathonbikeprofi Konny Looser viele Rennen im Gelände.
Seit Anfang April ist sie nun für das Strassenteam des ehemaligen luxemburgischen Profis Andy Schleck unterwegs, der in seinem Palmares den Tour-de-France-Sieg 2010 aufweisen kann. Im Vorfeld der Tour de Suisse bestritt Looser drei Rennen in Belgien. Sie sehe bei jedem Einsatz etwas mehr von der Spitze, scherzte die Wahl-Hinwilerin danach. Und sagte mit Blick voraus: «Die nächste Chance kommt an der Tour de Suisse.»
Lara Krähemann, Egg, 22
Allzu viele internationale Rennkilometer hat Lara Krähemann nicht in den Beinen. Im Frühling konzentrierte sie sich auf die Ausbildung. Die Oberländerin lernte für die Aufnahmeprüfungen an die Pädagogische Hochschule und sagt: «Ich stehe am Abzweiger.» Die Frage, die sie umtreibt: Soll sie voll auf den Sport setzen oder studieren? Vielleicht geben ihr die Leistungen an der Tour de Suisse einen Fingerzeig.
«Alles oder nichts», lautet Krähemanns Credo, die zeigen möchte, «dass ich zu den schnellsten Schweizer Frauen gehöre.» Platz 31 belegte die 22-Jährige letztes Jahr bei der Tour-Premiere im Gesamtklassement. «Es lief mir super gut.» Krähemann ergatterte sich dadurch einen Vertrag beim Continental-Team Born To Win. Bei den Italienern ist Krähemann weiterhin engagiert, die Tour de Suisse bestreitet sie hingegen mit dem BeCycling-Regionalteam. Dieses besteht im Kern aus U23-Nationalkader-Athletinnen.
Annika Liehner, Ottikon, 19
Annika Liehner ist «ein wenig aufgeregt», vor allem aber freut sie sich auf die Tour de Suisse. Ihr Plan fürs Rennen ist simpel: «Wenn ich mit viel Spass fahre, kommt es gut.» Liehner bestreitet die Rundfahrt wie Lara Krähemann mit dem BeCycling-Regionalteam. Die Ottikerin ist erst 19, damit die jüngste Fahrerin in der Equipe und dennoch schon zum zweiten Mal an der Tour de Suisse der Frauen dabei. Letztes Jahr beendete sie das Rennen im Gesamtklassement auf Platz 49.
Im Mai hat die für den VC Morteau-Montbenoit (FRA) fahrende Liehner erstmals überhaupt eine längere Rundfahrt absolviert. Ihre Bilanz fällt positiv aus. Für die vier Etappen ab Samstag ist sie gerüstet. Und ohne Druck. Ihre nahe Zukunft sieht vielversprechend aus. Ab August kann Liehner als Stagiaire für das französische Continental-Team Stade Rochelais Charente Maritime antreten.