Wirtschaft

Wenn aus leeren Seiten eine Zeitung entsteht

Ein fertiger Text macht noch lange keine Zeitung. Wir zeigen, was für das Layout einer Zeitungsseite alles nötig ist.

Wie sollen die Geschichten gewichtet werden? In einem ersten Schritt werden die Gefässe für die Artikel aufgezogen.

Screenshot: Eva Kamber

Wenn aus leeren Seiten eine Zeitung entsteht

Hinter den Schlagzeilen – Teil 2

Was braucht es, damit ein fertiger Text zu einem Zeitungsartikel wird? Wir haben der stellvertretenden Produktionsleiterin bei ihrer Arbeit über die Schultern geschaut.

Ab dem Moment, wo ihr Artikel fertig und zur Veröffentlichung bereit ist, geben die Redaktorinnen und Redaktoren das Zepter aus der Hand. Ab hier übernehmen die Kolleginnen und Kollegen vom Plattformmanagement und von der Zeitungsproduktion.

Während für die Onlinepublikation auf zueriost.ch nur noch ein paar Klicks nötig sind, fängt die Arbeit für die Printversion erst jetzt richtig an. An aller Anfang steht dabei die Planung der Zeitungsausgabe. Bei einer Tageszeitung wie dem «Zürcher Oberländer» geschieht das – wie der Name schon sagt – täglich.

Bereits am Vorabend vom Produktionstag macht sich der zuständige Produzent oder die Produzentin Gedanken darüber, wie die Zeitung bestückt werden soll und wie die Artikel gewichtet sein sollen. So entsteht ein erster Plan, damit am folgenden Morgen der Seitenumfang feststeht.

Zurück zum Anfang

Und trotzdem kann tagsüber wieder alles anders kommen. Verändert sich die Nachrichtenlage, so verändert sich auch die Zeitung. «Eine topaktuelle Geschichte kann alles über den Haufen werfen», erklärt die stellvertretende Produktionsleiterin Eva Kamber. Dann gilt es zu entscheiden, welche Artikel im Plan drinbleiben und welche auf eine spätere Ausgabe verschoben werden müssen.

«Wichtig ist dabei die Mischung», betont Kamber. «Es braucht ‹newsig› Relevantes, Unterhaltung, aber auch bildlastigen Stoff.» Themen wie Wirtschaft und Politik sollten sich die Waage halten mit Gesellschaft, Sport und Kultur.

Ab dem frühen Nachmittag steht schliesslich die Gestaltung der Zeitung an. Diese Arbeit geschieht im Programm Adobe InDesign.

Man sieht eine InDesign-Seite, die sich in eine Zeitungsseite verwandelt.
Am Anfang ist alles noch leer. Schwer vorzustellen, dass daraus eine Zeitungsseite werden soll.

Auf einer leeren weissen Seite zieht die Produzentin in einem ersten Schritt ein Gefäss auf, in das sie später den fertigen Text importiert, und definiert dabei dessen ungefähre Grösse. Dabei rechnet sie allfällige Bilder, Info-Boxen, Grafiken oder Fussnoten mit ein.

«Ich schaue mir einen Onlineartikel mit all seinen Elementen an und entscheide dann, wie viel Platz ich ihm geben will», sagt Kamber. Für sie ein wichtiger Faktor: das Bildmaterial. Sind die Fotos gut, kann aus einem kurzen Text ein grosser Zeitungsartikel entstehen. Dabei steht sie oft vor der Qual der Wahl: «Hat man 20 gute Fotos, packt man sie online einfach alle in eine Bildergalerie. Für die Zeitung muss ich mich auf zwei oder drei beschränken.»

Zudem schränkt das vorhandene Material manchmal die Gestaltungsmöglichkeiten ein. Stehen der Produzentin nur hochformatige Fotos zur Verfügung, muss sie damit arbeiten – auch wenn sie vom gewählten Layout her lieber ein querformatiges verwendet hätte.

Wie Tetris spielen

Hingegen schätzt Kamber die Freiheiten, die die Zeitung gegenüber der Onlineversion mit sich bringt – besonders bei der Titelsetzung. Sie muss nicht schon so viel verraten, dass die Leserschaft das genaue Thema des Artikels kennt und zum Weiterscrollen animiert ist.

Dass auf der Seite alles auf einmal sichtbar ist, ermöglicht ihr kreativere Ansätze. «Die Elemente können zusammenspielen», sagt Kamber. «So kann ich im Titel etwas andeuten und es im Lead dann weiter erklären.»

Steht der erste Artikel auf der Seite, folgt die eigentliche Herausforderung: den restlichen Platz so mit anderen Artikeln füllen, damit es aufgeht. Weisse «Löcher» dürfen genauso wenig sein wie ein abgeschnittener Text. Das ist fast wie Tetris spielen – nur, dass man am Ende nicht verloren hat, wenn die Elemente nicht aufeinanderpassen.

Man sieht eine InDesign-Seite, die sich in eine Zeitungsseite verwandelt.
Eigentlich wäre der untere Artikel fertig gelayoutet, aber der obere ist für das Gefäss zu lang. Also folgt das «Tetris spielen».

Denn die Produzentin justiert bei jedem Artikel so lange nach, bis alles stimmt: Ist ein Text zu lang, verkleinert sie die Bilder, hat es irgendwo ein «Loch», versucht sie es mit mehr Zwischentiteln oder einem hervorgehobenen Zitat. Hat das geklappt, ist die erste Zeitungsseite fertig, und Eva Kamber kann die nächste in Angriff nehmen.

Man sieht eine InDesign-Seite, die sich in eine Zeitungsseite verwandelt.
Geschafft! Mit etwas Nachjustierung geht es vom Platz her schliesslich auf.

In unserer fünfteiligen Serie «Hinter den Schlagzeilen» stellen wir Ihnen den Weg eines Artikels in die gedruckte Zeitung im Briefkasten vor.

Teil 1: Der Artikel, erschien am 18. Juli.
Teil 3: Die Technik, erscheint am 2. August.
Teil 4: Der Druck, erscheint am 8. August.
Teil 5: Die Verteilung, erscheint am 15. August.

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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