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Gesellschaft

Panoramaloipe Gibswil

Wenn andere noch schlafen, präpariert er die Gibswiler Langlaufpiste

Winterzeit ist Langlaufzeit. Doch wer hält den Schnee in Form? Am frühen Morgen zeigt Ruedi Vontobel, wie er die Panoramaloipe in Gibswil präpariert.

Seit 38 Jahren präpariert Ruedi Vontobel die Loipen in Gibswil.

Foto: Simon Grässle

Wenn andere noch schlafen, präpariert er die Gibswiler Langlaufpiste

Arbeiten im Dunkeln

Winterzeit ist Langlaufzeit. Doch wer hält den Schnee in Form? Am frühen Morgen zeigt Ruedi Vontobel, wie er die Panoramaloipe in Gibswil vorbereitet.

Es ist noch stockdunkel, als der Pistenbully aus der Fahrzeughalle fährt. Die roten Ziffern der Digitaluhr in der rechten Ecke des Garagentors zeigen 4.35 Uhr.

«Das Präparieren der Loipe beginnt mit der ersten Schneeflocke, nicht mit der letzten», sagt Ruedi Vontobel. Der Betreiber der Panoramaloipe in Gibswil hat auf dem Sitz des bereits warmen Pistenfahrzeugs Platz genommen.

Mit einem leichten Ruck setzt sich die Maschine in Bewegung, gleitet unter dem Vordach hervor, lässt die Halle zurück und fährt hinaus. Es herrscht klirrende Kälte, während feine Schneeflocken lautlos vom Himmel fallen.

Baum gefällt und eingenickt

«Gegen sieben Uhr werden die ersten Wintersportler eintreffen», sagt Vontobel. Mindestens eine Stunde brauche der frisch präparierte Schnee, um sich zu verfestigen, erklärt der 65-Jährige seinen frühen Arbeitsbeginn. «Erst dann sind die Spur- und die Skatingpiste bereit für die ersten Langläuferinnen und Langläufer.»

Viele von ihnen kennt Vontobel persönlich. «Nur ihre Namen vergesse ich manchmal», sagt er schmunzelnd. Die Stammkundinnen und -kunden finanzieren den Betrieb grösstenteils. Dafür ist er ihnen dankbar, und sie sind es ihm. «Wenn du viele Komplimente erhalten willst, dann präpariere eine Loipe», sagt er und lacht.

Für den Loipenmacher gibt es aber nicht nur Lob. «Manchmal kommen auch nicht ganz ernst gemeinte, kritische Kommentare.» Wenn er zum Beispiel gleich mehrere Loipen spuren muss, kann das leicht vier Stunden in Anspruch nehmen. Da passiere es schon mal, dass er kurz wegdöse, sagt er mit einem Augenzwinkern. «Dann zieht sich die Spur hinter mir nicht immer schnurgerade durchs Gelände, sondern schlängelt sich manchmal ein wenig.»

Trotz der humorvollen Erzählung ist klar: Vontobels Job ist kein Zuckerschlecken. Es ist ein ständiger Balanceakt zwischen den Wetterbedingungen, der Technik und natürlich dem Element Schnee.

«Einmal bin ich im Wald auf einer eisigen Stelle rückwärts abgerutscht», erzählt er. «Da musste ich zu Fuss nach Hause laufen und die Motorsäge holen, um den Baum hinter dem Fahrzeug zu fällen, bevor ich weiterfahren konnte.»

Vontobels Spezialität

Doch nicht nur enge Waldpassagen machen ihm zu schaffen. Besonders heikel wird es, wenn nur wenig Schnee liegt und er zusätzlich frisches Weiss von der Wiese auf das Trassee pflügen muss.

«Wenn darin auch nur ein bisschen Dreck steckt, wird es richtig problematisch», erklärt er. Der Dreck bleibe die ganze Saison über sichtbar, man bekomme ihn kaum mehr weg. «Und dort, wo der Schmutz haftet, taut die Schneedecke auch deutlich schneller ab.»

Repo Schneepräparation Loipe Gibswil in Wald
Heute hat Ruedi Vontobel keinen Dreck aufgegabelt.

Und genau das will Ruedi Vontobel verhindern. Seine Spezialität ist es, vor allem die Nachtloipe lange zu erhalten. «Wenn man sonst in der Region nirgendwo mehr langlaufen kann, geht es auf der Nachtloipe der Panoramaloipe oftmals noch», sagt er nicht ohne Stolz. Selbst dann, wenn die Wiese rundherum schon zum Vorschein komme.

Sein angestrebtes Ziel in dieser Saison: 60 Öffnungstage. 39 sind bereits geschafft.

Sein Anspruch, die Loipe möglichst lange befahrbar zu halten, wird durch seine jahrelange Erfahrung gestützt. Vontobel ist seit 38 Jahren als Loipenpräparator tätig – und in seiner Jugend hat er noch erlebt, dass nur mit den Langlaufskiern gespurt wurde, bevor 1976 das erste Pistenfahrzeug von der Panoramaloipe gekauft wurde.

Darum weiss er auch, dass es zunehmend schwieriger wird, eine lange Saison zu sichern. «Früher gab es natürlich auch schlechte Winter», sagt er, «aber in den letzten Jahren sind sie häufiger geworden.»

«Optimal wäre ein halber Meter Schnee», meint der pensionierte Landwirt. Dann könne er die Loipe perfekt spuren, ohne ständig darauf achten zu müssen, dass er das mühsam aufgebaute Schneeband wieder zerstöre. Wie heute bei gerade einmal zehn Zentimetern Schnee und einem Zentimeter Neuschnee.

800 Stunden Arbeit

Hinter jeder sorgfältig gespurten Loipe stecken unzählige Stunden Arbeit. Ruedi Vontobel arbeitet teils bis zu 800 Stunden pro Saison. 30 Franken Entschädigung erhält er pro Stunde. Doch seine Arbeit wird nicht nur finanziell oder durch Komplimente gewürdigt – sondern manchmal auch durch besondere Momente in der Natur. Zum Beispiel, wenn er einen Fuchs oder einen Dachs zu sehen bekommt.

Kein Wunder also, dass er sagt: «Ich werde so lange weitermachen, wie es geht.» Nachfolger habe er zwar, doch diese spurten mit dem zweiten Pistenfahrzeug vor allem die klassische Panoramaloipe und die Rietliloipe zwischen Gibswil und Fischenthal.

Repo Schneepräparation Loipe Gibswil in Wald
Für Ruedi Vontobel ist das Ende seiner Karriere als Pistenpräparator noch lange nicht in Sicht.

Vontobel kennt jede Spur, jeden Baum und jede Kurve seiner Loipen wie seine Westentasche. So routiniert er auch ist, bei dichtem Nebel oder starkem Schneefall kann aber selbst er mal die Orientierung verlieren. «Ein GPS-Gerät habe ich seit diesem Jahr im Fahrzeug installiert.»

Aber fertig gefachsimpelt. Er gibt noch einmal Gas und dreht mit dem Bully die letzte Runde, bevor er sich seinen ersten Kaffee an diesem Tag in der Pano-Nordic-Hütte gönnt.

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