Gesundheit

Feuerwehr übt in Dübendorf

Was, wenn es in einem Hochhaus brennt?

Die Hochhäuser in Dübendorf sind für die Feuerwehr im Brandfall eine Herausforderung. Deshalb üben sie, um im Ernstfall durch die vielen Stockwerke navigieren zu können.

Die Feuerwehr Dübendorf Wangen-Brüttisellen übt in einem Hochhaus.

Foto: Fiorella Koch

Was, wenn es in einem Hochhaus brennt?

Die Hochhäuser in Dübendorf sind für die Feuerwehr bei einem Brand eine Herausforderung. Deshalb übt sie, um im Ernstfall durch die vielen Stockwerke navigieren zu können.

Hochhäuser sind in ihrer Bauweise nicht nur durch ihre Höhe einzigartig, sondern auch durch den verbauten Brandschutz. Dessen Herzstück ist der Feuerwehrlift, der in solchen Gebäuden ab 30 Metern Höhe vorgeschrieben ist.

In so einem übte letzte Woche eine Mannschaft der Feuerwehr Dübendorf-Wangen-Brüttisellen die Abläufe, allerdings ohne inszenierten Notfall. In Kleingruppen, ausgerüstet mit Schläuchen oder Rettungssägen, laufen die Feuerwehrleute in einem Dübendorfer Hochhaus im Gebiet Hochbord herum. Der Eigentümer möchte nicht, dass dieses genauer bezeichnet wird.

Ein Lift wie in James-Bond-Filmen

Eine Gruppe steht vor dem Feuerwehrlift, der ganz unauffällig im Erdgeschoss neben den anderen drei Personenaufzügen eingerichtet ist. Für die Bewohner ist er nicht zugänglich. Gemeinsam fahren die Feuerwehrleute rauf und runter, um die Bedienung des Lifts zu üben.

«Die wichtigste Regel: Man fährt immer in den Stock unter dem Brand», sagt Ausbildungschef David Langbauer, der mit Kommandant Andreas Fritschi die Übung begleitet. So soll verhindert werden, dass die Einsatzkräfte nach der Türöffnung direkt mit Flammen oder Rauch konfrontiert sind.

Die Lichtschranke des Lifts, der nur mit einem speziellen Schlüssel zugänglich ist, ist aus genau diesem Grund deaktiviert. «Sonst könnte Rauch die Türschliessung verhindern und so den Lift blockieren», erklärt Langbauer weiter.

Ein Teil der Gruppe befindet sich im Lift, ein Teil beim Liftzugang im Erdgeschoss. Das wäre auch bei einem Notfall so, denn der Lift hat eine Gegensprechanlage. «Es kann sein, dass die Funkverbindung über grosse Distanzen, in diesem Fall viele Stockwerke, abbricht», so Fritschi. Mit der Anlage wird die Kommunikation sichergestellt. «Hört ihr mich?», fragt eine Feuerwehrfrau im Aufzug. «Ja», tönt es blechern zurück.

Zwei Feuerwehrleute vor dem Lift.
Zwei Feuerwehrleute halten durch die Gegensprechanlage Kontakt zur Gruppe im Lift.

Im Einsatz wird ein «Liftboy» oder ein «Liftgirl» definiert. Die einzige Aufgabe dieser Person ist es, den Lift zu bedienen. Der Ausbildner gibt dem designierten Liftgirl die Anweisung, in den fünften Stock zu fahren, weil es dort «brennt». «Also den vierten?» fragt sie nach. Sie hat die wichtigste Regel schon verinnerlicht.

In der Etage angekommen, drückt sie auf den Öffnungsknopf. Nur ganz kurz, um zu sehen, ob es im Stock Rauch hat. Erst dann öffnet sie die Tür ganz. Schliessen tut sie sich auch erst wieder, als das Liftgirl den Knopf drückt. Ein wichtiges Detail für die Sicherheit der Feuerwehrleute.

«Falls der Lift stecken bleiben sollte, macht ihr es wie James Bond», sagt der Ausbildner und zeigt an die Decke des Lifts. Dort befindet sich eine Klappe, die im Notfall als Ausstieg dient. Auch diese Konstruktion sei normalerweise nur in Feuerwehrliften vorhanden. «Anders, als die Hollywood-Filme es glauben machen wollen.»

Der Brandschutz funktioniert vollautomatisch

Ähnlich funktional – aber fernab jeder Filmromantik – ist die gesamte Brandschutztechnik im Gebäude. Gesteuert wird sie von einer Brandmeldeanlage im Erdgeschoss, einem unscheinbaren grauen Kasten in einer Ecke.

Blick auf die Brandmeldeanlage.
Dieses Kontrollzentrum im Erdgeschoss des Hochhauses organisiert verschiedene Brandschutzmassnahmen.

Aber das Aussehen täuscht: Registriert die Anlage (die auch bei einem Stromausfall funktioniert) durch die zahlreichen Rauchmelder im Hochhaus einen Brand, wird die Feuerwehr alarmiert, alle Personenlifte werden deaktiviert, die Sprinkler in der Tiefgarage (falls es dort brennt) in Gang gesetzt und die Brandschutztüren geschlossen. «Das passiert alles automatisch und vor dem Eintreffen der Feuerwehr», sagt Andreas Fritschi.

Weiter wird im Liftschacht und im Treppenhaus die Rauchdruckanlage aktiviert. Sie schafft einen Überdruck, um diese Fläche zu entrauchen. «Das ermöglicht einen rauchfreien Angriffsweg für die Einsatzkräfte und die Evakuierung der Bewohner über die Treppe», erklärt Langbauer.

Was nicht von der Brandmeldeanlage kontrolliert wird, für die Feuerwehr aber genauso wichtig ist, sind die Innenhydranten, an die in jedem Stock ein Löschschlauch angeschlossen werden kann. «Die Hydranten sind in einem Hochhaus mit einem Druckverstärker ausgestattet, denn der Wasserdruck nimmt in der Höhe natürlich ab.» Auch der In-Haus-Funk wirkt dem Problem der Höhe entgegen. «Es kann nämlich sein, dass unsere Funkgeräte nicht im ganzen Gebäude eine Verbindung haben.»

Blick auf einen Hydranten in der Wand.
Einer dieser Hydranten ist in jedem Stockwerk des Hochhauses versteckt.

All diese Technik erleichtert die Aufgaben der Feuerwehr erheblich. Die automatischen Brandschutztüren und die strengen Bauvorgaben würden zudem verhindern, dass das Feuer von einer Wohnung auf die andere übergreifen könne, erklärt Langbauer. Fritschis Fazit zur Brandbekämpfung in einem solchen Gebäude: «Durch den Feuerwehrlift ist das Löschen in einem Hochhaus sogar fast einfacher. Denn in kleineren mehrstöckigen Gebäuden ohne Lift müssen wir viele Treppen laufen.»

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