Was ist bloss mit Gossau los?
Vor dem FC Gossau fürchtet sich keiner mehr. Der Zweitligist feierte in Stäfa zwar den ersten Sieg seit Langem. Dennoch dümpelt er im unteren Mittelfeld herum, hinter den Lokalrivalen Greifensee und Brüttisellen.
Ob der FC Gossau mit dem 3:1-Erfolg in Stäfa die Wende zum Guten eingeläutet hat, vermochte Andreas Häsler nicht zu sagen. Aber dass seine Mannschaft die von ihm stets geforderte Moral gezeigt und den bis dahin zu Hause ungeschlagenen Gegner trotz Rückstand zur Pause in die Knie gezwungen hatte, stimmt den FCG-Coach wieder zuversichtlich.
Eine Woche zuvor hatte es noch anders geklungen. Fast hatte es geschienen, als würde Häsler seinen Schützlingen übelnehmen, was sie ihm gerade angetan hatten. Zum ersten Mal überhaupt in seiner bald zehnjährigen Karriere als Trainer hatte der Coach des FC Gossau drei Partien hintereinander verloren – notabene, nachdem der FCG zweimal einen Zwei-Tore-Vorsprung leichtfertig vergeben hatte.
«Wir geben das typische Bild einer Mannschaft ab, der es nicht läuft», sagte der Trainer damals. Das Team sei nach den vielen Niederlagen verunsichert, und selbst Spieler, auf die man sich in der Regel verlassen könne, begingen ungewohnte Fehler.
In Abstiegsgefahr ist der Zweitligist spätestens nach dem jüngsten Erfolg zwar nicht mehr, zumal aus der Gruppe aller Wahrscheinlichkeit nach nur die beiden abgeschlagenen Mannschaften absteigen werden. Aber das Minimalziel, einen Rang in den Top 6, das Häsler nach der bereits nur mässigen Vorrunde herausgegeben hatte, ist für die Gossauer nach wie vor in weiter Ferne.
Ein Kopfproblem
Was ist denn bloss los mit dem FCG, der in den letzten Jahren so konstant unterwegs war und unter der Ägide Häslers keine Saison schlechter als auf dem 5. Platz beendet hat? Dass die Erwartungen einiger Experten, die Gossau nach dem 3. Rang im Vorjahr heuer sogar den Aufstieg zugetraut hatten, überrissen gewesen seien, hat der Coach schon mehrfach betont. Aber dass sein Team nun mit satten 20 Punkten Rückstand auf Leader Veltheim im unteren Mittelfeld rumdümpelt, gibt ihm sehr wohl zu denken.
Seit dem Erfolg gegen den Drittletzten Embrach habe sich in den Köpfen seiner Spieler wohl die Auffassung verfestigt, dass es nicht mehr um allzu viel gehe, vermutet Häsler. «Und deshalb liessen sie den allerletzten Biss vermissen.» Dazu komme, dass einige Akteure in einem Alter seien, in dem man nicht mehr bereit sei, in jedem Training bis zur Grenze zu gehen; das habe er am Ende seiner Spielerkarriere am eigenen Leibe erfahren.
Anderen wiederum fehlt in der Vorbereitung auf die Spiele die nötige Disziplin. All das führe dazu, dass die Gossauer nicht wie in der Vergangenheit den meisten ihrer Kontrahenten physisch überlegen seien, sondern bestenfalls noch ebenbürtig.
Ständige Umstellungen
Dazu gesellt sich reichlich Verletzungspech. Die Offensive bereitet zwar trotz dem Fehlen von Mario Limata kaum Sorgen, auch wenn die Last auf sehr wenige Schultern verteilt ist – Topscorer Riley Christen hat ziemlich genau die Hälfte aller Gossauer Tore erzielt.
Für Kopfzerbrechen bei Häsler sorgt aber die Situation in der Verteidigung; insbesondere der Ausfall von Abwehrchef Alessio Perot wiegt schwer. Seine und weitere Absenzen haben dazu geführt, dass Häsler in jedem Rückrundenspiel auf ein anderes Innenverteidigerduo zurückgreifen musste. «Wenn du dein Gerüst immer wechseln musst, ist es schwierig», klagt der FCG-Coach.
Macht Häsler weiter?
Er macht sich Gedanken, ob er noch der Richtige sei oder ob die Mannschaft neue Impulse brauche. «Ich wäre ein schlechter Trainer, wenn ich mich nicht hinterfragen würde», sagt Häsler. Zumal er sich vorgenommen hat, als Trainer selbst über sein Schicksal zu bestimmen.
Die Frage, ob er denn auch in der nächsten Saison noch an der Seitenlinie stehe, kann er deshalb vorerst nur mit einem «Jein» beantworten. Spass an der Arbeit mit dem Team hat Häsler aber noch allemal. Und die Ziele gehen ihm auch im Niemandsland der Tabelle nicht aus. «Wir wollen noch möglichst vielen Aufstiegsaspiranten ein Bein stellen und vielleicht doch noch das bestplatzierte Team aus der Region werden.»
Brüttisellen überholt Greifensee
In diesem Rennen um den höchst inoffiziellen Titel des erfolgreichsten Zweitliga-Teams aus der Region hat derweil der FC Brüttisellen-Dietlikon wieder die Nase vorn. Dank eines souveränen 3:1-Erfolgs in Glattbrugg, zu dem João Pereira, Ivan Sisic und Denis Dzepo je einen Treffer beisteuerten, überholte der FCB den FC Greifensee.
Dies, weil Letzterer in Wiesendangen trotz einem Zwei-Tore-Vorsprung nicht über ein 2:2 hinauskam. Alec Wegmann und Tobias Niklaus hatten die Greifenseer nach der Pause in Führung geschossen. Doch obwohl Keeper Paulo Da Costa danach einen Penalty abwehrte, kassierte der FCG bis zuletzt noch zwei Gegentore.
Stäfa - Gossau 1:3 (1:0). – Tore: 23. Kelterborn 1:0. 65. Christen 1:1. 76. Christen 1:2. 82. Kündig 1:3.
Glattbrugg - Brüttisellen-Dietlikon 1:3 (0:1). – Tore: 27. Pereira 0:1. 65. Sisic 0:2. 75. Dzepo 0:3. 90. 1:3.
Wiesendangen - Greifensee 2:2 (0:0). – Tore: 54. Wegmann 0:1. 68. Niklaus 0:2. 77. Huber 1:2. 80. Meli 2:2.