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Radquer-Saisonstart

In Illnau wird der beste Schweizer von der Weltnummer 1 gefordert

Das Radcross Illnau wartet am Sonntag mit einem grossen Namen auf der Startliste auf. Wie kam es dazu? Und was hält Seriensieger Kevin Kuhn davon, dass er womöglich entthront wird?

Hier ging seine Siegesserie in Illnau los: Kevin Kuhn auf dem Weg zum Sieg im Jahr 2021. Heuer ist er wieder im Trikot des Schweizer Meisters am Start – aber nicht als Topfavorit.

Foto: Robert Pfiffner

In Illnau wird der beste Schweizer von der Weltnummer 1 gefordert

Das Radcross Illnau wartet am Sonntag mit einem grossen Namen auf der Startliste auf. Wie kam es dazu? Und was hält Seriensieger Kevin Kuhn davon, dass er womöglich entthront wird?

Was ist der Höhepunkt des Radcross Illnau?

Glaubt man dem Werbebanner, hat er nichts mit dem Sport zu tun. «Highlight: Helikoptershow» steht da nämlich. Und das Super Puma Display Team der Luftwaffe dürfte sicher den einen oder anderen Enthusiasten anziehen. Aber auch das sportliche Aushängeschild ist durchaus hochkarätig. Im Eliterennen am Sonntag um 15.30 Uhr startet der Weltranglistenerste Michael Vanthourenhout. «Wir haben eben ein Highlight in der Luft und eines am Boden», sagt OK-Präsident Eric Brüngger lachend.

Michael Vanthourenhout – der Name ist Radquer-Liebhabern sicher geläufig. Für alle anderen: Der 31-jährige Belgier ist derzeit die Nummer 1 der Weltrangliste. Zweimal wurde er Europameister, an Weltmeisterschaften gewann er schon Silber und Bronze – und in der letzten Saison sicherte er sich erstmals den Gesamtweltcup. 30-mal stand er in seiner Karriere auf einem Weltcup-Podest. Sechsmal davon zuoberst.

Wie haben die Veranstalter diesem grossen Namen den Start schmackhaft gemacht?

Gar nicht. Jedenfalls nicht aktiv. «Er hat sich bei mir selber gemeldet», sagt Eric Brüngger. Dass der Austausch direkt mit Vanthourenhout stattfand und nicht über einen Manager, überraschte ihn. «Das war sehr unkompliziert.» Verhandeln musste er mit dem Belgier nicht. Von Vanthourenhout kamen keine Sonderwünsche, auch nicht solche finanzieller Natur. «Es gab kein Feilschen. Wir werden ihm einen grossen Parkplatz abstecken, damit er mit seinem Camper auch Platz hat», sagt Brüngger.

Warum ist das Radcross Illnau attraktiv für so einen Fahrer?

Was internationale Rennen anbelangt, ist das Illnauer Cross ganz weit unten in der Nahrungskette angesiedelt. Vereinfacht gesagt: Zuoberst sind WM und Weltcup, dann kommen Kontinentalmeisterschaften, Landesmeisterschaften – und dann die Rennen der Klassen C1 und C2. Illnau gehört zur Letzteren. Was bedeutet, dass es andernorts mehr Punkte zu gewinnen gibt für die Weltrangliste. Und bei C2-Rennen sind die von der UCI vorgeschriebenen Preisgelder am tiefsten angesetzt. 350 Euro muss ein Veranstalter dem Sieger eines C2-Rennens mindestens zahlen.

Doch hier heben sich die Illnauer von der Konkurrenz ab, weil ihr Preisgeldtopf deutlich grösser ist als das Minimum. «Wir sind konservativ bei den Startgeldern, da gibt es andere Schweizer Rennen, die deutlich mehr bieten», sagt Brüngger. «Unsere Philosophie ist es, die Leistung in den Vordergrund zu stellen und gute Preisgelder zu zahlen.» Bei der Elite sind es für den Sieger und die Siegerin je 1200 Franken. Was näher am C1-Minimum ist als am C2-Minimum, aber noch immer weit davon entfernt, was es im Weltcup zu gewinnen gibt.

Noch wichtiger aber dürfte der Termin sein. Das Rennen in Illnau ist das erste in der Schweiz und eines der ersten in Europa. In den wichtigsten Serien geht es erst im Oktober (Superprestige, X20 Trofee) respektive November (Weltcup) los. Die Illnauer haben kaum Konkurrenz. An diesem Wochenende findet nur noch ein weiteres internationales Rennen in Europa statt – am Samstag in Luxemburg.

Was bedeutet Vanthourenhouts Start für Seriensieger Kevin Kuhn?

Seit 2021 war es in Illnau normal, dass am Ende Kevin Kuhn zuoberst auf dem Podest stand. Viermal in Serie gewann der beste Schweizer Querfahrer das Rennen. Ein fünfter Sieg in Folge wäre nun aber doch eine deutliche Überraschung. Denn Vanthourenhout ist diesmal in Illnau so klarer Favorit, wie Kuhn es in den letzten Jahren war. «Es macht das Rennen schon anders für mich, wenn so ein starker Fahrer am Start ist», sagt der Laupner. Bei der Aussage schwingt aber viel Vorfreude mit: «Er ist einer, der immer vorne mitfährt, ich würde mir wünschen, dass noch mehr solche Fahrer kommen. Mehr Fights, das ist immer gut.»

116-mal standen die beiden im gleichen Rennen am Start – und nur bei zwölf Gelegenheiten kam der Oberländer vor dem Belgier ins Ziel. «Er ist ein megastarker Fahrer, kommt fast überall zurecht und hat kaum Schwächen», sagt Kuhn. Und ergänzt dann lachend: «Die Ellbogen raushalten, das kann er gut.» Es ist durchaus anerkennend gemeint. Kuhn selber hat im Gegensatz zu Vanthourenhout die ersten Saisonrennen schon hinter sich, letztes Wochenende wurde er in Deutschland einmal Sieger und einmal Zweiter – «ich habe mich taktisch verarschen lassen», sagt er lachend dazu und freut sich, dass die Frühform stimmt.

Wie steht es abgesehen von der Elite-Startliste um das Illnauer Cross?

Das Rennen findet am bewährten Termin auf der bewährten Strecke beim Schulhaus Hagen statt. Alles wie immer also? Nein. Nach zehn Jahren stieg der bisherige Hauptsponsor aus, und diesen zu ersetzen, brauchte einen Sondereffort des OK. 280 Firmen wurden angefragt, 50 sind nun an Bord – darunter eben auch ein neuer Hauptsponsor.

Doch nicht nur deshalb schaut OK-Chef Eric Brüngger durchaus zuversichtlich auf den Sonntag. Die Wetterprognosen sind gut, und das Rennen wird womöglich dem Übernamen «Sunshine Cross» wieder gerecht, den ihm der langjährige OK-Chef Beat Brüngger einmal gegeben hat.

Und vor allem: Unter den rund 300 Startern sind über 100 Kinder – und damit deutlich mehr als im Vorjahr.

Warum das wichtig ist? Weil den Organisatoren eben bewusst ist, dass auch ein grosser Name wie Vanthourenhout in der Schweiz kein Publikumsmagnet ist. «Die Angefressenen kommen sowieso, aber es ist bei uns nicht so eine Nationalsportart wie in Belgien oder Holland», sagt Eric Brüngger. Und doch hofft er auf 3000 Zuschauer über den ganzen Tag verteilt. Zusammengesetzt aus ebendiesen «Angefressenen», aber auch aus Familien – und vielleicht auch aus solchen, für die tatsächlich einfach die Helikoptershow das Highlight ist.


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