Warum zieht der EHCW sein Frauenteam schon wieder zurück?
Abruptes Ende
Nach zwei Jahren ist Schluss: Der EHC Wetzikon stellt nächste Saison kein Frauenteam mehr. Ein Entscheid, der quer zur aktuellen Entwicklung steht, Frauen im Sport verstärkt zu fördern.
Der EHC Wetzikon zieht das erst vor zwei Jahren gegründete Frauenteam wieder zurück. Welches sind die Gründe dafür?
Der Spielerinnenpool beim EHCW ist zu klein, um nächste Saison ein Frauenteam zu stellen. Es wären nur rund zehn Feldspielerinnen zur Verfügung gestanden, also kaum zwei Blöcke. Die Wetzikerinnen traten zuletzt in der dritthöchsten Liga SWHLC an, wurden da in der Gruppe 1 abgeschlagen Letzte. Auch wegen fehlender Kaderbreite. Bestritten die EHCW Ladies, wie sie bezeichnet wurden, die erste Partie mit 15 Feldspielerinnen, waren es im abschliessenden Spiel lediglich noch elf. Das ist schlicht zu wenig.
Kommt der Personalnotstand überraschend?
Er war in diesem Ausmass kaum absehbar. In der Premieresaison in der tiefsten Liga SWHLD gewannen die jungen Wetzikerinnen in der Regular Season ihre Gruppe und stiegen danach in die SWHLC auf, in der sie den sogenannten Nachwuchsplatz erhielten. Der Auftakt des Projekts verlief also erfreulich. In den letzten zwei Jahren hat aber auch rund eine Handvoll Spielerinnen den EHCW verlassen und wechselte in höhere Ligen. Vereinssportchef Luzi Schneider sagt: «Der Erfolg hat uns ein wenig eingeholt, indem wir Spielerinnen verloren.»
Weshalb hat das junge Alter der Spielerinnen einen Zusammenhang mit dem Teamrückzug?
Die Wetziker setzten im Gegensatz zu anderen Teams in der SWHLC ausschliesslich auf junge Eishockeyanerinnen. Spielerinnen über 20 findet man bei den EHCW-Frauen nur sehr vereinzelt. Dafür standen Zwölfjährige im Kader, das Durchschnittsalter betrug nicht einmal 17 Jahre. Allgemein gilt: Bis ins Alter von 19 dürfen Mädchen mit Jungs in gemischten Teams spielen. Dieses Prinzip wendet der EHCW an. Die Spielerinnen des Frauenteams waren also auch Teil der U14- und U16-Teams. Überschneidungen haben sich dabei nicht vermeiden lassen. «Die grösste Herausforderung war die Spielplanung», sagt Luzi Schneider. Waren die Partien der Frauen, der U14 und der U16 gleichzeitig angesetzt, fehlte jedem Team Personal. «Dann wurden wir niemandem mehr gerecht», sagt Schneider.
Warum wählte der EHCW den harten Schnitt, statt freiwillig abzusteigen und in der untersten Liga das Frauenteam am Leben zu halten?
Das Problem der Spielüberschneidungen bleibt unabhängig von der Liga, solange das Frauenteam aus Nachwuchsspielerinnen besteht. Und von dieser Strategie abrücken will der EHCW nicht. Luzi Schneider sagt, weshalb: «Wir sind überzeugt, die Mädchen profitieren davon, wenn sie gleichzeitig bei den Jungs spielen.»
Welche Herausforderungen gibt es generell im Schweizer Fraueneishockey?
Ab nächster Saison gibt es erstmals eine nationale Juniorinnen-Liga U16 für die Alterskategorien U13 bis U16. Bisher hat es hierzulande keinen eigenständigen Frauennachwuchs gegeben, weil es dafür laut Verband schlicht zu wenige Spielerinnen hatte. Bis und mit U18-Kategorie spielen junge Eishockeyanerinnen in gemischten Teams. Ab 12 dürfen sie in den untersten drei Frauenligen (B, C und D) antreten, mit 15 sind sie dann auch auf oberster Stufe in der Swiss Womens Hockey League spielberechtigt. Der Verband schreibt dazu, dieses System ermögliche den jungen Frauen die stufengerechte Förderung in gemischten Nachwuchsteams sowie zugleich Spielpraxis im Fraueneishockey zu sammeln. Letzte Saison gab es nur 50 Teams in den vier Frauenligen. Ausser dem EHC Wetzikon stellte kein weiterer Verein aus der Region eine Frauenequipe.
Wann nimmt der EHCW den nächsten Anlauf mit einem eigenen Frauenteam?
Das ist offen und hängt davon ab, wie sich die Personalsituation entwickelt. «Wir haben Mädchen, die von unten nachrücken», sagt Luzi Schneider. Der Vereinssportchef geht davon aus: Sobald genügend Spielerinnen vorhanden sind, meldet der EHCW wieder ein Frauenteam an. Aktuell beträgt der Anteil der Mädchen im EHCW-Nachwuchs etwas weniger als zehn Prozent. Oder in einer Zahl ausgedrückt: Rund 20 Mädchen spielen im Verein.