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Tier erschossen

Warum musste ein Dachs in Eschikon erschossen werden?

Kritik am Vorgehen der ETH: In Lindau sorgt die Erschiessung eines Dachses für Kopfschütteln. Doch der Eingriff sei nötig gewesen.

Ein Dachs wurde in Eschikon erlegt. (Symbolbild)

Foto: Pixabay

Warum musste ein Dachs in Eschikon erschossen werden?

Wildtier erlegt

Kritik am Vorgehen der ETH: In Lindau sorgt die Erschiessung eines Dachses für Kopfschütteln. Doch der Eingriff sei nötig gewesen.

In der Nähe des Strickhofs in Eschikon hatte sich im Sommer ein Dachs angesiedelt. «Mir ist das Wildtier auch tagsüber begegnet», sagt Iris Lüscher, die ihre Pferde auf dem Bauernhof gleich neben dem Kompetenzzentrum für Agrar-, Lebensmittel- und Hauswirtschaft in Eschikon stationiert hat. Offenbar bewohnte der Dachs einen Bau in einer grossen Hecke zwischen dem Bauernhof und dem Strickhof-Areal. Das Kompetenzzentrum am Strickhof arbeitet eng mit der ETH Zürich und der Universität Zürich zusammen.

Seit zehn Jahren wieder ein Dachs

«Ich konnte das Wildtier regelmässig auf einer angrenzenden Wiese beobachten oder im Maisfeld des Bauern hören», erzählt Lüscher. Sie und der Landwirt haben sich sehr über das Tier gefreut. «Es war der erste Dachs, der sich seit zehn Jahren auf unserem Gebiet aufhielt.» Vor Kurzem sei der Dachs jedoch auf das eingezäunte Gelände der ETH gelangt.

Die ETH habe daraufhin den zuständigen Jagdaufseher informiert, der das Tier anschliessend erschossen habe. Nach Angaben von Lüscher wäre der Dachs vermutlich in seinen nahen Bau zurückgekehrt, wenn die Zauntore geöffnet worden wären. «Ich bin bestürzt über das Vorgehen», sagt sie.

Der Dachs störte Versuch

Nachgefragt bei der ETH, zeichnet sich folgendes Bild: Der Dachs sei mehrfach auf dem Areal gewesen. «Er hat Schäden an den Versuchsfeldern verursacht», sagt Simone Nanzer. Die Dozentin am Departement Umweltsystemwissenschaften der ETH erklärt, dass auf dem Strickhof mit 3D-Modellen von einzelnen Weizenpflanzen geforscht wird.

«Für uns sind schon kleine Schäden problematisch und sehr kostspielig», sagt sie. Die ETH versuche daher, Schäden vorzubeugen und Tiere fernzuhalten, unter anderem durch den Arealzaun. «Aber in diesem Fall haben die präventiven Massnahmen nicht ausgereicht.»

Die ETH habe den zuständigen Jagdaufseher informiert, dass ein Dachs Schäden in einer ihrer Versuchsparzellen angerichtet habe, worauf Jagdaufseher Ramon Huwiler und sein Team der ETH präventive Massnahmen vorgeschlagen hätten. Dazu gehört auch ein Arealzaun, den es ja schon gibt.

Selektive, seltene Einzelabschüsse seien Bestandteil des lokalen Wildtiermanagements, sagt Huwiler. «Im Rahmen dieses Auftrags wurde der Dachs in der Nähe der Brüttenerstrasse erlegt.» Dies sei aber nicht auf dem ETH-Gelände, sondern ausserhalb geschehen.

Im Privatgarten keine Anreize bieten

Aufgrund des Nahrungsangebots würden sich Dachse manchmal ins Siedlungsgebiet verirren, sagt Jagdaufseher Ramon Huwiler. Deswegen sei es wichtig, keine Nahrungsquellen im Garten zu haben, wie zum Beispiel Katzenfutter oder offene Komposthaufen. «Man soll den Wildtieren möglichst wenige Anreize setzen, ihr angestammtes Habitat zu verlassen.»

Dachse sind Allesfresser mit einer Vorliebe für Regenwürmer. Je nach Saison schnabulieren sie auch Insektenlarven, Schnecken, Wühlmäuse und andere kleine Wirbeltiere – oder Fallobst, Beeren sowie Mais. (eru)

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