Warum es Sabine Sieber nochmals wissen will
2017 haben Sie Ihr Amt als Kantonsrätin abgegeben. Sie nannten die zeitlichen Ressourcen respektive die Mehrfachbelastung als Grund. Jetzt kandidieren Sie für den Nationalrat. Was hat sich verändert?
Sabine Sieber: Ich habe mich seit meinem Rücktritt aus dem Kantonsrat vermehrt auf den Betrieb des Seminarhauses Alter Steinshof in Sternenberg konzentriert. Unser Konstrukt funktioniert mittlerweile so gut, dass der Wahlkampf zeitlich drin liegt. Dank Bauersfrauen und Freundinnen, die gerne Teilzeit arbeiten.
Dann ist es Ihnen so ganz ohne Politik zu langweilig geworden?
Auf das politische Engagement gemünzt, trifft dies definitiv zu (lacht).
Muss das Seminarhaus Alter Steinshof also bluten, falls Sie den Sprung nach Bundesbern schaffen?
Nun gut, ich stehe auf Listenplatz 15. Da müsste viel passieren. Falls es soweit kommt, werden wir um eine leichte Umstrukturierung nicht herumkommen. Ich werde mich dann zeitweise aus dem Tagesgeschäft zurückziehen.
Zurzeit hält die Zürcher Vertretung der SP in der grossen Kammer neun Sitze. Es wird prophezeit, dass ein Sitz zu Gunsten der Grünen oder der Grünliberalen dahinfallen könnte. Wie schätzen Sie die Lage ein?
Viele sprechen jetzt bereits vom Sitzverlust. Unser Ziel aber muss es sein, die neun Sitze zu halten. Es braucht Optimismus im Wahlkampf und natürlich die richtigen Themen, um Anteile zu gewinnen.
« Ich war über 20 Jahre lang in der Lokalpolitik tätig. Dieses Feld werde ich definitiv jüngeren Kräften überlassen. »
Sabine Sieber
Für welche Themen wollen Sie sich konkret einsetzen?
Der Klimawandel und Frauenfragen sind sicher Themen, für die ich mich starkmachen werde. Ich war schon beim ersten Frauenstreik im Jahr 1991 dabei. Daher freut mich die neuerliche Bewegung natürlich sehr. Der Faktor Frau wird ohnehin eine grosse Rolle spielen. Als Finanzpolitikerin werde ich mich sicherlich auch für langfristige Lösungen rund um den Steuerwettbewerb sowie zur Revision der Altersvorsorge einbringen. Ich sehe mich als ländlichen Gegenpol zu den klassischen Vertretern der städtischen SP. So beurteile ich Themen wie Raumplanung und Zersiedelung vielleicht leicht anders. Diese Vielfalt braucht es auf unserer Liste unbedingt.
Sie müssten wohl einige Listenplätze gutmachen, um den Einzug in den Nationalrat zu schaffen. Wie realistisch sehen Sie eine solche Aufholjagd?
Die Ustermer Stadtpräsidentin Barbara Thalmann ist vor vier Jahren um sechs Plätze vorgerückt. Für einen Sitz im Nationalrat hat es dann doch nicht gereicht. Doch dies hat mir gezeigt: Es ist vieles möglich. Die Konkurrenz – vor allem jene durch die Grünen – ist aber auf jeden Fall vorhanden. Mein Vorteil ist, dass man mich im Zürcher Oberland kennt. Gerade in ländlicheren Gegenden wie im Bezirk Pfäffikon ist es von enormer Bedeutung, dass die Leute einen persönlichen Bezug zu den Kandidaten haben. Ich hoffe, dass ich mit meiner Bekanntheit einen Beitrag leisten kann, damit die SP auf dem Land noch mehr Stimmen holen kann. Denn diese brauchen wir unbedingt.
Bei Ihrem Rücktritt aus dem Kantonalparlament sagten Sie, dass Sie eine Rückkehr i n die Kommunalpolitik ausschliessen. Ist dieser Zug mit Ihrer Kandidatur für den Nationalrat nun endgültig abgefahren?
Ja. Ich war über 20 Jahre lang in der Lokalpolitik tätig. Dieses Feld werde ich definitiv jüngeren Kräften überlassen.
Fünf SP-Kandidaten aus der Region
Neben Sabine Sieber stehen vier weitere Politikerinnen und Politiker aus der Region auf der Nationalratsliste der Zürcher Sozialdemokraten. Die beiden Bisherigen Fabian Molina aus Illnau und Daniel Frei aus Uster sind dabei mit Platz sechs respektive zehn am besten positioniert. Daniel Frei rückte Ende 2018 für die langjährige SP-Nationalrätin Chantal Galladé in den Nationalrat nach, die mittlerweile für die Grünliberalen politisiert. Auf Listenplatz 22 kandidiert der Wetziker Stadtrat Pascal Bassu und auf Position 29 steigt die Ustermer Kantonsrätin Claudia Wyssen ins Rennen.