Villa Flora in Wald beherbergt Schätze von Franz Carl Weber
Kaum eine Oberländer Gemeinde wirkt so ländlich und ist dabei kulturell so vielfältig wie Wald. Im nächsten Sommer ist das Dorf mit dem Spielzeugmuseum Franz Carl Weber um eine Attraktion reicher.
Ländliche Idylle, grüne Wiesen, Kühe, kleine Läden und ein vielseitiges Kulturangebot – die zwischen Hügeln eingebettete Gemeinde Wald unterscheidet sich im Vergleich zu anderen Gemeinden im beschaulichen Oberland in mancherlei Hinsicht. Wer Wald nicht genauer kennt, dem käme wohl als Erstes die Landwirtschaft oder die Reha-Klinik am Faltigberg in den Sinn.
Aber da ist noch mehr: Wegen der einstigen Textilindustrie gibt es im Dorf noch heute einige stattliche Fabrikantenvillen und Herrenhäuser, darunter die 1870 erbaute Villa Flora, die für öffentliche und kulturelle Zwecke zur Verfügung steht und seit 2020 im Besitz der Familie Maurer ist.
Und ebendieses prächtige Haus mit zehn Zimmern beherbergt bald eine beträchtliche Portion Zürcher Geschichte. Im kommenden Sommer öffnet das Zürcher Spielzeugmuseum mit der Privatsammlung der Familie Franz Carl Weber im Obergeschoss – inklusive Bistro und Spielecken – seine Pforten. Der «Franzki», wie die Spielwareninstitution umgangssprachlich liebevoll bezeichnet wird, wartet also in Wald auf.
Die Sammlung hat der Mitbesitzer der Villa, Fritz Maurer, von der Stiftung Zürcher Spielzeugmuseum Sammlung Franz Carl Weber für einen tiefen sechsstelligen Betrag erworben. «Die zwei verbliebenen Stiftungsräte im fortgeschrittenen Alter wollten sich nicht mehr um einen weiteren Umzug der rund 3500 historischen Spielzeuge kümmern und waren dabei, die Sammlung aufzulösen.»
Noch lebende Urenkel von Franz Carl Weber hatten selbst ebenfalls nicht in die Bresche springen wollen, freuen sich aber über den Einsatz von Maurer.
Denn er fülle gewissermassen eine Lücke, welche die deutsche Drogeriekette Müller hinterlassen habe. Dieser gehören seit 2023 alle bisherigen Standorte des Spielwarenhändlers Franz Carl Weber. Sie ist grundsätzlich nur an den Ladenfilialen, nicht an alten Spielzeugen interessiert und hat auch das Spielzeugmuseum geschlossen, das erst 2022 nach Zürich-Altstetten gezogen war.
«Kurze Zeit hatte ich noch Konkurrenz aus dem Wallis, aber mein Konzept war mit den prächtigen Museumsräumen in der Villa Flora durchdachter, weshalb ich den Zuschlag erhielt», sagt Maurer. Auch habe es wohl geholfen, dass er dem Stiftungsrat angeboten habe, mit Helfern den gesamten Umzug nach Wald selber durchzuführen.
Noch alles in Kisten
Fritz Maurer ist zwar über seine Tätigkeit als «Bauleiter für historische Gebäude» mit Wald verwurzelt. Für ihn kam es aber nie infrage, in der Villa zu wohnen, da seine Familie in Rüschlikon beheimatet ist. Der Restaurator ist ein umtriebiger Mensch.
Er wird für das Spielzeugmuseum tagsüber oft in Wald weilen und über die Festtage vieles in die Wege leiten, alte Vitrinen säubern, genaue Inventarlisten für jedes einzelne Spielzeug führen, bevor er möglichst bald durch die Unterstützung vom Vereinsvorstand und von Helfern mit dem konkreten Aufbau des Museums beginnen will. Nützlich sein werden ihm auch die 200 vollständig erhaltenen Franz-Carl-Weber-Kataloge aus dem ebenfalls erworbenen Archiv.
«Eine Ururenkelin von Franz Carl Weber will uns im nächsten Jahr mit ihrem Wissen und mit Unterlagen beim Zusammenstellen der Firmengeschichte helfen, die auch ein Bestandteil des Museums sein wird.» Durch diesen Teil der Ausstellung könne für die Pflege des Namens der einstigen Kultmarke aus Zürich mit internationaler Ausstrahlung ein Beitrag geleistet werden.
Schon im kommenden Januar soll klar sein, wann das Museum genau öffnet – Maurer hat den Juli im Sinn. Bis dahin sind noch unzählige Stockys-Spielkisten, Merklin-Züge, Blechspielzeuge, «Verchäuferli»-Läden oder Mecano-Baukästen aus dem 19. Jahrhundert auszupacken und passend zu sortieren. Im Dachstock will Maurer die durch eine Schenkung erhaltenen 40 Papiertheater (Miniaturtheaterbühnen aus Papier) aus der Zeit von 1850 bis 1900 präsentieren. Dieser Teil der Ausstellung wird aber erst 2027 so weit sein.
Parallel laufendes Crowdfunding
Bevor das Museum aber Formen annimmt, läuft unter dem Titel «Park für alle» bei der Villa Flora noch etwas ganz anderes. Zwei spannen nämlich zusammen: Denn da ist neben Fritz Maurer noch ein zweiter Fritz namens Bärlocher, ein relativ frisch zugezogener, pensionierter Zürcher, den es in die beschauliche Gemeinde verschlagen hat und der der Villa Flora auch im Aussenbereich etwas frischen Wind verleihen will.
Gelingen soll dies mit einem bereits seit dem 5. November aktiven Crowdfunding auf der Plattform www.lokalhelden.ch. «Bis anhin sind 8000 Franken zusammengekommen, noch 10'000 Franken mehr, und wir sind in Reichweite unseres Ziels», sagt Fritz Bärlocher. Auch Zeit- und Materialspenden seien willkommen. «Ab 200 Franken ist man bereits auf der künftigen Gönnertafel zu sehen», verrät er schmunzelnd.
Die insgesamt 18'000 Franken wollen sie nutzen, um den etwas brachliegenden Raum rund um die Villa aufzupolieren. Der Park soll nicht nur Kulisse, sondern ein lebendiger Teil des kulturellen Geschehens in Wald werden. «Wo ist so was besser möglich als in Wald?», fragt Bärlocher. Die beiden denken an Sitzgruppen, eine spezielle Beleuchtung, Tische, Bänke und Liegestühle, damit sich alle Altersgruppen treffen können – ein Kiosk soll ebenfalls nicht fehlen.
«Wir haben unzählige Vereine und Gewerbler angeschrieben, aber vielleicht auch wegen der kalten Jahreszeit und der Hektik der bevorstehenden Weihnachtstage etwas wenig Rückmeldung erhalten», resümiert Bärlocher. Immerhin hätten sie schon eine Zusage von den Naturfreunden Wald. Hauptsache, es entstehe in absehbarer Zeit ein gemeinschaftlich realisiertes Werk, das Wald zugutekomme.