Meinung

Geschichten, die in Erinnerung bleiben

Von leiser Musik und lautem Zuhören

Diese Geschichten, Reportagen, Porträts, Geschehnisse und Schicksale haben unsere Redaktorinnen und Redaktoren 2025 nachhaltig geprägt. Heute: Manchmal bleibt einem eine Geschichte nicht einfach im Kopf, sondern im Herzen.

Das Interview mit Illia Konovchenko hat Praktikantin Darina Bolt besonders beeindruckt.

Foto: Privat

Von leiser Musik und lautem Zuhören

Diese Geschichten, Reportagen, Porträts, Geschehnisse und Schicksale haben unsere Redaktorinnen und Redaktoren 2025 nachhaltig geprägt. Heute: Manchmal bleibt einem eine Geschichte nicht einfach im Kopf, sondern im Herzen.

Das Jahr 2025 nähert sich dem Ende. Auch in diesem Jahr blickt die Redaktion auf die spannendsten Momente, packendsten Geschichten und interessantesten Menschen zurück. In persönlichen Einblicken erzählen Redaktorinnen und Redaktoren von ihren High- und Lowlights. (zo)

Wenn ich auf dieses Jahr zurückblicke und an all die Artikel denke, die ich geschrieben habe, dann ist es nicht die grösste Reportage und nicht das aufwendigste Interview, das mir sofort in den Sinn kommt. Es ist ein Junge. Ein Junge mit einer grossen Stimme und einem noch grösseren Herzen.

Als ich zum ersten Mal erfuhr, dass ich ein Porträt über Illia Konovchenko, einen jungen ukrainischen Musiker, schreiben durfte, wurde mir sofort warm ums Herz. Illia kam zu Beginn des Kriegs in die Schweiz. Seither ist Musik nicht nur sein Hobby, sondern sein Alltag und Kraftelixier. Mit seinen Liedern will er Menschen verbinden und für den Frieden singen.

An einem Samstagnachmittag traf ich ihn schliesslich in Zürich. Ich muss zugeben, dass ich ziemlich aufgeregt war. Doch dieses Gefühl verflog schnell, als ich mit ihm ins Gespräch kam. Illia war selbstbewusst, zugleich unglaublich bodenständig und herzlich. Ich fühlte mich sofort willkommen.

Er erzählte mir von den schönen Seiten seines Lebens, aber auch von den schweren. Die Art, wie offen und reflektiert er über seine Vergangenheit, seine Träume und seine Leidenschaft sprach, beeindruckte mich tief. Was mich an Illia faszinierte, war nicht nur sein musikalisches Talent, sondern etwas ganz anderes. Etwas, das entweder da ist oder nicht: Mut.

Illia ist noch so jung und dennoch zeigt er viel Stärke und Empathie. «Das Wichtigste für mich ist, über den Frieden zu singen. Ich will ein Zeichen setzen, dass alle Kinder in Sicherheit aufwachsen können», erzählte er mir. Als er mir von seinen Gefühlen und Zukunftsträumen berichtete, musste ich mehr als einmal meine Tränen zurückhalten.

Wir leben in einer Zeit, in der viele müde sind. Müde von all den Kriegen, Unsicherheiten und Krisen in der Welt. Und dann begegnet man einem Jungen, der einen daran erinnert, dass Hoffnung nicht verschwindet. Im Gespräch mit ihm wurde deutlich, dass für Illia Ruhm und eine grosse Reichweite nicht oberste Priorität haben, sondern Echtheit und die Freude an seiner Passion.

Mir wurde auch klar, dass Musik nicht laut sein muss. Sie schreit nicht und drängt sich niemandem auf. Und dennoch erreicht sie Menschen dort, wo Worte oft nicht mehr hinkommen. Er hat mir gezeigt, dass selbst eine einzelne Stimme die Welt berühren kann. Man muss ihr nur zuhören.

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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