Von der schwarzen Mähne zum Silberfuchs
Unsere Gesellschaft vermittelte lange Zeit die Werte, dass bei Frauen mittleren Alters graue Haarsträhnen weniger attraktiv wirken. Das Gegenteil galt für Männer. Man nehme George Clooney als Beispiel. Der Hollywood-Schauspieler läuft seit eh und je mit grauem Haupt herum und gilt als Sexsymbol. Währenddessen die meisten seiner weiblichen Pendants gefärbte Haare trugen.
Der neuste Schrei aus Hollywood ist aber, dass man die grauen Haare nicht mehr versteckt, sondern sie selbstbewusst zeigt. So präsentierten sich zum Beispiel die Schauspielerinnen Jodie Foster und Andie MacDowell, sowie die Oscarpreisträgerin Helen Mirren diesen Sommer am Filmfestival in Cannes mit grauen Haaren. Es hagelte nur so von positiver Resonanz. Die Trendsetter aus Amerika haben einen Einfluss auf die Frisuren weltweit.
«Man spürt auch hier diesen Trend», sagt Anna Base, Geschäftsführerin des Coiffeursalons Anna Hair Fashion in Wetzikon. Jedoch würden sich die meisten älteren Kundinnen die Haare noch färben lassen.
Bei den Männern sähe das ganz anders aus. «Natürlich gibt es auch Kunden bei uns, die sich die Haare tönen lassen, um die grauen Haare ein wenig zu kaschieren. Die meisten stehen aber zu ihrer natürlichen Haarfarbe.» Eine Tönung ist weniger intensiv und hält weniger lange als eine Färbung, da die einzelnen Haare nur mit Farbe ummantelt werden. Bei einer Färbung werden Pigmente ins Haar eingeschleust. Das macht diese nachhaltiger.
Wenn sich Frauen dazu entschieden, ihre Haare nicht zu färben, dann würden sie sie meistens in eine Kurzhaarfrisur umwandeln lassen. Jasmin Jung, Coiffeuse bei Anna Hair Fashion, erklärt: «Ein Kurzhaarschnitt sieht viel moderner und «frecher» aus, als lange graue Haare.» Vor allem bei Damen mittleren Alters seien diese Frisurenstile sehr beliebt. Da könne man viele Variationen und Stile miteinander kombinieren, so die beiden Coiffeusen.
Diesen Trend bestätigt auch die Gidor-Filiale in Uster. «Die Frau wird selbstbewusster und steht zu ihrer natürlichen Haarfarbe», sagt die Filialleiterin. Der Grund warum viele die Haare beim Ergrauen kürzen, liege nicht nur am modernen Aussehen, die Frisur sei auch praktischer und einfacher zu pflegen.
Klassiker der Zukunft
Die grauen Haare in ihrer Natürlichkeit zu belassen, ist das eine. Seit einigen Jahren sieht man aber auch immer häufiger Leute mit grau gefärbten Haaren. Ein Trend, der vor allem bei jüngeren Menschen Anklang findet. Dabei ist Grau ist nicht gleich Grau. Es gibt etliche Nuancen in diesem Farbspektrum, von Silber über Platin bis hin zu Stahlgrau. Wobei es bei jüngeren Personen meistens ein Blond-Ton ist, der ins Grau hinein geht.
Das Mode- und Beautymagazin «Vogue» beschreibt graue Haare – ob gefärbt oder natürlich – nicht nur als Frisurentrend, sondern auch als Klassiker der Zukunft. Zu verdanken sei dieser Trend unter anderem auch den neuen Pflege- und Färbeprodukten, welche alterndem Haar ein frisches Aussehen schenken würden.
Im Interview mit der renommierten Zeitschrift sagt Top-Stylist Kevin Murphy: «Eine Frau mit grauem Haar hebt sich von der eintönigen Masse ab.» Der Mut zu grauem Haar, sei es nun gefärbt oder natürlich, zeuge von einer starken Persönlichkeit, so Murphy weiter.
Den allgemeinen Trend zu grauen Haaren bestätigt auch ein Blick in die sozialen Medien. Auf zahlreichen Seiten sind inspirierende Frisur-Beispiele zu finden. Und es wird klar: grau-gefärbte Damenhaarschnitte sind nicht nur bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen «in».
Laut dem Online-Trend-Magazin «Deavita» eignet sich diese Haarfarbe perfekt, um «mit Stil zu ergrauen». Gerade wenn man ein glänzendes Stahlgrau mit einer Kurzhaarfrisur wähle, wirke das sehr edel und feminin, so die Onlineplattform. Zudem bringe die Trend-Haarfarbe blaue Augen noch mehr zum Leuchten. Auch der Effekt bei braunen Augen sei besonders. Braun strahle eine gewisse Wärme aus und wirke so ausgleichend auf das kühle Grau.
Wieso werden Haare grau?
Damit unsere Haare in Schwarz, Braun, Blond oder Rot strahlen, braucht es das Pigment Melanin. Um diese Farbpigmente produzieren zu können, benötigt der Körper die Aminosäure Tyrosin.
Je älter man wird, desto weniger Tyrosin wird in der Haut und den Haarwurzeln produziert. Im Durchschnitt beginnt dieser Prozess im Alter zwischen 30 und 40 Jahren. Auch bestimmte Krankheiten können einen Tyrosin-Mangel verursachen.
Die Folge: Die Haare werden weiss. Grau erscheinen sie nur, weil die weissen Haare sich mit der ursprünglichen Haarfarbe vermischen. Meistens beginnt dieser Farbwechsel bei den Schläfen, da die Haare an dieser Stelle schneller ausfallen und einen weniger langen Lebenszyklus haben. Aus demselben Grund wird bei Männern der Bart auch früher weiss als die Kopfbehaarung.