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Ukrainer will Star werden

Von Charkiw nach Mönchaltorf – dieser 12-Jährige träumt von ESC-Bühne

Illia Konovchenko will hoch hinaus: Er performte schon vor 20'000 Menschen und will für die Schweiz am ESC teilnehmen.

Illia Konovchenko erreichte den zweiten Platz beim internationalen Wettbewerb Sanremo Junior in Italien.

Foto: privat

Von Charkiw nach Mönchaltorf – dieser 12-Jährige träumt von ESC-Bühne

Ukrainer will Star werden

Illia Konovchenko will hoch hinaus: Er performte schon vor 20’000 Menschen und will für die Schweiz am ESC teilnehmen.

Ein Jahr ist es her, seit Illia Konovchenko als Finalist bei den Vorausscheidungen für den Junior Eurovision Song Contest dabei war. Mit seinem Lied «Spaceship» vertrat der damals 11-Jährige sein Heimatland, die Ukraine. Diese Woche besucht Illia zusammen mit seiner Managerin und seiner Familie den Eurovision Song Contest (ESC) in Basel – sein grösster Wunsch ist es, eines Tages für die Schweiz auf der Bühne zu singen.

Exakt einen Monat nach Kriegsausbruch in der Ukraine verliess Illia zusammen mit seiner Mutter und seiner Schwester die ostukrainische Millionenstadt Charkiw. «Ich hatte keinen Kulturschock, als ich hier ankam, aber die Mentalität der Schweizer war schon sehr anders», sagt er. Seit drei Jahren lebt Illia nun in der Gemeinde Mönchaltorf, besucht dort die Schule und spielt im lokalen Fussballverein.

Schwerer Start

Auch wenn Illia eine sehr positive Einstellung zur Schweiz hat, gab es zu Beginn einige schwierige Momente. «Die Integration in die Schule fiel mir am Anfang nicht leicht. Viele Klassenkameraden haben mich wegen meiner Herkunft gemobbt, und manchmal haben wir uns auch geprügelt», erzählt er.

Mittlerweile komme er gut mit ihnen aus, er habe die Sprache gelernt und ihnen verziehen. «Die beste Freundschaft fängt immer mit einer Schlägerei an», sagt Illia und lacht.

Der 12-Jährige ist sehr dankbar, dass ihm die Schweiz so viele neue Türen geöffnet hat. «Seit wir hier sind, bereuen wir es nicht, die Ukraine verlassen zu haben», sagt er. «Einer der entscheidendsten Schritte meines Lebens war, als ich meine Managerin kennengelernt habe.»

Illia steht bereits seit seinem vierten Lebensjahr auf der Bühne. In der Ukraine besuchte er regelmässig den Vokalunterricht und performte schon vor grossem Publikum. «In der Ukraine lernte ich die ersten Schritte, wie ein Kind. Hier in der Schweiz fing meine professionelle Karriere an», sagt er.

Diese startete vor zwei Jahren, als sich Illia für ein Casting bei der Open Sound Band bewarb. Dort lernte er auch seine heutige Managerin und Gesangslehrerin Kristina Varinskaya kennen. «Das war die wichtigste Bekanntschaft, die ich machen durfte», erzählt Illia. Open Sound Studio ist ein Schweizer Musiknetzwerk, das sich auf Kinder und Jugendliche fokussiert. «Das Studio bringt Kinder aus verschiedenen Ländern zusammen – ein echtes internationales Schweizer Team», erklärt Kristina Varinskaya.

Kristina habe schnell gemerkt, dass er ein besonderes Talent habe, sehr fleissig sei und schnell lerne. Sie erinnert sich an ihre erste Begegnung: «Das Erste, was er mir gesagt hat, war: ‹Hallo, ich bin Illia Konovchenko und möchte Stadien füllen.›»

Denn nur zwei Jahre später stand Illia im Finale der Junior-ESC-Vorausscheidungen in Madrid. Und dieses Jahr belegte Illia, der sich ILKO nennt, den zweiten Platz beim internationalen Wettbewerb Sanremo Junior in Italien in der Kategorie 13+.

«Ich kann mich noch genau erinnern, als wäre es gestern gewesen. Es war unglaublich cool, meine Leidenschaft vor so vielen Leuten auszuüben.» Zusammen mit Kristina Varinskaya schrieb er sein erstes eigenes Lied ‹One Step at a Time›, mit dem er in Sanremo auftrat. Auf Youtube hat das Musikvideo mittlerweile über 200’000 Aufrufe.

Für viele klingt sein Alltag nach viel Stress: täglicher Schul- und Gesangsunterricht, am Wochenende zusätzliche Tanzlektionen und Videodrehs, Fussballtraining und mehr. Für Illia ist das ganz normal: «Musik soll kein Stress sein.» Die Schule könne zwar manchmal ein bisschen viel werden, aber im Grossen und Ganzen liebe er es so.

Besonders gefällt ihm, dass man durch Musik eine Botschaft teilen kann. «Das Wichtigste für mich ist, über den Frieden zu singen. Ich will ein Zeichen setzen, dass alle Kinder in Sicherheit spielen und aufwachsen können.» Deshalb hat Illia auch einen Traum: eines Tages eine «Collab» mit Coldplay zu machen. «Auch für sie bedeutet Musik ein Leben in Frieden», sagt er.

In seinem Lied «One Step at a Time» erzählt er von Träumen, Freiheit, neuen Orten und dem Schmerz, durch den er gelernt hat, die Hoffnung nie aufzugeben. Im dazugehörenden Musikvideo singt Illia inmitten von Bergen – das soll auch symbolisieren, was Freiheit und Kraft bedeuten.

Trotz dem anhaltenden Krieg in der Ukraine besucht Illia regelmässig seinen Vater und seine Grosseltern dort. «Neben meiner Familie vermisse ich das Essen sehr, vor allem die XXL-Packungen Chips für einen halben Franken», sagt Illia und lächelt.

Seine Familie, ob hier oder in der Ukraine, unterstützt ihn, wo es nur geht. «Meine Mutter ist die Schlüsselperson in meinem Leben, sie hilft mir in allem. Genauso wie Kristina, meine Managerin. Die beiden sind 20 in einer, so wie Kaffee drei in einem ist.»

Einen Tag vor der Abreise an den diesjährigen ESC war Illia beim Dreh für sein neues Musikvideo unterwegs. «Videos zu drehen, ist eines meiner Highlights der letzten Jahre. Ich habe zwar immer noch ein wenig Respekt vor den Drohnen, aber langsam gewöhne ich mich dran», erzählt er.

Sein neues Lied, das bald erscheinen wird, soll auch einen deutschen Teil beinhalten, in dem Illia rappen wird. «Ich bin schon sehr gespannt, wie das Video aussehen wird und wie die Leute darauf reagieren.»

Mit klarem Ziel vor Augen

Auch wenn offen ist, wie sich Illias Karriere weiterentwickelt, ist eines für ihn sicher: «Ich will unbedingt die Schweiz beim ESC vertreten.»

Illia und seine Managerin schreiben jedes Jahr ans SRF und an den ESC, weil sie sich wünschen, dass auch jüngere Kandidaten beim Contest teilnehmen dürfen, sonst müsste er warten, bis er 16 Jahre ist. «Bis jetzt haben wir noch keine Antwort erhalten, aber wir verlieren die Hoffnung nicht», sagt Kristina Varinskaya und schmunzelt.

In der Zwischenzeit stehen aber noch einige grössere Events an. Im Juli wird Illia bei einem Kids-Festival in den Niederlanden auftreten.

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