Volketswiler Abwehr-Talent nun in rauerer Umgebung
Die Zahlen sprechen für sich. Fünf Spiele hat Andi Hoti für die U23 des SC Freiburg bestritten, viermal blieb das deutsche Drittliga-Team ohne Gegentor.
Der 19-jährige Volketswiler ist Innenverteidiger – und hat damit entscheidenden Anteil am starken Start in die Meisterschaft. Der dritte Tabellenplatz ist nur schon aufgrund der vielen Sommermutationen im Kader eine Überraschung.
Und einer dieser Neuen heisst Hoti. «Er wurde aufgrund von Personalengpässen in der Abwehr gleich reingeworfen», sagt Lukas Karrer, Redaktor bei der «Badischen Zeitung», der die Freiburger Profiteams regelmässig begleitet.
«Hoti ist uneingeschränkt gesetzt.»
Lukas Karrer, Redaktor «Badische Zeitung»
Mittlerweile hat sich die personelle Lage bei den Breisgauern wieder entspannt – für Karrer ist aber klar: «Hoti ist uneingeschränkt gesetzt.» Selbst bei der bisher einzigen Niederlage habe er eine solide Leistung gezeigt.
Dass sich Hoti so schnell etabliert hat, ist nicht selbstverständlich. Bis zur letzten Saison spielte er für die U19 bei Inter Mailand – und damit im Juniorenfussball. Mit dem Wechsel in die 3. Liga Deutschlands ist der Verteidiger in eine neue, wesentlich rauere Welt eingetaucht.
Einzig Borussia Dortmund hat neben dem SC Freiburg ein Nachwuchsteam auf dritthöchster Ligastufe. Der SCF trifft dort auf Traditionsklubs wie 1860 München, Dynamo Dresden oder MSV Duisburg. «Das Niveau ist gut – und körperlich gehts zur Sache», weiss Karrer.
Hoti bestätigt diese Einschätzung, sagt aber auch: «Ich habe mich gut eingelebt.» Unterstrichen werden die Worte durch das Fachmagazin «kicker». Mit dem Notenschnitt von 3,10 zählt Hoti bisher zu den Besten seines Teams.
Die Bedenken vom Verband
Trotz seinem Alter hat der frühere Junior des FC Volketswil schon einiges erlebt. Gerade mal 16 Jahre jung war Hoti, als er aus dem Nachwuchs des FC Zürich nach Italien zog.
Beim Stadtklub spielte er zuletzt in der U18 – und durfte ab und an in der ersten Mannschaft trainieren. «Der FCZ hatte auf seiner Position noch andere Talente», sagt Baykal Bellusci von der SBE-Management-Agentur, die Hoti betreut.
Nicht überall ist der Schritt über die Landesgrenzen gut angekommen. Patrick Bruggmann, der Technische Direktor beim Schweizerischen Fussballverband (SFV), spricht im Zusammenhang mit Ausnahmetalenten, die früh in die Ferne wechseln, sogar von einem gefährlichen Weg.
Gerne zieht der SFV dazu Statistiken und Beispiele hervor, wie vielen dieser Spieler der grosse Durchbruch verwehrt bleibt. Zudem: «Je früher ein Spieler ins Ausland geht, desto unwahrscheinlicher ist es, dass er eine Erstausbildung abschliesst», bekräftigte Bruggmann unlängst gegenüber dem Fussballmagazin «Zwölf».
Ein bisschen Abenteuer
Hoti passt in diese Reihe. Der Schüler der Sport Academy Zürich setzte mit dem Umzug nach Mailand ganz auf die Karte Fussball. «Es gibt in der Schweiz immer Bildungswege. Und Andi ist intelligent», kontert Bellusci. Doch er sagt auch: «Ein solcher Schritt ist immer ein wenig Abenteuer.»
Eine besondere Bescherung für den FC Volketswil
18.06.2020

Dank Transfer von ehemaligem Junior
Ein unerwarteter Geldsegen für den FC Volketswil. Beitrag in Merkliste speichern Bei Hoti kam erschwerend hinzu, dass er just zum Ausbruch der Corona-Pandemie das Elternhaus in Volketswil verlassen hatte. Der Doppelbürger, der auch U21-Nationalspieler vom Kosovo ist, lebte in Italien zuerst mit anderen Spielern aus dem In- und Ausland.
«Andi hat in Italien gelernt, besser zu verteidigen.»
Baykal Bellusci, Berater
Später zog er mit der Unterstützung seiner Mutter in eine eigene Wohnung. «Es war keine einfache Zeit. Doch Andi hat sie gut gemeistert», sagt Bellusci.
Die nötige Härte aneignen
Bisher läuft also alles nach Plan. Mit der U19 von Inter holte er sogar den Meistertitel. Doch trotz laufendem Vertrag bis 2024 liess er sich nun nach zwei Saisons ausleihen. «Andi hat in Italien gelernt, besser zu verteidigen», sagt Bellusci. Der SC Freiburg mit dem Schweizer Trainer Thomas Stamm sei für ihn nun aber eine gute nächste Plattform.
«Hier kann er sich die nötige Härte aneignen», findet Bellusci. Über allem steht dabei, dass Hoti regelmässig zum Einsatz kommt. Für ihn selbst war zudem wichtig, früh Klarheit über seine Zukunft zu haben. «Ich wollte nicht länger warten», sagt er.
Und doch wird der jüngste Tapetenwechsel wiederum kritisch beäugt. Weshalb nicht der Schritt zurück in die Schweiz, ist eine oft gestellte Frage. «Die Ausbildung ist gut. Die Intensität in der Liga aber zu tief», entgegnet Bellusci, der früher selbst als Profi über 100 Spiele in der Super League bestritt.
Durch den Wechsel in die U23 von Freiburg hat sich für Hoti zudem ein neuer Markt eröffnet. Das bestätigt Sportjournalist Karrer. «Hier spielt er neben jungen Spielern aus Bremen und Stuttgart, die ebenso über den SC den Sprung in eine höhere Liga schaffen wollen», sagt er.
Klar ist sowieso: Überraschen die Freiburger mit Hoti weiterhin so, dürften sich für ihn zum Ende des Lehrjahrs neue Perspektiven eröffnen. Ob in Freiburg, Mailand oder andernorts.