Politik

Vögel brauchen Schutz vor Katzen

Rund 1,4 Millionen Hauskatzen leben in der Schweiz. Das sind zwischen 50 bis 60 Katzen pro Quadratkilometer. Diese sind eine Bedrohung für heimische Vogelarten wie Spatzen, Amseln oder Feldlerche, wie das Beispiel der Stadt Uster zeigt.

Dieses Amsel-Männchen hat Futter für die Jungen im Schnabel. Jetzt ist es Zeit, die Katze für drei Tage im Haus zu behalten., Der Jagdtrieb der Katzen schadet heimischen Vogelarten.

PD

Vögel brauchen Schutz vor Katzen

Wer kennt sie nicht? Die stolze Hauskatze die mit einem Vogel im Mund nach Hause kommt, ohne dass sie diesen des Hungers wegen erlegt hat. «Die Jagd dient vor allem dem Erhalt des Jagdtriebs der Katzen sowie dem von ihr erwarteten Lob der Besitzer», sagt Nadja Brodmann vom Zürcher Tierschutz.

Während der Brutzeit im Frühling kann der Jagdtrieb der Katzen für den Bestand der heimischen Vögel jedoch dramatische Folgen haben. Besonders neugeborene Vogelbabys sind leichte Beute für Hauskatzen. Vogelexperte Raffael Ayé empfiehlt, die Hauskatze, die eigentlich nicht zur einheimischen Fauna gehört, für ein paar Tage nicht auf die freie Wildbahn zu lassen, während sich Jungvögel im eigenen oder benachbarten Garten befinden.  Auch Halsbänder mit Glöckchen können hilfreich sein.

Um den natürlichen Jagdtrieb der Hauskatze zu befriedigen, empfiehlt Birdlife Schweiz, die eigenen Katzen täglich mit Spielerein oder Ballspielen zu beschäftigen und dafür zu sorgen, dass sie ihre Krallen benutzen. Auf diese Weise befriedigen die Katzen ihren Jagdtrieb ohne Schaden für die Vogelwelt.

Fortpflanzung gefährdet

Der Auslauf gehört laut dem Zürcher Tierschutz grundsätzlich zu einer tiergerechten Katzenhaltung. 70 Prozent der Katzen geniessen den Auslauf ins Freie. Da die Baudichte auch in ländlichen Gebieten immer höher wird, gestaltet sich auch der Lebensraum von Vögeln und Katzen immer enger.

So auch in Uster, wo es immer weniger Rückzugorte für Tiere gibt und einer der wenigen noch bestehenden Räume wie das «Geisterhaus» kürzlich abgerissen wurde. Die Gesellschaft für Natur- und Vogelschutz Uster (GVNU) kritisierte den Abbruch: «Eines der letzten Wildnis-Plätzchen für Tiere und Pflanzen in Uster wurde zerstört», sagte Regula Fritz.

Raffael Ayé von Birdlife Schweiz sagt: «Im Vergleich zur industrialisierten Landwirtschaft und der betonierten Fläche, die stetig wächst, sind die Hauskatzen für die heimischen Vogelpopulationen ein geringeres Problem. Dennoch können sie den Vogelbestand aufgrund ihres Jagdtriebes deutlich verringern.»

Spatzen und Amseln betroffen

Zu den drei verbreitetsten Vogelarten in der Schweiz gehört die Amsel mit 500’000 bis 700‘000 Brutpaaren, der Spatz mit 450‘000 bis 500‘000 und der Buchfink mit der höchsten Population von 900‘000 bis 1‘100‘000 Brutpaaren, wobei der Buchfink die Katzen am wenigsten zu fürchten hat, da sich sein Siedlungsgebiet oft bis zur obersten Waldgrenze bewegt.

«Im Vergleich zur industrialisierten Landwirtschaft sind die Hauskatzen für die heimischen Vogelpopulationen ein geringeres Problem.»

Raffael Ayé, Birdlife Schweiz

Laut Birdlife Schweiz sind Kastrationen und Sterilisationen bei Katzen dringend gewünscht: «Der Jagdtrieb der Katzen wird somit zwar nicht eingedämmt, doch die vielen ausgesetzten Katzen können sich nicht mehr fortpflanzen und vermischen sich nicht mit der seltenen Wildkatze, die sich gerne in Waldgebieten bewegt», sagt Ayé. Das sei auch im Interesse der Tierschützer, die sich grundsätzlich eher gegen präventive Kastrationen einsetzen.

Brutzeit im Frühling entscheidend

Gegen Ende April sind die meisten Nester schon gebaut. In den kommenden Monaten Mai und Juni findet die Brutzeit statt. Um die heimische Vogelpopulation so gut wie möglich zu schützen, können Katzenbesitzer ihren eigenen Beitrag leisten. «Wer zu dieser Zeit seine Katze beim Freilauf im Garten beobachtet, kann bei genauem Hinhören manchmal ein nervöses Rufen beziehungsweise Warnen der Amseln oder anderer Vögel in den Büschen hören», sagt Ayé. «Das ist ein Hinweis auf Jungvögel in der Nähe. Jetzt sollten die Katzen in der Nachbarschaft für drei bis vier Tage im Haus bleiben. Danach können sie wieder raus.»

Bei der Amsel beginnt die Brutzeit früher als bei anderen heimischen Vögeln schon im März, manchmal sogar bereits im Februar. «Gerade im Mai und Juni gibt es viele Jungvögel», sagt Ayé. Die ersten Tage nach dem Verlassen des Nestes seien für die Jungvögel enorm wichtig, da sie noch sehr schlecht fliegen und einfache Opfer darstellen. Für eine Katze seien drei Tage ohne Auslauf durchaus zumutbar. «Besonders wichtig ist es, die eigenen Katzen vom Auslauf ausserhalb des Siedlungsgebiets oder im Wald abzuhalten», sagt Ayé. (Luca Da Rugna)

Präventive Tipps

  • Katzen den Zugang zu Nestern erschweren (Manschette oder Plastikhindernis an Baumstämmen)
  • Während der Anwesenheit von Jungvögeln im Garten den Auslauf der Hauskatzen für einige Tage beschränken
  • Hecken und Sträucher wegen der Nester nicht zu früh schneiden
  • Katzen frühzeitig kastrieren/sterilisieren
  • Katzen täglich mit Unterhaltung beschäftigen
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