Verliert Schwerzenbach seinen Sex-Tempel?
In Schwerzenbach steht der grösste Sexclub der Region. Bald könnte das nicht mehr so sein. Denn im Dorf kursiert das Gerücht, der Sexclub Globe plane den Wegzug aus der Gemeinde nach Kloten, in den Grosskomplex «The Circle», der in einem Jahr bezugsbereit sein soll. Ein hochrangiger Schwerzenbacher Behördenvertreter, der nicht namentlich genannt werden will, hat ebenfalls vom Gerücht gehört.
Besucher des Sexforums 6profi-forum.com glauben hingegen, dass es künftig sogar zwei Bordelle geben könnte: Das alte in Schwerzenbach und ein 13‘000 Quadratmeter grosses Pendant in Flughafennähe.«Neulich habe ich von einem Verantwortlichen die Auskunft bekommen, der jetzige Standort in Schwerzenbach wird nicht aufgegeben und soll noch viele Jahre bestehen bleiben. Demnach wird in Kloten also ein weiterer Club gebaut», schreibt ein User.
Gerücht unbekannt
Die Frage, ob das «Globe» eine Anfrage an die Vermieterin gestellt hat, will die Kommunikationsverantwortliche von «The Circle», Raffaela Stelzer, nicht beantworten. «Wir kommunizieren grundsätzlich nur Mieter, die bereits feststehen.» Sie kann sich aber nicht vorstellen, dass ein Bordell in den «Circle» einzieht: «The Circle ist ein Mixed Use Konzept mit Hotel, Kongressen, Ambulatorium sowie Gastronomie-, Büro- und Verkaufsflächen. Ein Sexclub passt nicht dazu.»
Auch Ingo Heidbrink, der das «Globe» 2004 auf dem Areal der ehemaligen Lackfabrik Vogelsang in Schwerzenbach eröffnete, will die angeblichen Umzugspläne nicht kommentieren. Er verweist auf das Geschäftsgeheimnis und auf den Mietvertrag mit der Besitzerin der Schwerzenbacher Liegenschaft. Dieser laufe erst 2034 aus.
Zäher Kampf
Gründe für einen Wegzug des «Globe» aus Schwerzenbach gäbe es allerdings: Heidbrink kämpft seit zehn Jahren mit juristischen Mitteln gegen ein privates Bauvorhaben neben seinem Club und zog damit bis vor Bundesgericht. 2008 wollte er vergeblich eine Zonenplanänderung verhindern, die eine Bebauung der benachbarten Industriebrache erlaubte. In der Folge ging er – wiederum vergeblich – gegen den entsprechenden privaten Gestaltungsplan «Ifang Park» der Gemeinde Schwerzenbach und des Kantons aus dem Jahr 2010 vor, der eine Überbauung mit 128 Wohnungen auf der Brache neben dem «Globe» vorsieht (siehe Box). Und vor Kurzem blitze er vor dem Verwaltungsgericht mit seiner Beschwerde gegen die entsprechende Baubewilligung ab.
Nachbarschaftsstreit befürchtet
Aus der Begründung eines seiner Rekurse gegen die Überbauungspläne geht hervor, dass Heidbrink die Konfrontation zwischen den «Globe»-Besuchern und den künftigen Bewohnern der Siedlung fürchtet.
«So schnell zieht das Globe nicht um. Die haben dort Millionen investiert.»
Milieu-Kenner aus Wetzikon
Heidbrink kann nun mit seiner Beschwerde bis Ende Januar erneut vors Bundesgericht ziehen. Wird er auch von diesem zurückgewiesen, steht dem Bau nichts mehr im Weg. Ob er das tut, wisse er aber noch nicht.
Schattenfirma konkurs?
Was ebenfalls Fragen aufwirft: Eine Firma, die im Dunstkreis des «Globe» auftritt, ist in Liquidation. Es handelt sich um die History Betriebs AG. Diese war bis Ende Dezember 2017 auf den gleichen Firmensitz wie die offizielle und aktuelle Betreiberin des Sauna Clubs eingetragen, die Ifangstrasse 2 in Schwerzenbach. Zweck der Gesellschaft war der Betrieb einer Sauna- und Wellness-Oase, eingetragen waren zum Teil dieselben Personen, wie bei der offiziellen «Globe»-Betreiberin. Zur mysteriösen, aufgelösten «Schattenfirma» will Heidbrink sich ebenfalls nicht äussern.
Unter den regionalen Bordell-Betreibern hat sich das Gerücht vom «Globe»-Wegzug noch nicht herumgesprochen. Ein Milieu-Kenner aus Wetzikon, der nicht namentlich genannt werden will, glaubt nicht an einen solchen: «So schnell zieht das Globe nicht um. Die haben in Schwerzenbach Millionen investiert.»
130 neue Wohnungen
Auf der Brache neben dem «Globe» zwischen Bahnhof-, Industrie- und Ifangstrasse ist die Überbauung «Ifang-Areal» der Versicherung Helvetia geplant. Diese soll über fünf Geschosse, 128 Wohnungen zwischen 50 bis 113 Quadratmetern, einen Innenhof, eine Tiefgarage sowie Atelier- und Gewerbeflächen verfügen.
Die drei Wohnhäuser an der Ifangstrasse 6-10 und die Flüchtlingsunterkunft, welche sich ebenfalls auf dem Gelände befinden liegen ausserhalb des Baugebiets und bleiben deshalb vorerst bestehen.